Merkel in Chemnitz: So erklärt die Kanzlerin, warum sie erst jetzt gekommen ist

Angela Merkel ist in Chemnitz zu Gast.
Angela Merkel ist in Chemnitz zu Gast.
Foto: dpa

Chemnitz. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besucht am Freitag Chemnitz.

82 Tage nach der tödlichen Messerattacke auf einen Deutsch-Kubaner Daniel H. (35) vom 26. August kam Angela Merkel zum Ortsbesuch nach Chemnitz – und hat im Gespräch mit Bürgern Verständnis für die Sorgen der Menschen geäußert.

Merkel besuchte ein Leserforum der Regionalzeitung „Freie Presse“, den einheimischen Basketball-Zweitligisten Niners und sprach mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU), der Chemnitzer Oberbürgermeisterin und anderen Kommunalpolitikern unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Angela Merkel in Chemnitz: Kanzlerin erklärt späten Besuch

Merkel ging auf Kritik von Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) ein, dass ihr Besuch in Chemnitz zu spät erfolge. Sie habe mit Ludwig „sehr schnell“ nach dem 26. August telefoniert und darüber nachgedacht, wann der beste Zeitpunkt für einen solchen Besuch sei.

Dabei sei zu berücksichtigen, dass ihre Person einerseits polarisiere und sie auch „nicht in ganz aufgewühlter Stimmung“ die Stadt besuchen wollte.

Mit ihrer Visite jetzt wolle sie auch einen Beitrag dazu leisten, dass Chemnitz nicht dauerhaft in ein schlechtes Licht gerückt werde, sagte die Kanzlerin. Probleme seien zudem besser zu erfassen, „wenn man ein paar Stunden in der Stadt ist“.

Merkel verurteilt „schrecklichen Mord“

Die Gewalttat vom 26. August verurteilte Merkel als „schrecklichen Mord“. Allerdings gebe es keine Rechtfertigungen dafür, wenn in der Folge auf Demonstrationen nationalsozialistische Symbole verwendet wurden. Klar sei aber, dass es Unzufriedenheit gebe, die auch mit Flüchtlingen und Integration zusammenhinge.

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Am Rande ihres Besuchs gab es Proteste rechter Gruppen. Eine von der „Merkeljugend“ angemeldete rechte Kundgebung zog durch die Stadt. Teilnehmer trugen T-Shirts mit „Geil Merkel“ und Angela Merkels berühmte Handgeste. In Schrift und Farbe sind die Ähnlichkeiten zur Symbolik der NSDAP unverkennbar.

Ausschreitungen nach tödlicher Messerattacke

Chemnitz war nach der tödlichen Messerattacke wegen gewaltsamer Ausschreitungen in die Schlagzeilen geraten. Rechtsextremisten und Rechtspopulisten hatten den Vorfall für ihre Zwecke instrumentalisiert. Der Chemnitzer Daniel H. starb an den Folgen von Messerstichen, zu denen es nach einer verbalen Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen gekommen war.

Die Staatsanwaltschaft Chemnitz geht von drei Tatverdächtigen aus, der Vorwurf lautet gemeinschaftlicher Totschlag und Körperverletzung. Ein Syrer sitzt deshalb in Untersuchungshaft, ein Iraker ist wieder auf freiem Fuß und ein weiterer tatverdächtiger Iraker ist den Angaben zufolge noch flüchtig.

Die rechtsgerichtete Vereinigung „Pro Chemnitz“ hatte für Freitag erneut Proteste angekündigt. (ms mit dpa)

 
 

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