Bahn-Stellwerk weiter lahmgelegt - das müssen Pendler wissen

Bahnkunden müssen in diesen Tagen Geduld mitbringen - oder umplanen.
Bahnkunden müssen in diesen Tagen Geduld mitbringen - oder umplanen.
Foto: Stephan Eickershoff/Funke Foto Services
Der Brand war klein, die Folgen sind für mehr als eine Million Bahnreisende groß. Züge kommen unpünktlich oder gar nicht. Was Pendler wissen müssen.

Essen.. Bahnreisende und Pendler müssen sich nach dem folgenschweren Brand in einem Stellwerk in Mülheim an der Ruhr weiter auf Verspätungen und Ausfälle einstellen. Die Situation auf den Schienen sei auch am Mittwoch unverändert, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn am Morgen in Berlin.

Auch zwei Tage nach dem Brand kann die Bahn noch nicht absehen, wann der Zugverkehr wieder normal funktioniert. Im Stellwerk selbst habe die Bahn in den unteren Relaisräumen mit dem Aufräumen begonnen. "Nach dem ersten augenscheinlichen Eindruck ist es vielleicht nicht ganz zu schlimm wie zunächst befürchtet", sagte der Sprecher. "Wir schwanken zwischen Hoffen und Bangen." Der obere Raum mit den Bedienplätzen ist noch versiegelt und soll am Donnerstag von einem Brandsachverständigen der Polizei untersucht werden.

Im Nahverkehr sind zwischen Essen und Duisburg derzeit zwei Regionalzüge (RE 1 und RE 11) und eine S-Bahn (S 1) unterwegs. „Sie fahren langsam und in großen Abständen, so dass man mit 15 bis 25 Minuten Verspätung rechnen muss“, erklärte der Sprecher. Man wolle nun versuchen, die Zahl der durchgelotsten Züge von acht pro Stunde auf 16 zu verdoppeln. Dazu sei jedoch mehr Personal nötig.

Essen und Bochum vom Fernverkehr weitgehend abgekoppelt

Im Fernverkehr gilt bis auf Weiteres: Essen und Bochum bleiben weitgehend abgekoppelt. Eine positive Meldung konnte die Bahn am Mittwoch allerdings verkünden: Der ICE von Köln nach Berlin soll ab Donnerstag wieder auf der regulären Strecke über Essen und Bochum fahren.

Alle anderen Fernverkehrszüge werden weiterhin umgeleitet. Lothar Ebbers vom Fahrgastverband Pro Bahn sagte: „Die Essener müssen zum Knotenpunkt Düsseldorf, die Bochumer können nach Dortmund oder Hagen.“

Weil der Fernverkehr durch die Emscherzone umgeleitet werde, seien auch Herne, Gelsenkirchen und Oberhausen von den Brandfolgen betroffen. Ebbers: „Da kommen jetzt die umgeleiteten Züge mit Vorrang zu den planmäßigen auf eine nicht so belastbare Strecke. Das ist ein Domino-Effekt.“ Schließlich seien nahezu alle Regionalexpress-Linien betroffen, die unter anderem Mönchengladbach mit Hamm oder Aachen mit Paderborn verbinden.

Auch Ebbers lehnte es ab, über die Dauer der Einschränkungen zu spekulieren. Er erklärte allerdings, warum das frisch eröffnete Stellwerk in Duisburg nicht einfach die Arbeit übernehmen kann. „Das geht nur bei Stellwerken gleichen Typs.“ Mülheim habe ein fast 50 Jahre altes Relais-Stellwerk, das ohnehin am Ende seiner Laufzeit angelangt sei.

Um Oberhausen oder Essen mit ihren Stellwerken des Mülheimer Typs einzubinden, müssten neue Leitungen gelegt werden, sagte der Bahnsprecher. Das gehe nicht von heute auf morgen.

