Anne Will in der ARD: Keine Sendung zu Merkel-Beben in der CDU – jetzt ist klar, warum

Am Sonntag gab es keinen „Anne Will“-Talk in der ARD - trotz des Bebens in der CDU.
Am Sonntag gab es keinen „Anne Will“-Talk in der ARD - trotz des Bebens in der CDU.
Foto: Wolfgang Borrs/NDR/dpa

Berlin. „Anne Will“ in der ARD ist die wohl wichtigste Polit-Talkshow im deutschen Fernsehen. Zur besten Sendezeit, direkt nach dem Tatort, diskutieren hier Minister und Parteichefs über die Zukunft des Landes.

Regelmäßig schalten bei „Anne Will“ in der ARD mehr als vier Millionen Menschen ein. An diesem Sonntag wäre zudem mehr als genug Redebedarf gewesen. Schließlich erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag ihren Rückzug vom Amt der CDU-Vorsitzenden. Beim Parteitag Anfang Dezember wird sie nicht noch einmal antreten.

„Anne Will“ in der ARD: Genug Gesprächsstoff für Sondersendung

Dazu stand ihr alter Rivale Friedrich Merz aus der Versenkung auf - er will in das Amt, das Merkel ihm Anfang des Jahrtausends wegschnappte.

Doch die Zuschauer der ARD bekamen trotz dieser spannenden Entwicklungen keinen „Anne Will“-Talk. Stattdessen lief eine Dokumentation zu den Football-Leaks-Enthüllungen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“.

„Anne Will“-Redaktion wollte Sondersendung

Wie „Bild“ erklärt, hätte die ARD für den Merkel-Talk eine Sondersendung in Auftrag geben müssen. Denn üblicherweise werden nur 30 Sendungen pro Jahr in Auftrag gegeben, die Termine dafür stehen frühzeitig fest.

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Die Chance auf eine Sondersendung ergriff die Redaktion von „Anne Will“, wurde aber abgeblockt. Der zuständige NDR lehnte ab.

Moderatorin Anne Will wehrt sich gegen Vorwürfe

Die ARD erklärte auf Nachfrage von „Bild“: „Anne Will‘ stand heute nicht in der Planung. Vorgesehen war auf dem Sendeplatz um 21.45 Uhr ein Krimi, der durch die Dokumentation ‚Football Leaks‘, in der aktuelle Recherchen der Enthüllungsplattform präsentiert werden, ersetzt wurde.“

Das ist die Karriere von Anne Will:

  • 1966 in Köln geboren
  • 1991 bis 1992: Volontariat beim Sender Freies Berlin
  • 1996 bis 1998: Moderatorin der Medienshow Palazzo im WDR
  • 1999 präsentierte sie als erste Frau die Sportschau
  • 2001 wird Anne Will Moderatorin der Tagesthemen
  • Seit 2007 Talk-Format "Anne Will" in der ARD

Gegen Vorwürfe der Bild-Zeitung, man sei auf Tauchstation gegangen, wehrte Will sich auf Twitter: „Tauchstation“ ist natürlich totaler Quatsch. Das glatte Gegenteil ist der Fall, wie Sie ja im Artikel auch zutreffend zitieren.“

Zumindest aus Quotensicht hat sich die Entscheidung der ARD nicht gelohnt. Nur 2,67 Millionen Zuschauer wollten die Dokumentation zu „Football Leaks“ sehen - deutlich weniger als bei einer üblichen Sendung von „Anne Will“.

Das waren die Themen der letzten fünf Sendungen:

  • Der Brexit-Countdown - was bleibt von Europa? (21. Oktober)
  • Nach der Landtagswahl in Bayern (14. Oktober)
  • Wald oder Kohle? Streit um den Hambacher Forst (7. Oktober)
  • Streit um Maaßen - in welcher Verfassung ist unsere Demokratie? (16. September)
  • Wer nicht widerspricht, wird Spender? Neue Debatte um Organspende (9. September)

„Anne Will“ läuft seit dem Januar 2016 auf dem prominenten Samstagabend-Termin. Diesen Sendeplatz hatte Anne Wills Talk schon zwischen 2007 und 2011. Als Günther Jauch allerdings von der ARD unter Vertrag genommen wurde, bekam er den besten Sendeplatz. Nachdem Jauch seine Show Ende 2015 beendete, übernahm wieder Anne Will.

 
 

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