„Anne Will“ (ARD): Fanta-4-Rapper Smudo stellt CDU-Mann bloß

Maischberger, Lanz und Co.: Das sind die deutschen Talkmaster

Maischberger, Lanz und Co.: Das sind die deutschen Talkmaster
Beschreibung anzeigen

Wie sinnvoll ist die Corona-Warn-App? Darüber gab es bei „Anne Will“ am Sonntagabend in der ARD eine hitzige Diskussion. Dabei geriet Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) als Vertreter der Regierung ganz schön ins Hintertreffen.

Sowohl Fanta-4-Rapper Smudo als auch der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar lassen den CDU-Politiker bei „Anne Will“ kaum zu Wort kommen. Vor allem ein Satz von Braun klang dabei wie eine Kapitulationserklärung.

„Anne Will“: „Es ist eigentlich ein Teufelskreislauf“

Zur Frage „Die große Ratlosigkeit – gibt es einen Weg aus dem Dauer-Lockdown?“ diskutierten bei „Anne Will“ neben den drei genannten Gästen noch Christiane Woopen, Vorsitzende des Europäischen Ethikrats, und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), ehemalige Bundesjustizministerin.

Dabei herrschte zu Beginn der Sendung beim Thema Schnell- und Selbsttests Einigkeit. Mit einer Ausweitung der Teststrategie seien weitere Öffnungen möglich, so Braun. Yogeshwar forderte zudem eine Kombination mit digitalen Lösungen – wie der App „Luca“, an der auch Rapper Smudo mitgearbeitet hatte, dazu aber später mehr. Der kritisierte wiederum, man orientiere sich aktuell zu sehr am R-Wert, der jedoch eine „grobschlächtige Variable“ sei.

Meist sorgten einzelne Superspreader für große Ausbruchsszenarien. Man braucht deswegen einen „Feuerlöscher, der kleine Herde löschen kann“, aktuell sei man „zu nah an einer Waldbrandsituation“, so Smudo. Christiane Woopen kündigte an dieser Stelle bereits an, als Ethikrat einen Strategiewechsel in der Pandemie vorschlagen zu wollen.

„Es ist eigentlich ein Teufelskreislauf, in dem wir drin sind. Die Menschen sind emotional erschöpft. Sie können einfach nicht mehr. Sie sind existenziell bedroht“, warnte Woopen. Es gebe eine große Perspektivlosigkeit. Wenn aber mit den aktuellen Schutzkonzepten einfach geöffnet werde, liege es auf der Hand, dass die dritte Welle erbarmungslos zuschlagen werde. Die Zahl der Impfungen müsse rasch erhöht, Schnell- und Selbsttest ausgeweitet werden. Parallel dazu brauche es eine breit angelegte Informations- und Kommunikationskampagne und auch eine digitale Plattform, die für alle Bürger zugänglich sei.

+++ Karl Lauterbach warnt vor gewaltiger Corona-Gefahr – und zieht dabei einen Vergleich, den jeder versteht +++

Wie eine mögliche App aussehen könnte, zeigte dann gleich Fanta-4-Rapper Smudo auf. Die Corona-Warn-App sei nicht so effizient „wie gewünscht“, Infektionsherde könnten nicht genau lokalisiert werden. Der Musiker warb deswegen für die App „Luca“, an der er auch selbst mitgearbeitet habe. Mittels QR-Codes wird dort automatisch ein Kontakttagebuch angelegt. Diese Historie werde dann automatisch mit den Gesundheitsämtern geteilt. Dadurch könne man sehr zielgenau bei Ausbrüchen reagieren.

Rapper Smudo zerreißt Corona-Pläne der Regierung: „Ja scheiße, nix gewesen“

Helge Braun gab zu, dass die analoge Kontaktverfolgung bei den Gesundheitsämtern häufig erst „viel zu spät gelinge“. Auch Anne Will setzte daraufhin noch einmal beim Kanzleramtschef nach: „Es muss jetzt echt temporeich sein, es muss jetzt echt voran gehen, das merke ich ihnen jetzt nicht so an.“

Dann prasselte es auf den CDU-Politiker nahezu von allen Seiten ein. Aktuell wird in den Gesundheitsämtern ein neues mobiles Geschäftsmanagementsystem für Maßnahmen zur Epidemiebekämpfung („Sormas“) ausgerollt. Das wurde von Smudo gleich mal in der Luft zerrissen: „Wir brauchen gar nicht Sormas.“ Es helfe nichts, eine Schnittstelle für verschiedene Apps zu schaffen, da dann die Frage „Wer hat den Infizierten infiziert?“ nicht mehr richtig beantwortet werden könne.

