Althaus kann im März vernommen werden

Allensbach/Erfurt. Der thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus ist nach seinem Skiunfall auf dem Weg der Besserung. Er kann womöglich Anfang März erstmals vernommen werden. Erst wenn Althaus zu dem tödlichen Unfall ausgesagt hat, will die Staatsanwaltschaft an die Öffentlichkeit gehen.

Der thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus ist nach Angaben seiner Ärzte voraussichtlich in der ersten Märzhälfte vernehmungsfähig. «Der Gesundheitszustand von Dieter Althaus hat sich in der letzten Woche weiter stabilisiert und verbessert», sagte Joachim Liepert, Ärztlicher Leiter der Schmieder-Kliniken in Allensbach, am Dienstag.

In Österreich wird gegen Althaus wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt. Bei dem Skiunfall am Neujahrstag war der Regierungschef schwer verletzt worden, eine 41-jährige Frau war ums Leben gekommen.

Staatsanwaltschaft wartet auf Vernehmung

Die Staatsanwaltschaft im österreichischen Leoben will frühestens in zwei Wochen über eine mögliche Anklage gegen den Althaus wegen seines Skiunfalls entscheiden. Dann würden die noch ausstehenden Gutachten der Gerichtsmedizin und des Technikers zum Unfallhergang vorliegen, hatte Staatsanwalt Walter Plöbst am Montag gesagt. Eine Anhörung des Politikers sei unerlässlich. «Bevor sich Herr Althaus nicht dazu äußern kann, können wir nicht mit Erhebungsergebnissen in die Öffentlichkeit gehen», sagte Plöbst.

Althaus mache bei seinen Therapien Fortschritte, in den durchgeführten Tests zeigten sich Verbesserungen, und seine Physis werde weiter gezielt aufgebaut und gestärkt, teilte die Klinik weiter mit. «Die Entwicklung verläuft insgesamt positiv, so dass ich es für möglich halte, dass der Ministerpräsident in der ersten Märzhälfte vernehmungsfähig sein wird», sagte Liepert. Er betonte aber, Althaus benötige weiterhin Ruhe. «Und er braucht noch Zeit, um vollständig zu genesen.»

Einen großen Beitrag zur Genesung leiste die Familie Althaus: Am Wochenende habe Althaus Besuch von seinen Töchtern bekommen, Anfang der Woche von seinen Eltern. Gerade die Kommunikation in der Familie unterstütze die Genesung neben den Therapieprogrammen, hieß es in der Klinik-Mitteilung. Althaus' Ehefrau Katharina wohne in der Klinik, begleite und unterstütze ihren Mann. Gemeinsam habe das Paar bereits erste Spaziergänge in die nähere Umgebung unternommen.

«Genau vorhersagen kann man den Krankheitsverlauf nie»

Bei Althaus war nach seinem Unfall am Neujahrtag ein schweres Schädel-Hirn-Trauma diagnostiziert worden. Von einem Schädel-Hirn-Trauma (SHT) spricht man, wenn der gesamte Kopf oder Teile davon - also Schädelknochen, Gehirn, Hirnhäute oder Blutgefäße - bei einer Gewalteinwirkung geschädigt wurden. In Europa gehört das SHT zu den häufigsten Todesursachen bei Menschen unter 45 Jahren.

«Wie schwerwiegend die Folgen sind, hängt davon ab, wo im Gehirn Störungen oder Blutungen waren», sagte Veit Braun, Chefarzt der Neurochirurgischen Klinik in Siegen, am Dienstag im AP-Gespräch. Blutergüsse im Bewegungszentrum beispielsweise könnten zu Lähmungen führen. «Ob die Lähmung bleibt, hängt davon ab, ob die Zellen nur vorübergehend in der Funktion beeinträchtigt wurden, oder ob sie einen dauerhaften Schaden abbekommen haben.»

Der Grad der Schädigung aufgrund eines Schädel-Hirn-Traumas ist nach Brauns Angaben kurz nach einem Unfall nie sicher vorherzusagen: «Auch nach einer Kernspintomographie kann man die Folgen von Schädel-Hirn-Traumen allenfalls abschätzen», sagt Braun, der auch Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie ist.

«Man muss Geduld haben»

Mit welchen Folgen der Patient leben muss, zeigt sich meist im Laufe der Reha - bei Althaus begann sie am 16. Januar. «Während einer Reha wird versucht, dem Patienten die Funktionen wieder zurückzugeben, die gestört sind - sei es die Bewegung, die Sprache oder das Gedächtnis. Und das geht nur mit spezifischem Training», erklärt der Neurochirurg. Zu Reha-Beginn könne man nur selten sagen, welche Schäden für immer blieben. Keinesfalls dürften Patient und Angehörige die Flinte zu schnell ins Korn werfen: «Es kommt darauf an, nicht zu schnell aufzugeben, dann kann man eine ganze Menge rausholen.»

In Thüringen wird derzeit darüber spekuliert, ob Althaus rechtzeitig vor den Landtagswahlen am 30. August gesund wird. Beobachter halten Finanzministerin Birgit Diezel und Sozialministerin Christine Lieberknecht für denkbare Nachfolgerinnen. (ap)

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