Angst vor dem Brexit

Berlin.  Rund anderthalb Wochen vor dem Votum der Briten über einen Ausstieg aus der EU mehren sich die warnenden Stimmen. „Ein Ausscheiden Großbritanniens wäre ein schwerer Verlust für Europa“, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) dem „Spiegel“. Die enge wirtschaftliche Verflechtung biete allen Beteiligten Vorteile. „Da wäre es doch ein Wunder, wenn ein Ausscheiden Großbritanniens ohne ökonomische Nachteile bliebe“.

Die Briten stimmen am 23. Juni per Referendum darüber ab, ob ihr Land in der EU bleiben soll. 55 Prozent der Bevölkerung wollen beim Referendum für den Austritt aus der Union stimmen. Lediglich 45 Prozent seien noch für den Verbleib Großbritanniens in der Gemeinschaft, ergab eine Onlineumfrage des Instituts ORB im Auftrag der Londoner Zeitung „The Independent“. Dies bedeutet ein deutliches Plus für die EU-Gegner.

Führende Wirtschaftsexperten befürchten negative Folgen für die Konjunktur der Staatengemeinschaft. Die hohe Unsicherheit nach einem Austritt hätte zwar auf Großbritannien stärkere Auswirkungen als auf die EU, sagte der Chef des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Achim Wambach. „Dennoch wird ein Brexit auch an Europa nicht spurlos vorbeigehen: In Großbritannien leben 13 Prozent der Einwohner von Europa, und Großbritannien macht 17 Prozent der Wirtschaftskraft aus – ein Ausstieg wird für Europa nicht leicht zu verkraften sein.“

Die Finanzmärkte reagierten bereits nervös. Der deutsche Aktienindex Dax hatte in der vergangenen Woche stark nachgegeben und war unter die 10 000 Punkte-Marke gefallen. Bei einem Sieg der EU-Gegner erwarten Ökonomen ein weltweites Börsenbeben und einen Rückschlag für die Konjunktur sowie eine deutliche Schwächung des britischen Pfunds.

Der britische Brexit-Befürworter Nigel Farage erwartet das Anfang vom Ende der Europäischen Union. „Dieses Referendum ist das wichtigste Ereignis seit 1957: Die EU steht vor dem Kollaps“, sagte der Chef der rechtspopulistischen UKIP-Partei. „Wir werden einen Dominoeffekt haben. Nach uns werden andere nördliche Länder austreten, eins nach dem anderen.“

 
 

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