+++ „Hart aber fair“ (ARD): Zuschauer reicht's – „Ich kann dieses Gejammer nicht mehr hören!“ +++

-----------------------------

Die Gäste bei „Anne Will“:

  • Helge Braun, CDU-Politiker und Bundeskanzleramtschef
  • Ranga Yogeshwar, Wissenschaftsjournalist
  • Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), ehemalige Bundesjustizministerin
  • Christiane Woopen, Vorsitzende des Europäischen Ethikrats
  • Smudo, Musiker und Rapper

-----------------------------

„Wenn wir das nicht haben, dann kann man ‚Luca‘ machen wie man will. Dann werden wir in acht Wochen wieder da sitze, ja scheiße, nix gewesen, ist auch Kacke“, so Smudo. Dann haute auch Ranga Yogeshwar noch einmal drauf.

Smudo.png

Man habe das gesamte vergangene Jahr versagt, wenn es um Schnelligkeit bei der Kontaktnachverfolgung gehe. Zum vor einigen Wochen eingeführten Kontakttagebuch in der Corona-Warn-App fragte Yogeswahr nur verzweifelt: „Wer hat das programmiert?“ Es sei äußerst umständlich und „sehr schwach.“ Dann nahm der Wissenschaftsjournalist auch die Kosten für die App unter die Lupe.

Helge Braun: Aussage klingt wie Kapitulation

Braun habe die App als die beste weltweit bezeichnet, „definitiv ist es die teuerste weltweit“, so Yogeshwar. „Dafür, dass sie so teuer war, wundere ich mich: Warum sind diese Feature nicht schon mit drin?“, fragte er rhetorisch in die Runde und ergänzte: „Ich kann das nicht verstehen“. Der Kanzleramtschef Braun kam in dieser Phase kaum zum Luft holen. Doch als er sich dann äußerte, klang es fast schon nach einer Kapitulationserklärung.

Er fragte: „Warum muss man denn in Deutschland immer darüber diskutieren, warum muss denn immer alles der Staat anbieten? Warum ist es nicht total schön, dass heute Smudo hier sitzt und sagt: Ich habe eine App gemacht, die ist eine hervorragende Ergänzung zur Corona-Warn-App.“ Daraufhin platzte Yogeshwar endgültig der Kragen.

Der Staat habe „für die Corona-Warn-App eine Menge Geld ausgegeben.“ Das stamme nicht von den Mitentwicklern SAP oder der Telekom, „das stammte von uns Steuerzahlern“. Bis heute fehle es in der App an wichtigen Features, wie beispielsweise einem QR-Code. Braun blieb zu diesem Zeitpunkt nur noch die Flucht nach vorn.

-----------------------------

Mehr zu „Anne Will“

Anne Will: ARD-Talkshow ausgefallen – sogar der NDR-Chefredakteur macht sich darüber lustig

„Anne Will“ (ARD): Grünen-Chefin Baerbock schaltet in Angriffsmodus – „Ich meine, was ist das denn?“

Anne Will (ARD): Extrawurst für Jens Spahn irritiert TV-Zuschauer – „Wie so ein Privatpatient“

-----------------------------

„Wir kommen jetzt langsam ins Unterholz“, versuchte er der Kritik auszuweichen. Die Corona-Warn-App sei ein „super Instrument, was dazugehört“. Er dürfte an dieser Stelle wohl ein wenig aufgeatmet haben, als Moderatorin Anne Will zum Thema kostenlose Schnelltests überleitete.

Yogeshwar mit düsterem Zukunftsszenario: „Virus wird bleiben“

Auch wenn Braun, der versicherte, dass es in Zukunft kostenlose Tests geben werde, nicht mehr selbst so sehr im Kreuzfeuer stand, wurde die Kritik am Corona-Management nicht leiser. Zudem sorgte Ranga Yogeshwar für Ernüchterung bei allen, die Hoffnungen hegen, dass Corona im nächsten Jahr Geschichte sei.

„Wir haben alle immer noch das Gefühl: Jetzt kommt die Impfung und dann sind wir es los. Das wird nicht der Fall sein. Corona bleibt. Corona wird eine, leider Gottes, Never-Ending-Story sein. Dieses Virus ist da, dieses Virus wird bleiben“, sagte der ehemalige „Quarks & Co.“-Moderator. Im Kopf blieb den Zuschauern zum Schluss wohl auch ein Zitat von Smudo, das vielen Menschen aus der Seele sprechen dürfte: „Keine Ahnung ist ganz schlecht für die Pandemie“.

Die gesamte Folge „Anne Will“ kannst du hier in der ARD-Mediathek schauen.