Waldorfschule lehnt Kind von AfD-Politiker ab – nun hagelt es Kritik

Eine Waldorfschule in Berlin hat das Kind eines AfD-Abgeordneten abgelehnt. Das gab Kritik. (Symbolbild)
Eine Waldorfschule in Berlin hat das Kind eines AfD-Abgeordneten abgelehnt. Das gab Kritik. (Symbolbild)
Foto: David-Wolfgang Ebener / dpa

Berlin. Eine Waldorfschule in Berlin hat das Kind eines AfD-Politikers nicht aufgenommen.

Zuvor hatte das Kind schon die zur Waldorfschule gehörende Kita besucht. Nun aber darf es nicht auf die Schule in freier Trägerschaft gehen.

Das ist das Ergebnis einer Elternversammlung, bei der laut „Berliner Zeitung“ kontrovers über die Aufnahme des Kindes diskutiert wurde. Ende November mussten sich der AfD-Abgeordnete und seine Frau dem Bericht zufolge zusätzlich von 20 Lehrern zu ihren politischen Ansichten befragen lassen.

------------------------------------

• Mehr Themen:

Kein „Anne Will“ in der ARD: Deshalb fiel die Talkshow am Sonntagabend aus

AfD präsentiert Adventskalender zu Ehren des „weißen Mannes“ – darunter ist ausgerechnet dieser Mann

• Top-News des Tages:

Daniela Katzenberger spricht über den Tod von Jens Büchner – und äußert einen bösen Verdacht

Polizei erschießt 74 Jahre alten Mann in Bochum: Obduktion soll wichtige Erkenntnisse liefern

-------------------------------------

Waldorfschule in Berlin lehnt Kind von AfD-Politiker ab: Das ist die Begründung

Der Geschäftsführer des Trägervereins der Waldorfschule begründete die Ablehnung des Kindes so: „Um eine einvernehmliche Lösung des Konfliktes wurde gerungen – sie konnte aber nicht erreicht werden. Angesichts dieses Konfliktes sieht die Schule keine Möglichkeit, das Kind mit der nötigen Unvoreingenommenheit und Unbefangenheit aufzunehmen – beides sind Grundvoraussetzungen, um die Entwicklung des Kindes angemessen zu fördern.“

Eltern befürfchten, AfD-Abgeordneter könne nationalistische Ansichten verbreiten

Elternschaft und Lehrerkollegium seien tief gespalten, so die „Berliner Zeitung“. Einige befürchten, dass der AfD-Mann politischen Einfluss nehmen könne in einer Schule, in der sich Eltern stärker einbringen als an anderen.

Ausländerfeindliche oder nationalistische Positionen könnten den Schulfrieden gefährden. Gleichwohl hatte der AfD-Politiker mehrfach betont, dass er nicht aktiv werden wolle im Schulvorstand.

Kritik an Entscheidung der Waldorfschule auch aus der SPD

Nach der Entscheidung der Waldorfschule, das Kind des AfD-Abgeordneten nicht aufzunehmen, muss sich die Schule einige Kritik gefallen lassen. SPD-Bildungssenatorin Sandra Scheeres bewertet den Entschluss als „äußerst kritisch“. Die Privatschulaufsicht sei eingeschaltet worden.

Zwar dürften freie Schulen sich wegen ihres Schulprofils ihre Schüler innerhalb eines gewissen Rahmens selber aussuchen – gleichzeitig gelte auch für Privatschulen Paragraf 100 des Schulgesetzes. Nach diesem muss die Aufnahme der Schüler an freien Schulen nach Regelungen erfolgen, die auch für staatliche Schulen gelten. Auch müsse untersucht werden, ob die Entscheidung gegen das Antidiskriminierungsgesetz verstoße.

Auch Detlef Hardorp, bildungspolitische Sprecher der Waldorfschulen in Berlin-Brandenburg, kritisierte die Entscheidung der entsprechenden Waldorfschule: „Menschen aller politischen Einstellungen sollten ihre Kinder auf Waldorfschulen schicken können.“

Erika Steinbach zieht geschmacklosen Vergleich

Die parteilose AfD-nahe Politikerin Erika Steinbach (ehemals CDU) vergleicht bei Twitter die Entscheidung der Waldorfschule mit dem Holocaust und bezeichnet Kinder von AfD-Mitgliedern als die neuen „Judenkinder“.

Ihr Tweet kommt jedoch nicht gut an – zumindest nicht in der Kommentarspalte:

  • HB: „Genau, die werden jetzt bestimmt vergast. Widerlich, dieser Vergleich.“
  • Liebe: „Jap. Nicht in den überfüllten Elite Kindergarten zu kommen und Genozid is im Prinzip das gleiche.“
  • Q.A.: „Wo ist eigentlich ihre Schamgrenze, Frau Steinbach?“
  • Chris: „Sie vergleichen grade millionenfachen Mord mit der Verweigerung eines Schulplatzes in einer Waldorfschule. Merken Sie eigentlich noch was?“

110 Kinder wurden an Waldorfschule abgelehnt

Bei der Berliner Waldorfschule, die das Kind des AfD-Politikers abgelehnt hat, haben sich für kommendes Schuljahr übrigens 140 Schüler angemeldet. Es gibt aber nur 30 Plätze. Insgesamt sind also 110 Kinder abgelehnt worden.

Das Schulkonzept der Waldorfschule geht auf den Anthroposophen Rudolf Steiner zurück und betont die freie Entfaltung der Schüler, künstlerische Bildung und den Verzicht auf Noten und Sitzenbleiben. Steiners Schriften enthalten aber nicht nur viel Esoterik, sondern auch rassistische und antisemitische Klischees. (mit dpa)

 
 

EURE FAVORITEN