„Armut schreit zum Himmel“

An Rhein und Ruhr.  Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben Armut und Not vieler Menschen in den Mittelpunkt ihrer Weihnachtspredigten gestellt.

Alleinerziehende mit ihren Kindern, Flüchtlinge oder alleinstehende Senioren gehörten „zu den Verlierern unseres Lebenssystems. Ihre Armut schreit zum Himmel“, kritisierte der katholische Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck in seiner Weihnachtsbotschaft. Trotz guter Konjunktur gebe es eine zu hohe Arbeitslosigkeit an Rhein und Ruhr. Maßstab müsse ein „Wachstum in Gerechtigkeit“ sein, das mehr sei als ein Wirtschaftswachstum, sagte der Bischof mit Bezug auf kapitalismuskritische Äußerungen des Papstes.

Scharf kritisierte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, den Umgang mit Flüchtlingen: „Die Not schreit zum Himmel.“ Europa drohe seine Seele zu verlieren, sagte Schneider mit Blick auf die zwei Schiffsunglücke vor der Insel Lampedusa Anfang Oktober mit rund 400 ertrunkenen Migranten. Man dürfe dieser Situation nicht länger tatenlos zusehen. Schneider wandte sich gegen Forderungen von Papst Franziskus nach einer „armen Kirche“: „Nachhaltig helfen kann nur eine Kirche, die auch materielle Mittel hat, um helfen zu können“. Zudem brauche es fachlich qualifizierte Mitarbeiter, „um große prophetische Visionen in viele kleine praktische Schritte umzusetzen“.

Bischof Zollitsch hofft

Bischof Robert Zollitsch, Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz, ist zuversichtlich, dass das, was der Papst angestoßen hat, umgesetzt wird: „Kirche wird in der Öffentlichkeit ein neues Bild bekommen, wird aufgeschlossener werden.“ Er glaube, „dass es gelingt, manches an Vertrauen, was wir verloren haben, wieder aufholen zu können.“

Auch Bundespräsident Joachim Gauck forderte mehr Unterstützung und Verständnis für Flüchtlinge in Deutschland. „Die Flüchtlinge, die zu uns kommen, kommen nicht mit der Erwartung, hier in ein gemachtes Bett zu fallen“, sagte Gauck in einer vorab veröffentlichten Rede, die am ersten Weihnachtsfeiertag in ARD und ZDF ausgestrahlt werden soll. Die Menschen wollten Verfolgung und Armut entfliehen und Sinn in einem erfüllten Leben finden.

Der Bundespräsident erinnerte an das „schreckliche Schicksal der Familien aus Syrien“ und an „die Verzweifelten, die den gefährlichen Weg nach Europa über das Wasser wagen“.