Folgende Linien der Bahn in NRW sind betroffen:

  • RE1 fährt auf dem Regelweg. Reisende müssen sich auf Verspätungen einstellen.
  • RE2 wird in beiden Richtungen zwischen Gelsenkirchen und Duisburg über Essen-Altenessen (Ersatzhalt) umgeleitet, kein Halt in Mülheim und Essen Hbf. Ab Altenessen besteht die Möglichkeit mit U Bahn 11 und 17 oder Straßenbahn Linie 108 nach Essen Hbf.
  • RE 6 wird in beiden Richtungen umgeleitet und verkehrt zwischen Duisburg und Dortmund. Reisende mit dem Fahrtziel Essen steigen in Essen–Altenessen aus, von hier fahren die U-Bahn-Linien 11 und 17 und die Straßenbahnlinie 108 zum Essener Hauptbahnhof. Wer nach Wattenscheid will, steigt in Gelsenkirchen aus. Von hier fahren die Linien 302 und 389 zum Hauptbahnhof. Wenn es nach Bochum gehen soll, bitte in Herne aussteigen, von hier fährt die U-Bahn-Linie 35 zum Bochumer Hauptbahnhof.
  • RE11 verkehrt auf dem Regelweg. Reisende müssen sich auf 15 bis 20 Minuten Verspätung einstellen.
  • S1 fährt im 40-Minuten-Takt auf dem Regelweg. Jede zweite Bahn wird zwischen Essen Steele und Düsseldorf Unterrath (in beiden Richtungen) ohne Zwischenhalt umgeleitet.
  • S2 verkehrt auf dem Regelweg.
  • S3 entfällt auf dem Abschnitt Essen–Oberhausen. Ersatzverkehr mit Bussen zwischen Oberhausen Hbf und Essen Hbf sowie zwischen Essen Hbf und Duisburg Hbf
  • Fernverkehr: Die allermeisten IC und ICE werden nach wie vor großräumig umgeleitet - über Gelsenkirchen Hbf, beziehungsweise Wuppertal Hbf. Die Haltepunkte Bochum Hbf und Essen Hbf entfallen. Ausnahme: Der ICE von Köln nach Berlin fährt laut Bahn ab Donnerstag wieder über Essen und Bochum. Fahrgäste müssen allerdings 15 bis 20 Minuten zusätzlich einplanen.

Wann gibt es Geld zurück?

  • Kunden des Verkehrsverbunds Rhein Ruhr (VRR) haben bei einem sogenannten Barticket (EinzelTicket, 4erTicket, 10erTicket, TagesTicket) Anspruch auf 25 Prozent des Fahrpreises, sollte sich die Bahn zwischen einer und zwei Stunden verspäten. Dauert es noch länger, können sie die Hälfte des Preises zurückbekommen.
  • Bei Zeittickets wird als Entschädigung für eine Verspätung ab 60 Minuten eine Pauschale gezahlt.
  • Bei Zeittickets sollte der Antrag nach Ablauf des Monats eingereicht werden, bei Bartickets können die Anträge sofort abgegeben werden.
  • Außerdem gibt es beim VRR eine sogenannte Mobilitätsgarantie. Haben Bus oder Bahn mehr als 20 Minuten Verspätung, können Passagiere auch ein Taxi nehmen oder in den ICE oder IC/EC umsteigen. Die Kosten übernimmt der VRR, aber es gibt auch dort Höchstwerte. Die Garantie gilt nicht bei Streiks und Unwetter, bei Naturgewalten oder Bombendrohungen, außerdem darf es keine alternative Verkehrsverbindung zur verspäteten Bahn oder dem Bus geben.
  • Bei der Deutschen Bahn kann ein Kunde die Fahrt vor dem eigentlichen Antritt abbrechen, falls mit einer Verspätung von mehr als 60 Minuten gerechnet werden muss. Den vollen Fahrpreis bekommt er dann zurück.

(mit dpa)

 
 

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