Angela Merkel gegen Martin Schulz: Als es um die AfD und Flüchtlinge ging, wurde es plötzlich brenzlig

Angela Merkel und Martin Schulz standen sich im TV-Duell gegenüber.
Angela Merkel und Martin Schulz standen sich im TV-Duell gegenüber.
Foto: ARD

Das TV-Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz war der vorläufige Höhepunkt des Wahlkampfes vor den Bundestagswahlen am 24. September (hier die brisanten Einzelheiten zur peinlichen SPD-Panne vor dem Duell).

Die Bundeskanzlerin und der SPD-Kanzlerkandidat diskutierten zur besten Sendezeiten kontrovers über die zentralen Themen des aktuellen politischen Geschehens. Gleich nach wenigen Minuten knisterte es zwischen den beiden gewaltig. Auslöser waren die Themen AfD und Flüchtlinge.

Wie deutlich Schulz sich gegen EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei aussprach, liest du hier.

Merkel: „Ich stehe zu den Entscheidungen“

Auf die Frage, ob es Merkel störe, dass mit der AfD eine Partei rechts von der CDU aller Voraussicht nach in den Bundestag ziehen wird. „Ärgert es Sie, dass Sie mit Ihrer Politik viele Menschen nicht erreicht haben“, fragte Moderatorin Maybrit Illner.

Merkel antwortete: „Es gibt Situationen – ob es um die Euro-Frage oder die Flüchtlings-Frage geht – da müssen wir unseren Prinzipien nachgehen und den Interessen unseren Wählern entsprechen. Ich habe in dramatischen Situationen Entscheidungen getroffen. Zu diesen Entscheidungen stehe ich. Und ich werde jede Kraft darauf lenken, dass die Leute diese Entscheidungen nachvollziehen können.“

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Schulz: „Es ist der Glaube an Europa“

Moderator Claus Strunz verwertete Merkels Vorlage und hakte bei der Flüchtlings-Frage bei Schulz nach. „Sie sagten einst: Was die Flüchtlinge zu uns bringen, ist wertvoller als Gold. Stehen Sie noch zu diesem Satz?“

Schulz stellte klar: „Den Satz müssen Sie bitte auch vollständig zitieren. Ich sagte: Was die Flüchtlinge zu uns bringen, ist wertvoller als Gold. Es ist der Glaube an Europa.“

Schulz weiter: „Natürlich bleibe ich dabei. Die Menschen, die vom IS fliehen, von Folterknechten und Massenmorden, die finden bei uns Demokratien, die sie gerne aufnehmen und sie unterstützen. Aber es bringt große Herausforderungen, die wir alle gemeinsam meistern müssen.“

Schulz setzte Merkel unter Druck

Und dann ging Schulz in die Offensive: „Frau Merkel sagte zuletzt, sie würde alles genauso wie 2015 machen. Das empfehle ich nicht, weil wir mit unseren europäischen Nachbarn keine gemeinsame Lösung gefunden haben.“

Konkret sprach Schulz mit diesen Ausführungen den rechtskonservativen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban, der die deutsche Flüchtlingspolitik scharf kritisiert hatte.

Merkel konterte Schulz-Kritik

Merkels Konter: „Als Bundeskanzler muss man manchmal harte Entscheidungen treffen. Ich hatte überhaupt nicht das Gefühl, dass Viktor Orban seine Einstellung ändern könnte. Es musste aber entschieden werden. Wir haben es besprochen, völkerrechtlich geprüft und dann entschieden.“

Schulz legte nach. Trotz der harten und sehr persönlichen Kritik von Orban an Merkel und ihrer Flüchtlingspolitik hätte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer den Ungarn zu einer CSU-Veranstaltung geladen. „Die Flüchtlingswelle kam auf uns zu. Wir haben immer angemahnt: Wir brauchen europäische Lösungen. Der Einbezug der Nachbar wäre besser gewesen“, so Schulz.

Zu einem Konsens kamen Merkel und Schulz bei diesem Thema nicht.

 
 

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