Alter Bergbaustollen bremst Bahnverkehr bis Freitag aus

Thomas Mader, Ulf Meinke und Philipp Wahl
Bergschäden strören den Zugverkehr am Essener Hauptbahnhof.
Bergschäden strören den Zugverkehr am Essener Hauptbahnhof.
Foto: WAZ FotoPool
Ein Bergbaustollen bremst seit Mittwochabend den Bahnverkehr in der Region aus und schneidet Essen, Bochum und Mülheim vom Fernverkehr ab. Abertausende Reisende müssen mindestens bis Freitagabend Zugausfälle und Verspätungen hinnehmen. Im Essener Westen fahren die Züge Schrittgeschwindgkeit.

Essen.  Ein alter Bergbaustollen bremst seit Mittwochabend den Bahnverkehr rund um den Essener Hauptbahnhof aus und schneidet Essen, Bochum und Mülheim vom Fernverkehr ab. Abertausende Reisende müssen seit Mittwochabend Zugausfälle und Verspätungen hinnehmen. Der Stollen aus den Anfangszeiten des Bergbaus wurde bei Bauarbeiten zur Konzernzentrale von DB Schenker entdeckt und quert offenbar die Gleise rund 500 Meter vor dem Hauptbahnhof in Richtung Essen-West.

Da der Stollen als einsturzgefährdet gilt, werden Fernzüge und ein großer Teil des Regionalverkehrs seitdem umgeleitet. Essen-Hauptbahnhof ist nun vor allem per S-Bahn zu erreichen – und die fährt Schritttempo über die betreffende Stelle. Bis zum Donnerstagmittag fielen laut Bahn 86 Züge aus, 130 wurden umgeleitet, 530 verspäteten sich. Die Bergbaubehörden begannen noch am Donnerstag, die Hohlräume mit Beton zu verfüllen. Bis mindestens Freitagabend soll die angespannte Lage andauern.

Die Haftungsfrage ist unklar. Zwar gilt die RWE Service GmbH als Rechtsnachfolger der Zechengesellschaft Victoria Mathias, doch die Bezirksregierung prüft unter anderem noch, ob der entdeckte Stollen in deren Verantwortlichkeit fällt. „Wenn das nicht festgestellt werden kann, spricht einiges dafür, dass das Land haften muss“, so Rechtsanwalt Michael Terwiesche von der Bergrechts-Kanzlei GTW.

„Die Frage, wie mit Tausenden alten Bergbaustollen umgegangen wird, darf kein Glücksspiel werden“, sagte NRW-Grünen-Fraktionschef Reiner Priggen der WAZ. „Wir sollten den Fall zum Anlass für eine systematische Bestandsaufnahme nehmen. Das Thema gehört im Landtag auf die Tagesordnung des zuständigen Ausschusses für Bergbausicherheit.“ Nicht nur der Kohlekonzern RAG, sondern auch die anderen Alteigentümer wie RWE, Eon und Thyssen-Krupp seien in der Verantwortung, wenn es um die Sanierung ehemaliger Schächte geht, so Priggen. „Entsprechende Rückstellungen der Konzerne sollten auch in Anspruch genommen werden.“