Auf Schienen und Straßen in NRW droht der Verkehrsinfarkt

Stau im Ruhrgebiet: Für viele Autofahrer ist das Alltag.
Stau im Ruhrgebiet: Für viele Autofahrer ist das Alltag.
Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool
Ein Wissenschaftler der Uni Münster hat ausgerechnet, wie sehr gerade die Bahnstrecken in NRW überlastet sind. Ohne höhere Maut-Einnahmen werde der Erhalt der Infrastruktur nicht gelingen, meint NRW-Verkehrsminister Groschek.

Düsseldorf/Berlin. Das Schienennetz in NRW ist schon heute überlastet, und wenn die Prognosen für 2015 eintreffen, „dann wird es eng“, warnt der Direktor des Instituts für Verkehrswissenschaften an der Universität Münster, Karl-Hans Hartwig. Er hat die Engpässe in NRW untersucht. Nach seiner Darstellung sind 24 Streckenabschnitte überlastet. 50 weitere Abschnitte operieren an der Kapazitätsgrenze. Sie sind bereits zu 85 bis 110 Prozent ausgelastet.

Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) hat das Ergebnis von Hartwigs Studie bewusst in Berlin bei einem parlamentarischen Abend vorgestellt. Er sucht Verbündete. Und Geld. Hartwig mahnte Investitionen an. Die Mittel müssten dorthin, „wo sie am dringendsten benötigt werden“: zur Beseitigung von Engpässen. Sonst werde NRW zum Nadelöhr für ganz Deutschland. Im Klartext: An Rhein und Ruhr wird überdurchschnittlich viel Geld für Bypässe gebraucht. Andernfalls droht ein Verkehrsinfarkt.

VerkehrDas kann auch nicht im Interesse der süddeutschen Länder sein. Der Versand von Gütern über die Häfen Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen und Zeebrügge läuft über NRW, 20 Prozent des Außenhandelsanteils von Regionen wie Karlsruhe und Stuttgart. Niederbayern oder der Raum Koblenz sind ebenso stark mit NRW verflochten. Gemeinsames Handeln aller Länder sei gefordert, so Hartwig. Groschek hört es gern.

„Ohne höhere Maut geht es nicht“

Ohne höhere Maut-Einnahmen werde der Erhalt der Infrastruktur nicht gelingen, meint Groschek. Und es ärgert ihn, dass diese Mittel bisher ausschließlich in den Straßenbau oder in den Staatsetat fließen: „Das ist vergangenes Jahrhundert.“

Die Verkehrsminister der Länder haben ihr nächstes Treffen mit Bedacht für den 2. Oktober terminiert. Zehn Tage nach der Bundestagswahl. Mitten in Koalitionsverhandlungen soll dann die Forderung nach mehr Geld platzen. Die Infrastruktur brauche „so etwas wie einen Pisa-Schock“, erklärte Groschek.

Beispiel A 45, die so genannte Sauerlandlinie. Dort müsse jede Großbrücke erneuert werden. Die schwerlastabhängige Industrie hätte andernfalls bald keine Chance, die Häfen zu erreichen, so Groschek. Die Bahnbrücken sind übrigens im Schnitt doppelt so alt wie die Autobahnbrücken. Auf die Bahn, speziell den Güterverkehr, achtet er besonders. Nach allen Prognosen wird der bis 2015 um 17,2 Prozent ansteigen.

Extrem belastet sind laut Professor Hartwig drei Korridore. Der erste verläuft von Emmerich nach Bonn (weiter bis Basel), der zweite auch von Nord nach Süd, von den norddeutschen Häfen über Rheine und Osnabrück nach Hamm und Recklinghausen. Der dritte Korridor im Schienenverkehr führt von Düsseldorf nach Minden, von Ost nach West. Die am stärksten belasteten Knoten: Köln, Essen, Duisburg, Hamm, Wuppertal, Oberhausen, Gelsenkirchen, Bochum und Düsseldorf.

 
 

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