Auf dem Balkan wird das Leben sicherer

Brüssel. Ein UN-Bericht meldet deutlich weniger Kriminaltaten auf dem Balkan. Allerdings bleibt die enge Bande zwischen Verbrechen und Politik zentrales Problem.

Gut möglich, dass man auf Belgrads Straßen sicherer ist als in Frankfurt. Oder in Zagrebs Vororten ungefährlicher lebt als im Pariser Umland. Der aktuelle Bericht des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung zeigt jedenfalls auf, dass man sich bei der Bewertung der Sicherheitslage in Südosteuropa nicht auf Vorurteile verlassen darf. „Es mag einige überraschen“, erklärt die Spezialbehörde der Vereinten Nationen, „aber unser Balkan-Bericht zeigt, dass es dort grundsätzlich weniger Kriminaltaten gegen Menschen und Eigentum – wie Mord, Raub, Vergewaltigung, Diebstahl und Körperverletzung - gibt als in Westeuropa.“ So werden in dem Report, der dieser Zeitung bereits vorliegt, beispielsweise die Ergebnisse von Umfragen im Westen und im Südosten der EU verglichen. In der „alten“ EU lag die Zahl der Befragten, die nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr Opfer eines Diebstahls wurden, über drei Prozent – in Albanien, Montenegro, Kroatien, Bulgarien und den anderen Ländern der Region waren es zweieinhalb. Noch deutlicher fällt der Unterschied bei der Anfrage nach Körperverletzung aus: hier mehr als zwei Prozent, dort weniger als ein Prozent.

Zudem weisen die Vereinten Nationen darauf hin, dass die Zahl der Morde auf dem Balkan seit fast zehn Jahren stetig sinkt. Die Experten haben für den erfreulichen Trend plausible Erklärungen. Die Stärkung der demokratischen Strukturen und der Stabilität – auch durch eine engere Anbindung an den Rest Europas und durch internationale Hilfen - habe ebenso dazu beigetragen wie der Einsatz von mehr Ordnungskräften. Zudem seien die Staaten Südosteuropas weniger anfällig für die konventionelle Kriminalität als Staaten, in denen eine größere Schere zwischen Arm und Reich klaffe und mehr Menschen in große Städte drängten.

Die Bande zwischen Politik und organisiertem Verbrechen sind eng

Jenseits dieses positiven (Teil-) Befundes enthält der UN-Bericht freilich eine beunruhigende Botschaft: Die Bande zwischen Politik, Geschäftswelt und organisiertem Verbrechen sind in der Südostecke des Kontinents weiter besonders eng. Nirgendwo sonst wird so oft Schmiergeld verlangt. Und trotz sinkender Zahlen bleibt der Balkan bis auf weiteres die bevorzugte Route für den Drogenhandel. Die Anstrengungen im Kampf gegen Betrug, Geldwäsche, Machtmissbrauch und Korruption müssten deshalb noch verstärkt werden, verlangen die Autoren des UN-Berichts, der am Donnerstag offiziell vorgestellt wird.

 
 

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