„Alan Kurdi“: Drama auf Rettungsschiff – Migranten dürfen das Schiff verlassen

Die Geflüchteten warten auf der „Alan Kurdi“, dass sie im Hafen von Malta an Land gehen können.
Die Geflüchteten warten auf der „Alan Kurdi“, dass sie im Hafen von Malta an Land gehen können.
Foto: picture alliance/dpa

Nach dem Drama um die „Sea Watch 3“ entwickelt sich ein neues Drama um ein Seenotrettungsschiff im Mittelmeer.

Das Rettungsschiff der Menschenrechtsorganisation „SeaEye“ „Alan Kurdi“ irrt mit mit 65 gerettete Menschen, die aus Somalia und Libyen stammen, im Mittelmeer umher. Lampedusa hat seinen Hafen geschlossen, auch Malta wiegelte erst ab. Doch im Hafen standen die Zeichen jetzt auf Willkommen: Die Geflüchteten durften von Bord.

„Alan Kurdi“: Malta öffnete Hafen, drei Menschen auf Schiff kollabiert

Alle Infos rund um das Rettungsschiff „Alan Kurdi“ liest du hier im Newsblog:

Sonntag, 22.40 Uhr:

Die 65 Migranten durften das Rettungsschiff im Hafen von Malta verlassen. Das berichtete das maltesische Militär am Sonntagabend. Die drei kollabierten Geflüchteten sind schon vorher im Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus transportiert worden.

Jetzt sollen sie schnellstmöglich auf andere EU-Mitgliedsstaaten verteilt werden. Deutschland wird bis zu 40 der jüngst im Mittelmeer geretteten Flüchtlinge aufnehmen. Bundesinnenminister Horst Seehofer erklärte am Sonntagabend, dies habe er im Geiste der europäischen Solidarität angeboten.

Zudem hatte die maltesische Marine im Mittelmeer laut Medienberichten weitere 58 Migranten gerettet. Auf Bitten Maltas sollten aus diesen beiden Gruppen 94 Personen auf andere Mitgliedsstaaten verteilt werden, erklärte Seehofer. Daran werde sich Deutschland mit bis zu 40 Aufnahmen beteiligen.

Sonntag, 18.28 Uhr:

„Wir sind freudig überrascht“, sagte Sea-Eye-Einsatzleiter Gorden Isler in einem Telefonat mit der Deutschen Presse-Agentur. Die Besatzung habe die erlösende Nachricht erst über Anrufe von Journalisten erhalten.

Die Behörden Maltas hätten die Schiffsführung angewiesen, nach Gozo, der Nachbarinsel Maltas, zu fahren. „Das ist 50 Seemeilen entfernt und dauert etwa sieben Stunden“, sagte Isler. Dort würden die Menschen vermutlich auf See vom maltesischen Militär übernommen und an Land gebracht. „Wir werden bestimmt nicht in den dortigen Hafen einlaufen dürfen. Wenn die Menschen von Bord sind, werden wir sicher gleich wieder weggeschickt“, fügte der Einsatzleiter hinzu.

Die maltesischen Behörden teilten mit, außerdem sei eine Vereinbarung erzielt worden, dass EU-Länder die Hälfte von 58 Migranten aufnehmen werden, die von der maltesischen Marine aus dem Mittelmeer gerettet worden seien.

Sonntag, 17.22 Uhr:

Malta hat sich bereit erklärt, alle 65 Migranten an Bord des deutschen Rettungsschiffes „Alan Kurdi“ an Land zu lassen, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Die Menschensollen umgehend auf andere europäische Länder verteilt werden, so die Behörden Maltas nach Gesprächen mit der EU-Kommission und Deutschland mit.

Sonntag, 17.16 Uhr:

Malta hat sich bereiterklärt, drei in der Hitze auf dem Rettungsschiff „Alan Kurdi“ kollabierte Migranten an Land zu lassen. Das bestätigte ein Sprecher der Behörden am Sonntag. Zuvor hatte sich die Lage auf dem Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation Sey-Eye aus Regensburg zugespitzt.

