Ansporn für alle jungen Menschen

Berlin..  Weltweit haben Politiker und Kinderrechtler die Verleihung des Friedensnobelpreises an die 17-jährige Malala Yousafzai aus Pakistan und den indischen Kinderrechtler Kailash Satyarthi begrüßt. Deutsche Kinderschutzorganisationen beklagten gleichzeitig den Umgang mit armen und entwurzelten Kindern hierzulande. „Wir können uns nicht zurücklehnen“, sagte Heinz Hilgers vom Kinderschutzbund gegenüber der NRZ.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gratulierte gestern den Preisträgern, Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) begrüßte die Entscheidung als „Ansporn“ für junge Menschen, auf ihre Rechte zu pochen. Malala Yousafzai, die jüngste Friedensnobelpreisträgerin aller Zeiten, setzt sich vor allem für bessere Bildungschancen von Mädchen ein. Der 60-jährige Kailash Satyarthi aus Indien kämpft gegen Kinderarbeit und hat Tausende Kinder aus der Sklaverei gerettet. Vor zwei Jahren hatte Malala Yousafzai nur knapp einen Anschlag überlebt – Taliban-Milizen schossen der Pakistanerin ins Gesicht. Die junge Frau aber ließ sich nicht einschüchtern, sie gilt heute als mutige Vorkämpferin für Mädchenrechte in aller Welt.

„Im Vergleich zu Malala geht es den meisten Kindern in Deutschland fast paradiesisch gut“, so Unicef-Geschäftsführer Christian Schneider. „Aber auch in Deutschland sehen wir, dass rund eine Million Kinder jahrelange Armutserfahrungen haben – in vielen Fällen heißt das: wenig Förderung, schlechte Ernährung, kaum Teilhabe, schlechtes Wohnumfeld.“

In der Regel gibt es nureine Akut-Versorgung

Der Deutsche Kinderschutzbund warnte Politik und Gesellschaft davor sich zurückzulehnen: Die Zahl der Kinder, die durch Gewalt zu Tode kommen, werde nicht kleiner, sexueller Missbrauch werde noch immer unterschätzt.

Kritisch sehen die Kinderschützer auch die Lage der Flüchtlingskinder in Deutschland, vor allem beim Recht auf Bildung und medizinische Versorgung: „Flüchtlingskinder bekommen in der Regel nur die Akut-Versorgung. Eine psychologische Betreuung für traumatisierte Kinder dagegen fehlt oft“, so Schneider.

Die Grünen sehen jetzt die Regierung in der Pflicht, so Fraktionsvize Katja Dörner zur NRZ: „Die Verleihung des Friedensnobelpreises ist auch ein Auftrag, diesen für Deutschland unwürdigen Zustand zu beenden.“

 
 

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