Angela Merkel: Biden packt aus – hier hat sie gegen Putin versagt

Angela Merkel – ihr Weg zur Kanzlerin

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Wie Angela Merkel Bundeskanzlerin wurde und welche Krisen sie meisterte, siehst du hier.

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Vor acht Jahren hätte vermutlich kaum jemand ernsthaft damit gerechnet, dass Wladimir Putin der Ukraine den Krieg erklären würde.

Nach der Annexion der Krim 2014 hatten sich die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Joe Biden, der damals noch US-amerikanischer Vizepräsident war, bei der Sicherheitskonferenz am 7. Februar 2015 getroffen und zusammen mit dem damaligen ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko die Lage besprochen.

Rund sieben Jahre später marschierte Russland nun in die Ukraine ein. Aufzeichnungen eines privaten Gesprächs am Rande der Sicherheitskonferenz von 2015 machen den Standpunkt des heutigen US-amerikanischen Präsidenten in der Kriegslage deutlich. Biden erhebt dort wegen ihres Umgangs mit Putin Vorwürfe gegen Angela Merkel.

Angela Merkel: Biden enttäuscht – „Nicht energisch genug“

Zwei Jahre nach den Geschehnissen bei der Sicherheitskonferenz vom 7. Februar 2015 veröffentlicht der 46. Präsident der Vereinigten Staaten das Buch „Versprich es mir – über Hoffnung am Rande des Abgrunds“. Darin schildert Joe Biden seinen Eindruck von der ehemaligen Bundeskanzlerin.

Nach der Annexion der Krim durch Putin hätte Merkel ihren Standpunkt, dass Russland das Völkerrecht der Ukrainer missachte, klar gemacht. In ihrer Rede sei sie aber „nicht energisch genug“ gewesen. Ihr „unbeteiligter Tonfall“, wie Biden schrieb, hätte ihre Worte zusätzlich abgeschwächt. Doch das ist noch längst nicht alles.

Das wirft Biden Merkel vor

Ihre Sorge über „eine Konfrontation in der Ukraine, die außer Kontrolle zu geraten droht“ sei zwar rübergekommen. Allerdings hätten sie und die anderen europäischen Staatsoberhäupter sich mehr Sorgen um die wirtschaftlichen Folgen für ihre eigenen Länder gemacht, sollten Sanktionen gegenüber Russland vereinbart werden.

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„Keiner (…) war scharf darauf, sein politisches Kapital zur Rettung einer aufblühenden Demokratie zu verschwenden, deren Führungskräfte sich bislang eher durch Korruption, Vetternwirtschaft und selbstzerstörerisches Verhalten hervorgetan hatten“, schrieb Biden in seinem Buch. Außerdem kritisierter er Merkels Weigerung, Waffen an die Ukraine zu liefern.

Angela Merkel: Hier hat sie laut Biden versagt – „Sieht nicht gut aus“

Im Gespräch mit Merkel und Poroschenko bestand Biden darauf, dass die Wiederherstellung der ukrainischen Grenze absolute Priorität habe. Merkel hingegen wollte von Poroschenko „Zugeständnisse“, die sie Putin unterbreiten könne, um ihm damit eine Art „Ausweg“ anzubieten. Er bräuchte zumindest einen „kleinen Sieg“, soll sie Poroschenko zu verstehen gegeben haben.

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Biden war da jedoch anderer Meinung. „Wir dürfen hier aber nicht dem Opfer die Schuld geben“, wandte er sich laut eigener Aussage an Poroschenko. Putin müsse zur Verantwortung gezogen werden. In seinem Buch schrieb der US-amerikanische Präsident, er habe das Gefühl gehabt, dass Merkel nach dem Treffen wegen ihm „verärgert“ gewesen sei.

Bei Twitter kursieren zurzeit Seiten aus Bidens Buch, die aufgrund der vergangenen Ereignisse wieder topaktuell geworden sind. Ein Journalist des„Spiegel“ stellt den Zusammenhang zum jetzigen Ukraine-Krieg her und meint: „Merkel sieht nicht gut aus“. (mbo)