Augenwischerei – von Daniel Freudenreich

Daniel Freudenreich

Langsam wird es zum Ritual. Jedes Jahr bürsten die OECD-Statistiker das deutsche Bildungssystem ab – und Ministerin Schavan erklärt, dass alles gut wird.

Zugegeben, es gibt positive Entwicklungen. Die Zahl der Studienabsolventen ist gestiegen und damit die der Akademiker. Zudem sollen 3,6 Milliarden Euro bis 2015 in weitere Studienplätze fließen. Allerdings kommt die Bildungsrepublik nur in Trippelschritten voran. Mit einer Studienanfängerquote von 43 Prozent dümpelt Deutschland fast am OECD-Ende herum. Zudem ist in fast allen anderen Staaten der Anteil der höher gebildeten Arbeitnehmer schneller angestiegen.

Noch immer pumpen Bund und Länder einen geringeren Prozentsatz des Bruttoinlandproduktes in die Bildung als die meisten anderen Staaten. Dies sollte umso mehr zu denken geben, da Deutschland unter dem Strich durch Bildungsinvestitionen mehr als alle anderen Industrieländer profitiert. Bund und Länder müssen ihre Bildungsausgaben weiter erheblich steigern – und zwar in Euro und Cent. Allein das Sieben-Prozent-Ziel anzupeilen, ist Augenwischerei, wenn hier Ausgaben wie Kindergeld, Tickets für den öffentlichen Nahverkehr und Beamtenpensionen eingerechnet sind. Das führt nicht zur Bildungsrepublik.