Aktionäre sorgen sich um Thyssen-Krupp

Thomas Wels, Hasyke Lanwer, David Schraven
Stürmische Zeiten bei Thyssen-Krupp.
Stürmische Zeiten bei Thyssen-Krupp.
Foto: WAZ FotoPool
Nach der Entlassung des halben Vorstands bei ThyssenKrupp machen sich Aktionärsvertreter Sorgen um die Lage des Essener Stahlkonzerns. Der Konzern hat mit Korruptionsvorwürfen zu kämpfen und mehr noch mit Milliarden-Verlusten bei seinen Stahlwerken in den USA und Brasilien.

Essen. Aktionärsvertreter begrüßen die Entlassung von drei Vorständen von Thyssen-Krupp, zeigen sich aber auch besorgt: „Diese Radikallösung zeigt uns, wie ernst die Lage ist“, sagte Thomas Hechtfischer, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „Wir müssen inzwischen davon ausgehen, dass es um eine ganz andere Dimension geht.“ Das Unternehmen muss vermutlich erneut die Werte der Stahlwerke in den USA und Brasilien um mehrere Milliarden Euro nach unten korrigieren.

Der Personalausschuss des Aufsichtsrates hatte unter Leitung von Aufsichtsratschef Gerhard Cromme am Mittwochabend die Entlassung der Vorstände Olaf Berlien, Edwin Eichler und Jürgen Claassen vorgeschlagen. Der radikale Schnitt kam an der Börse gut an, die Aktie von Thyssen-Krupp stieg um knapp zwei Prozent.

Gleichwohl ist im Januar eine turbulente Hauptversammlung der Aktionäre zu erwarten, auf der auch die Rolle von Aufsichtsratschef Cromme hinterfragt wird. Aktionärsvertreter Hechtfischer sagte, es müsse geprüft werden, ob der Aufsichtsrat und dessen Vorsitzender ihrer Kontrollfunktion gerecht wurden. Sollte diese Klärung bis zur Versammlung nicht vorliegen, werde die DSW dem Aufsichtsrat die übliche Entlastung verweigern.

Weitere Milliarden-Verluste bei ThyssenKrupp befürchtet

Die Rolle des Aufsichtsrates ist nach Informationen aus dem Umfeld des Gremiums erneut von externen Experten geprüft worden. Demnach habe der Aufsichtsrat die richtigen Fragen zu Stahlwerken in Brasilien und den USA gestellt. Die Antworten des Vorstandes aber seien teilweise unvollständig und im Nachhinein falsch gewesen, heißt es. Auch die Annahmen, die zu der Investition geführt hätten, seien viel zu optimistisch ausgefallen.

Der Aktienanalyst des Bankhauses Lampe, Marc Gabriel, rechnet damit, dass Thyssen-Krupp bei der Bilanzvorlage am Dienstag wegen der Stahlwerke Milliarden-Verluste ausweisen muss.

Die abberufenen Vorstände können mit einer Abfindung rechnen. Ihre bis 2017 (Eichler, Berlien) beziehungsweise 2016 laufenden Verträge (Claassen) sollen nach WAZ-Informationen für die kommenden zwei Jahre mit einem Grundgehalt von jährlich 650.000 Euro ausgezahlt werden. Hinzu kommen Ansprüche auf Bonuszahlungen, die pro Person noch einmal über eine Millionen Euro im Jahr ausmachen können. Thyssen-Krupp wollte sich dazu nicht äußern.