Australien steht vor einem Regierungwechsel

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Sydney. Nach den Parlamentswahlen steht Australien vor einem Machtwechsel: Der konservative Regierungschef John Howard muss sein Amt nach elf Jahren an Kevin Rudd von der Arbeitspartei abgeben.

«Es ist Zeit, eine neue Seite aufzuschlagen in der Geschichte unserer Nation», verkündete der 50-jährige Wahlsieger am Samstagabend. Er hatte im Wahlkampf unter anderem versprochen, die australischen Truppen aus dem Irak abzuziehen und das Kyoto-Protokoll zu unterzeichnen. Howard gestand die Niederlage bei den Wahlen ein, die für ihn offenbar auch persönlich zum Debakel wurden: Der 68-Jährige verlor nach ersten Auszählungen seinen Parlamentssitz.

Den Hochrechnungen des australischen Fernsehens zufolge erhielt die Labor-Partei 53 Prozent der Stimmen. Sie kommt damit auf 86 der 150 Sitze im Parlament. Howards Liberal-Nationale Koalition dagegen musste sich mit 47 Prozent begnügen. Ihr bleiben damit nur 62 Mandate, deutlich weniger als die bisherigen 86 Sitze. Zwei Sitze im neuen Parlament gehen den Hochrechnungen zufolge an unabhängige Kandidaten.

"Ich habe gerade Herrn Rudd angerufen und ihm und seiner Labor-Partei zu ihrem sehr deutlichen Sieg gratuliert», sagte Howard vor seinen Anhängern in Sydney. Er gestand zugleich ein, dass er in seinem Wahlkreis vermutlich seinen eigenen Parlamentssitz an eine Fernsehmoderatorin verloren habe. «Meine politische Karriere ist zu Ende», sagte der ziemlich mitgenommen wirkende Politiker, der von seiner Frau und seinen Kindern begleitet wurde. Es wäre das erste Mal seit 78 Jahren, dass ein amtierender Regierungschef in Australien seinen Parlamentssitz verliert. Howard war seit 1974 Parlamentsmitglied, 1996 wurde er nach einem Wahlsieg über Labor Regierungschef.

"Ich möchte sagen, dass es für einen Mann keinen stolzeren Job gibt, als Premierminister von Australien zu sein», betonte Howard. Er wünsche seinem Widersacher für diese Aufgabe «alles Gute». Rudd übernehme ein Land, das dank der Reformen seiner Koalition in der Blüte stehe.

Der Wahlsieger selbst präsentierte sich seinen Anhängern in Brisbane. Nach dem unter anderem von einer Rufmordkampagne überschatteten hart geführten Wahlkampf rief der 50-Jährige seine Landsleute nun zur Versöhnung und zum Zusammenhalt auf. Er wolle «ein Premierminister für alle Australier» sein, kündigte Rudd an. Alle müssten nun zusammenarbeiten, «um unser großes Land noch größer zu machen». (afp)

 
 

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