AfD-Chef Alexander Gauland sorgt mit Kommentar zum Ersten Weltkrieg für Eklat

AfD-Chef Alexander Gauland findet, dass Deutschland nicht an den Gedenkfeiern zum Ende des Ersten Weltkriegs teilnehmen sollte.
AfD-Chef Alexander Gauland findet, dass Deutschland nicht an den Gedenkfeiern zum Ende des Ersten Weltkriegs teilnehmen sollte.
Foto: dpa

Berlin. Wenn es nach AfD-Chef Alexander Gauland geht, sind Deutschland, Frankreich und Großbritannien immer noch Feinde.

Denn dass Deutschland an den Pariser Gedenkfeiern zum Ende des Ersten Weltkriegs teilnimmt, findet der AfD-Fraktionsvorsitzende Alexander Gauland gar nicht gut.

AfD-Chef Alexander Gauland zum Ersten Weltkrieg: „Deutsches Ungeschick“

Gegenüber dem ZDF sagte er: „Ich halte es für falsch, Geschichte nachträglich umzuschreiben und sich an der Siegesfeier der damaligen Verbündeten nachträglich zu beteiligen.“

Deutschland habe den Krieg verloren, aber die Politik, die zum Ersten Weltkrieg geführt hat, habe „viele Schuldige“. Deutsches „Ungeschick“ sei mindestens genauso stark daran beteiligt gewesen, so Gauland.

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„Wir können uns aber nicht am Ende in einer historischen Situation, die abgeschlossen ist, auf die Seite der Sieger schlagen und jetzt vielleicht neben Herrn Macron durch den Arc de Triomphe marschieren“, sagte Gauland weiter.

AfD-Chef macht unnötig ein Fass auf

AfD-Chef Alexander Gauland macht damit völlig unnötig ein Fass auf - mutmaßlich, um zu provozieren. In der Tat ist es in der Forschung umstritten, wer für den Ersten Weltkrieg verantwortlich ist. Anders als bei der Frage nach den Ursachen des Zweiten Weltkriegs ist es nach Ansicht vieler Historiker keineswegs eindeutig, dass das damalige Deutsche Reich alleinverantwortlich für den Kriegsausbruch ist.

Aber: Diese Schuldfrage stellt bei den Gedenkfeiern niemand. Gauland tut implizit so, als würde Deutschland bei den Gedenkfeiern an den Pranger gestellt - was nicht der Fall ist.

Und er sieht Deutschland in der Rolle eines Staats, der sich nicht "auf die Seite der Sieger schlagen" solle. Er hat also ganz klare Kategorien: „Wir“ (Deutschland) und „Die“ (die damaligen verbündeten Frankreich, Großbritannien und Russland) - und das 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Bei den Gedenkfeierlichkeiten geht es aber darum, das Ende eines fürchterlichen Krieges zu feiern und Millionen getöteter Menschen zu gedenken. Nicht um Schuldfragen, nicht um Gewinner und Verlierer.

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Der Erste Weltkrieg:

  • Beginn: 1914 mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien
  • Ende: 11. November 1918 mit dem Sieg der Triple-Entete (Frankreich, Großbritannien, Russland)
  • 17 Millionen Menschen starben im Ersten Weltkrieg
  • Viele Millionen waren danach kriegsversehrt

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Das zeigt auch diese Geste: Erst am Samstag hatte Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron ein Bild von sich und Bundeskanzlerin Angela Merkel bei Twitter gepostet. Dazu das französische Wort „Unis“, also „Einheit“. Die Botschaft ist klar: Deutschland und Frankreich sind keine Feinde, die Zeit der Schuldzuweisungen sind vorbei. Auch wenn das der ewiggestrige AfD-Chef Alexander Gauland offenbar anders sieht.

Spott für Gauland

Dafür erntet Gauland viel Spott und Kritik in den sozialen Medien. Nutzer Simack etwa schreibt bei Twitter: „Werde den Gedanken gerade nicht los, wie ein Gauland bei einer Weltkriegs-Gedenkveranstaltung eine Rede hält: '.. Wir Deutschen können stolz auf unsere Wehrmacht sein...'“

Und ein anderer Nutzer meint: „Herr Gauland versteht offenbar nicht, dass es hier nicht um Sieger und Verlierer geht, sondern um die Lehren, die JEDER aus den Greueln des Krieges ziehen kann und sollte.“

Alexander Gauland hatte erst vor wenigen Tagen für Wirbel bei einer Debatte im Bundestag zum UN-Migrationspakt gesorgt.

Vornehmlich rechtsextreme Gruppierungen hatten im Vorfeld Falsch- und Schreckensmeldungen am laufenden Band zum Pakt verbreitet.

AfD verteufelt den Migrationspakt - mit Verschwörungstheorien

AfD-Chef Gauland schlug in dieselbe Kerbe. Der Antrag führe dazu, Migration zu einem Menschenrecht zu machen, das über dem Staatenrecht stehe.

„Für wie dumm halten Sie uns und Ihre Wähler eigentlich?“, fragte er rhetorisch. Und weiter: „„Linke Träumer und globalistische Eliten wollen unser Land heimlich in ein Siedlungsgebiet umwandeln.“

Tatsächlich sind die Vorwürfe Gaulands recht schnell zu entkräften, wie FDP-Politiker Stamp kurzerhand bewies. Dass die Souveränität gefährdet sei, sei völlig falsch, so Stamp. Schon am Anfang des Dokuments steht das genaue Gegenteil geschrieben.

Merkel nahm zusammen mit Macron an der Gedenkfeier teil

Auch den Vorwurf, der Pakt garantiere ein angebliches Menschenrecht auf Migration, entlarvte Stamp als Unsinn. Denn der Pakt beruft sich auf die allgemeinen Menschenrechte. „Und das sollte für jeden Demokraten in diesem Haus selbstverständlich sein“, so Stamp.

Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm am Sonntag zusammen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und zahlreichen anderen Staats- und Regierungschefs an den Gedenkfeiern in Paris teil.

Rund 10.000 Sicherheitskräfte schützten die Gedenkfeier in Paris und das Friedensforum. Etwa 1000 Menschen demonstrierten laut Medien auf den Straßen der Hauptstadt gegen Trump, von Zwischenfällen wurde zunächst nichts bekannt.

Allerdings gelang es der Frauen-Aktivistengruppe Femen an einem anderen Ort kurzzeitig, den Konvoi Trumps zu stören, indem mehrere Mitglieder mit nackten Oberkörpern auf die Straße liefen. (mit dpa)

 
 

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