Anschlagsziel Düsseldorf: Mutmaßliche IS-Zelle ausgehoben

Die festgenommenen Terrorverdächtigen wurden am Donnerstag beim Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe dem Haftrichter vorgeführt.
Die festgenommenen Terrorverdächtigen wurden am Donnerstag beim Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe dem Haftrichter vorgeführt.
Foto: dpa
Ihr Ziel war offenbar ein Blutbad in Düsseldorf: Ermittler haben eine mutmaßliche Terrorzelle des IS in Deutschland zerschlagen.

Düsseldorf/Karlsruhe.  Vier Männer aus Syrien sollen einen Terroranschlag in Deutschland geplant haben. Das gab die Bundesanwaltschaft am Donnerstag bekannt. Ziel der mutmaßlichen Terroristen war demnach die Düsseldorfer Altstadt. Die Männer sollen im Auftrag des „Islamischen Staates“ gehandelt haben. Einer wurde nach Informationen aus Sicherheitskreisen am Donnerstag im nordrhein-westfälischen Mülheim an der Ruhr festgenommen, ein weiterer in einer Asylbewerberunterkunft im brandenburgischen Bliesdorf, der dritte in Baden-Württemberg. Der Vierte sitzt in Frankreich in Untersuchungshaft.

Zwei der Männer – Saleh A. (25) und Hamza C. (27) – sollen sich nach Angaben der Bundesanwaltschaft im Frühjahr 2014 in Syrien der Terrormiliz IS angeschlossen haben. „Dort erhielten sie von der Führungsebene der Vereinigung den Auftrag, in der Düsseldorfer Altstadt einen Anschlag zu verüben“, heißt es in der Mitteilung der Karlsruher Behörde. Nach den weiterführenden Planungen der beiden sollten offenbar zwei Selbstmordattentäter in Düsseldorf auf zentral gelegenen Heinrich-Heine-Allee jeweils eine Sprengweste zünden. Anschließend sollten weitere Attentäter möglichst viele Passanten mit Gewehren und weiteren Sprengsätzen töten.

Offenbar noch keine konkrete Umsetzung der Anschlagspläne

Nach den bisherigen Ermittlungen haben die vier Beschuldigten den Anschlag zwar geplant, die Bundesanwaltschaft hat aber bislang keine Hinweise, dass die Verdächtigen bereits mit der konkreten Umsetzung ihres Planes begonnen hatten.

Saleh A. und Hamza C. sollen bereits 2014 aus Syrien in die Türkei eingereist und 2015 über die Balkanroute nach Deutschland gekommen sein. Hier sollen Mahood B. (25) und Abd Arahman A.K. (31) dazugestoßen sein. Letzterer sollte nach Angaben der Bundesanwaltschaft die Sprengwesten herstellen. Der 31-Jährige soll demnach bereits 2013 in Syrien für die Terrormiliz „Jabhat al-Nusra“ Sprenggürtel und Granaten hergestellt haben.

Saleh A. reiste Anfang des Jahres nach Frankreich und offenbarte den dortigen Strafverfolgungsbehörden am 1. Februar die Pläne der Terrorzelle. Die französischen Behörden informierten dann deutsche Kollegen, die den Mann vernahmen und jetzt in Deutschland zugriffen. Die Bundesanwaltschaft will sich um Saleh A.s Auslieferung nach Deutschland bemühen.

Verdächtiger hatte in Brandenburg Asylantrag gestellt

Hamza. C wurde nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur am 11. September 2015 erstmals in der Flüchtlingsunterkunft im brandenburgischen Bliesdorf registriert. Er habe einen Asylantrag gestellt, über den noch nicht entschieden sei, teilte der zuständige Landkreis Märkisch-Oderland am Donnerstag mit.

Zwischenzeitlich sei der 27-Jährige abgetaucht, hieß es im Landratsamt. Erst am Mittwoch sei er wieder in seiner Unterkunft erschienen und habe seine Unterstützungsleistung von knapp 390 Euro abgeholt. Davor habe sich der Syrer fünf Monate lang nicht blicken lassen.

„Wer denkt, in Düsseldorf bestünde keine Gefahr, ist naiv“

„Es ist beruhigend, dass diese Leute offenbar schon lange beobachtet worden sind“, sagte Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel unserer Redaktion. „Wer denkt, bei uns in Düsseldorf bestünde überhaupt keine Gefahr, der ist naiv.“ Zum anstehenden Public-Viewing anlässlich der Europameisterschaft vor dem Düsseldorfer Rathaus in der Altstadt sagte der OB: „Wir tun alles Menschenmögliche in Verbindung mit den Sicherheitsdiensten, den nationalen Verfolgungsbehörden und der Polizei, um die Gefahren abzuwenden.“ Er selbst habe keine Angst: „Ich gehe zum Public Viewing, bin aber wachsam. Wenn wir jetzt unser Leben radikal ändern und nicht mehr zu Großveranstaltungen gehen, haben die Terroristen bereits gewonnen.“

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) will nun die Sicherheitsmaßnahmen für Großveranstaltungen im Land überprüfen. Die Vorkehrungen seien in Nordrhein-Westfalen schon jetzt auf einem sehr hohen Niveau, sagte Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Donnerstag in Düsseldorf. Die Anschlagsplanungen seien aber ein Anlass, noch einmal zu überprüfen, „ob alles Erdenkliche getan worden ist, um solche Veranstaltungen so sicher wie nur möglich zu machen“.

Justizminister Heiko Maas (SPD) erklärte: „Das entschlossene Vorgehen des Generalbundesanwaltes zeigt: Unsere Ermittlungsbehörden gehen gegen mutmaßliche Terroristen mit allen Mitteln des Rechtsstaats vor.“

 
 

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