Alarm fürdie Kanzlerin

An Selbstbewusstsein mangelt es der neuen Anti-Euro-Partei AfD also nicht: Ein zweistelliges Ergebnis bei der Bundestagswahl hält Parteichef Lucke für möglich, selbst über Koalitionsgespräche mit den verachteten „Euro-Blockparteien“ spekuliert die Alternative schon. Dabei spricht wenig dafür, dass es die Partei mit ihrer unerfahrenen Führung so schnell überhaupt ins Parlament schafft. Ziemlich sicher ist indes, dass die bunte, überwiegend bürgerlich-konservative Truppe trotzdem eine wichtige Rolle spielen wird. Auch wenn sie am Ende zwei, drei Prozent mit ihrem Anti-Euro-Wahlkampf einsammelt, könnten es genau die ausschlaggebenden Stimmen sein – vermutlich auf Kosten einer Mehrheit von Union und FDP.

Die Kanzlerin darf alarmiert sein wegen der neuen Konkurrenz im bürgerlichen Lager, denn die Mixtur ist brisant: Als Basis dient der AfD populäre Euro-Kritik, die das Unbehagen vieler Bürger aufgreift und Euro-Gegnern eine politische Heimat bietet. Darüber eine Prise bürgerlich-konservativer Haltung, die all jene anspricht, die von der Konturlosigkeit der Union unter Merkel enttäuscht sind. Obendrauf ein großer Schuss scharfer Polemik gegen den etablierten Politikbetrieb, der auch bei Wählern weiter links gut ankommt.

Die politische Konkurrenz muss sich anstrengen. Beschimpfungen helfen nicht, Schwarz-Gelb und Rot-Grün müssen sich schon die Mühe machen, in einer ehrlichen Debatte die Bürger über Kosten, Nutzen und Defizite der Euro-Rettung aufzuklären. Möglich ist das: Die in der AfD versammelten Professoren können zwar gut erklären, was schief läuft bei der Euro-Rettung – aber ihr radikales Alternativ-Konzept ist allenfalls akademisch reizvoll, für die Praxis taugt es nicht.

Als Nachteil der Alternativen dürfte sich schnell erweisen, dass ein programmatisches Fundament ebenso fehlt wie politisch erfahrenes Personal. Dennoch, der enorme Zustrom zur AfD zeigt, dass die Gründer einen Nerv bei einem Teil der Bürger getroffen haben. Für eine Denkzettel-Wahl könnte das reichen – ob mehr daraus wird, ist offen. Sicher ist: Das Klima wird rauer. Die Debatte über den Euro wird ab sofort härter geführt.

 
 

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