Anschlag auf Ex-Spion: Nervengift-Spuren in Lokal entdeckt

Polizisten stehen vor dem Restaurant Zizzi in Salisbury, das Ermittler auf Spuren von Nervengift untersuchen.
Polizisten stehen vor dem Restaurant Zizzi in Salisbury, das Ermittler auf Spuren von Nervengift untersuchen.
Foto: Andrew Matthews / dpa
Im Fall des vergifteten russischen Ex-Spions in Großbritannien kommen die Ermittler voran. Eine neue Spur führt laut BBC in ein Lokal.

Salisbury/London.  Nach dem Giftanschlag auf den russischen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter haben britische Ermittler nach Informationen der BBC Spuren von Nervengift in einem Restaurant gefunden. Das Lokal in der südenglischen Kleinstadt Salisbury werde derzeit untersucht, berichtete der Sender in der Nacht zum Sonntag. Die Ermittlungen kommen nach Angaben von Innenministerin Amber Rudd schnell voran.

Der 66-jährige Skripal und seine 33-jährige Tochter Yulia sollen am vergangenen Wochenende in dem Restaurant gegessen haben. Nur wenige Stunden später brachen sie auf einer Parkbank zusammen.

Wohl keine anderen Gäste betroffen

Die Ermittler gingen jedoch nicht von einer Gefahr für andere Restaurantbesucher aus. Es gebe auch keine Hinweise darauf, dass andere Gäste mit dem Nervengift in Zusammenhang stünden, hieß es.

Giftanschlag auf Ex-Spion: Britisches Militär hilft der Polizei
Giftanschlag auf Ex-Spion: Britisches Militär hilft der Polizei

Der Ex-Spion Skripal und seine Tochter waren am vergangenen Sonntag mit Vergiftungserscheinungen in Salisbury aufgefunden worden. Sie wurden der Polizei zufolge Opfer eines Attentats mit Nervengift. Die beiden befanden sich nach Angaben Rudds am Samstag weiterhin in einem kritischen Zustand. Ein ebenfalls verletzter Polizist ist demnach „schwer krank“ , aber ansprechbar.

Innenministerin Rudd hatte am Samstag in London eine Sitzung des britischen Sicherheitskabinetts geleitet. Ob die Ermittler bereits eine heiße Spur zu den Tätern oder Hintermännern der Tat verfolgten, sagte sie aber nicht.

„Wir müssen der Polizei und den ermittelnden Einheiten um sie herum den Raum geben, voranzukommen“, sagte Rudd und mahnte Geduld. Auch um was für ein Gift es sich genau handelt, wollte Rudd mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen noch nicht sagen.

Schon 240 Beweismittel sichergestellt

An den Ermittlungen beteiligt seien mehr als 250 Polizisten der Anti-Terror-Einheit, so Rudd. Sie hätten etwa 200 Zeugen identifiziert und 240 Beweismittel sichergestellt. Auf die Frage nach möglichen Reaktionen Londons, sollte sich herausstellen, dass Russland seine Finger im Spiel hat, wollte sich die Ministerin nicht einlassen. Es gehe jetzt darum, Beweise zu sichern, damit eine Zuordnung der Tat klar erfolgen könne.

Sicherheitsstaatssekretär Ben Wallace hatte zuvor angekündigt, Großbritannien sei bereit, mit „voller Macht“ zu antworten, sobald die Verantwortlichen ausgemacht seien.

Die Polizei hatte am Freitag die Unterstützung des Militärs angefordert und die Ermittlungen ausgeweitet. Am Samstag war auf Fernsehbildern zu sehen, wie Spezialeinheiten der Streitkräfte, mehrere Krankenwagen zur Dekontamination abtransportierten.

Neben dem Fundort der Verletzten und dem Wohnhaus Skripals kam auch ein nahegelegener Friedhof in den Fokus der Ermittler. Dort sollen Medienberichten zufolge Skripals Ehefrau und Sohn begraben liegen.

Parallelen zum Mord an Kremlkritiker Litwinenko

Unklar ist weiterhin, wie die Opfer mit dem Nervengift in Kontakt kamen. Medien berichteten unter Berufung auf Ermittlerkreise, die Quelle des Gifts könne sich im Haus Skripals befunden haben.

Der Fall erinnert an den Mord an dem Ex-Agenten und Kremlkritiker Alexander Litwinenko, der 2006 in London mit radioaktivem Polonium vergiftet wurde. Die Spuren der Täter führten damals nach Moskau. Das hat zu Spekulationen geführt, der Kreml könnte erneut seine Hände im Spiel haben. Der britische Außenminister Boris Johnson kündigte eine „angemessene und robuste“ Reaktion an, sollte sich herausstellen, dass Russland hinter der Tat steckt. Moskau streitet jede Beteiligung an dem Attentat ab und klagt über antirussische Propaganda. (dpa)

 
 

EURE FAVORITEN