Aus der Staufalle B224 zwischen Essen und Gladbeck soll die A52 werden

Aus der B 224 soll in Bottrop die A 52 werden.
Aus der B 224 soll in Bottrop die A 52 werden.
Foto: Dirk Bauer
Geht es nach Landesverkehrsminister Michael Groschek, dann wird die Bundesstraße B 224 in Bottrop zur Autobahn A 52 ausgebaut. Der neue Abschnitt soll in Form eines Autobahndreiecks an die A 2 angebunden werden. Groschek setzt auf die kleine Lösung, die ohne teuren Tunnelbau auskommt. Bottrop will den Anschluss, Gladbeck nicht.

Düsseldorf. Als die Ursprungsplanung für die Autobahn 52 durch das mittlere Ruhrgebiet in den „Bundesverkehrswegeplan“ geschrieben wurde, besuchte Michael Groschek noch das Oberhausener Heinrich-Heine-Gymnasium. 1971 war das. Heute ist Groschek 56 Jahre alt und Verkehrsminister Nordrhein-Westfalens. Wie alle Amtsvorgänger in den vergangenen vier Jahrzehnten musste sich der SPD-Politiker über die Pläne einer „Transitautobahn“ durch das Revier zwischen Essener City und Marl beugen.

Die Interessengegensätze der betroffenen Kommunen untereinander, jene von Bund und Land, von Wirtschaft und Umweltschützern, von Verkehrsplanern und Haushältern verfestigten einen Zustand, den Groschek am Montag „jahrzehntelange Selbstblockade“ nannte. Seine Lösung: Allein der vergleichsweise kurze Abschnitt der Bundesstraße 224 zwischen den Anschlussstellen Essen (A42) und Gladbeck (A2) wird zur A52 ausgebaut. Die lange diskutierten milliardenschweren Tunnel-Lösungen im Süden (Essen) und im Norden (Gladbeck) werden dagegen ab sofort nicht weiterverfolgt. „Wir haben eine möglichst konsensfähige Lösung gesucht“, sagte Groschek.

Politisch heikel

Der im Ruhrgebiet bestens vernetzte Minister weiß, dass selbst seine „kleine A52-Variante“ politisch heikel ist. Es gibt einen klaren Interessengegensatz zwischen den beiden SPD-geführten Städten Bottrop und Gladbeck. Bottrop will den Autobahnabschnitts unbedingt. Oberbürgermeister Bernd Tischler (SPD) verspricht sich davon „optimalen Lärmschutz“ für die Stadtteile Boy, Welheim und Welheimer Mark. Die Planungen sind ausgereift, der Bund steht mit Finanzierungszusagen parat. Bereits ab 2015 könnten die ersten Bagger anrollen und Schallschutzwände aufstellen.

Einen „eigenen Verkehrswert“ hat das 120 Millionen Euro teure A52-Teilstück für die Planer in Berlin und Düsseldorf jedoch nur, wenn damit zumindest die Anschlussstellen Essen (A42) und Gladbeck (A2) verbunden werden können. In Gladbeck muss also ein Autobahndreieck gebaut werden. Dabei hatte dort im vergangenen Jahr ein Ratsbürgerentscheid gegen einen A52-Tunnel weiter nördlich votiert.

Formal ging es nur um eine kommunale Finanzbeteiligung, da die Städte im Autobahnbau wenig zu sagen haben. Mit der Ablehnung verband sich in Gladbeck jedoch die Erwartung, dass überhaupt keine weiteren A52-Planungen auf Stadtgebiet mehr zu erwarten seien. Der damalige grüne Verkehrsstaatssekretär Horst Becker hatte solche genährt.

Groschek sucht nun den Mittelweg zwischen Kooperation und Konfrontation. Monatelang hat er an einem „Runden Tisch“ mit Vertretern der Städte, der Wirtschaft und unterschiedlicher Bürgerinitiativen ausloten lassen, wie die „Stau-falle B224“ endlich überwunden werden kann.

Erstmals saßen sich Befürworter und Gegner der A52 gegenüber. Ein Paket mit 34 Einzelmaßnahmen im Öffentlichen Nahverkehr, bei Radwegen, Straßen und im Lärmschutz wurde nun geschnürt. „Wir haben das Mikado-Prinzip aufgelöst: Bislang galt, wer sich bewegt, verliert“, sagte Groschek zufrieden.

Verbesserungen im Nahverkehr

Der Ausbau der B224 bis hinein ins Gladbecker Stadtgebiet bleibt das zentrale Politikum. Groschek macht von seinem Entscheidungsrecht Gebrauch, um den Status quo nicht für weitere Jahrzehnte zu zementieren. Er beendet Transitautobahn-Träume der Wirtschaft in Essen, bietet Umweltschützern 17 Verbesserungen im Öffentlichen Nahverkehr, mutet gleichzeitig Gladbeck das Autobahndreieck zu.

Bürgermeister Ulrich Roland (SPD) ahnt, dass es schwer wird, „diese Lösung in die Stadtgesellschaft zu vermitteln“. Offenporiger Asphalt und Lärmschutz für das Kleinod Wittringen sollen die Pläne zwar für Gladbeck erträglich gestalten. Zudem will die Landesregierung auf die Industriebetriebe rund um Marl einwirken, bei Transportwegen doch über Alternativrouten nachzudenken. Groschek hat eine Machbarkeitsstudie für einen Radschnellweg zwischen Gladbeck und Essen zugesagt. Auch soll die Finanzierung des neuen Busbahnhofs Oberhof vom Land gestemmt werden.

Für Meike Maser-Plag vom „Bürgerforum A52“ sind dies alles gleichwohl nur „Erste-Hilfe-Maßnahmen“, die vom eigentlichen Problem des ungewünschten Autobahnausbaus nicht ablenken können. In Gladbeck bleibt die Sorge, Verlierer der A52-Debatte zu sein.

 
 

EURE FAVORITEN