„Drei der Geretteten sind in sehr schlechtem Zustand. Sie sind stark abgemagert und geschwächt und müssen dringend zur medizinischen Behandlung an Land gebracht werden“, sagte Sea-Eye-Einsatzleiter Gorden Isler in einem Telefonat mit der Deutschen Presse-Agentur. Zwei von ihnen seien Minderjährige.

Sonntag, 15.25 Uhr:

Die Lage auf dem Rettungsschiff „Alan Kurdi“ spitzt sich zu. Das Schiff liegt vor Malta, doch Malta hat seine Häfen geschlossen. Wie „Sea Eye“ auf Twitter mitteilte, brauchen drei Menschen akute medizinische Hilfe. Sie waren in der Hitze kollabiert. „Wir brauchen dringend medizinische Unterstützung und einen sicheren Hafen für alle Geretteten an Bord um schlimmeres zu verhindern“, twitterte „Sea Eye“.

Samstag, 18.28 Uhr:

Die „Alan Kurdi“ - benannt nach dem dreijährigen syrischen Flüchtlingsjungen, dessen Leiche im Spätsommer 2015 an einem Strand in der Türkei angespült wurde - ist ein 38 Meter langes früheres DDR-Forschungsschiff. Am Vortag hatte es vergeblich vor Lampedusa auf die Erlaubnis gewartet, in den Hafen der italienischen Mittelmeerinsel einlaufen zu dürfen. „Auf keinen Fall“, hatte Italiens rechtspopulistischer Innenminister Matteo Salvini dekretiert und harte Strafen angedroht. Daraufhin drehte das Schiff am späten Abend notgedrungen Richtung Malta ab, wo es am Sonntagnachmittag ankommen sollte.

Der Einsatzleiter auf der „Alan Kurdi“ Gorden Isler, möchte die Geretteten trotz Dekret undbedingt in einen sicheren Hafen bringen. Deshalb hat sich der Kapitän der „Alan Kurdi“ entschlossen, Kurs Richtung Malta zu nehmen.

Samstag, 16.42 Uhr:

Die vor der libyschen Küste von einem überfüllten Schlauchboot geretteten Menschen seien aber geschwächt. Die Verständigung laufe überwiegend auf Englisch. Wer das noch nicht könne, für den würden ältere Migranten übersetzen.

Allerdings gingen die Vorräte langsam zur Neige. Vor allem Trinkwasser werde knapp. „Spätestens Mittwoch brauchen wir Nachschub an Trinkwasser, die Lebensmittel reichen noch etwas länger“, berichtet der Einsatzleiter: „Geduscht wird nur noch jeden zweiten Tag, und das bei mehr als 30 Grad schon um 8.00 Uhr morgens.“

Italienischer Innenminister wendet sich in Brief an deutschen Innenminister Horst Seehofer

Seehofer hatte Salvini aufgefordert, die Dauerkrise der Rettungsschiffe im Mittelmeer zu beenden. „Wir können es nicht verantworten, dass Schiffe mit geretteten Menschen an Bord wochenlang im Mittelmeer treiben, weil sie keinen Hafen finden“, schrieb er am Samstag in einem Brief an Salvini. Der wies das prompt zurück. Eher würde er die Migranten per Bus direkt in die deutsche Botschaft in Rom fahren lassen, sagte er in einem im Internet verbreiteten Video.

„SeaEye“ widersetzt sich libyischer Küstenwache

Die libyische Küstenwache wollte die Geflüchteten in ihre Verantwortung nehmen und die Organisation sollte die 65 Menschen der Küstenwache überlassen. Doch „SeaEye“ widersetzte sich der Forderung – damit die Geflüchteten nicht zurück in Foltercamps an der libyischen Küste müssen. Dort droht ihnen Vergewaltigung, Menschenhandel und sogar der Tod. (el/ms/dpa)

 
 

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