AfD-Parteitag: Als Jörg Meuthen spricht, wird es laut im Saal

AfD-Sprecher Jörg Meuthen beim AfD-Parteitag.
AfD-Sprecher Jörg Meuthen beim AfD-Parteitag.
Foto: dpa

Heidenheim. Plötzlich wird es richtig laut beim AfD-Parteitag in Heidenheim. AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen steht auf der Bühne - von dort kommen bei solchen Gelegenheiten normalerweise Schmähungen gegen die "Altparteien" oder die "Lügenpresse" und Lobpreisungen der Alternative für Deutschland.

Doch die AfD hat ein gewaltiges Problem: Sich selbst. Seit Monaten, wenn nicht Jahren, geht ein Riss durch die Partei: Ein Riss zwischen Rechtsaußen-Vertretern und denen, die noch weiter rechts stehen.

AfD: Größtes Problem der Partei ist die Partei selbst

Und dieses Problem wird immer größer. Deshalb ist bei dieser Rede einiges anders als sonst. Jörg Meuthen wendet sich gegen die eigenen Mitglieder - und kassiert dafür laute Buh-Rufe. Ein öffentliches Video auf Facebook zeigt den Auftritt.

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„Wer hier seine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ausleben möchte, dem sagen wir klipp und klar: Sucht euch ein anderes Spielfeld für solche Neurosen“, sagt Meuthen.

AfD-Parteitag: "Wenn sich diese Radikalen versammeln"

Mit seinen Worten bezieht er sich auf ein Treffen des radikalen AfD-Flügels in Burladingen vor einigen Wochen. Die rechtsradikale Splittergruppe "Stuttgarter Aufruf" - allesamt Jünger von Björn Höcke, seines Zeichens Mitbegründer der rechtsextremen AfD-Strömung "Der Flügel" - hatte sich dort zu einer Großveranstaltung eingefunden.

„Und wenn sich einige dieser Radikalen, um deutlicher zu werden, versammeln wie kürzlich in Burladingen geschehen, um sich als die Märtyrer unserer Partei und als die vermeintlich wahren Patrioten zu inszenieren, denen sag ich: Tut nicht so, als seid ihr die wahre AfD."

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Das Ende des Satzes ist kaum noch zu verstehen, geht zwischen lautstarkem "Buh" und "Pfui" fast unter. Erst allmählich setzt dann zaghaft Applaus ein, nach und nach klatschen die, die offenbar nicht zu denen gehören wollen, die Meuthen am Rednerpult verteufelt.

Jörg Meuthen: Buh-Rufe und Pfiffe

Die "Radikalen", wie er sie nennt, mögen sich "ganz, ganz rechts außen" nach einer Alternative umsehen, sagt der AfD-Mann. Nun - viel gibt es da ganz rechts ja nicht.

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Björn Höcke

  • Als Jugendlicher war Höcke Mitglied der Jungen Union
  • 2013 gründete Höcke die AfD in Thüringen mit
  • 2015 gründete Björn Höcke die rechtsradikalen AfD-Strömung "Der Flügel"
  • Der gelernte Gymnasiallehrer gilt als Vertreter der Neuen Rechten

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Zur möglichen Verstrickung in die AfD-Spendenaffäre äußerte sich Meuthen nur am Rande auf dem Parteitag. „Das, was da in Rede steht, scheint mir einigermaßen abenteuerlich“, so Meuthen. Er sei sich keiner Schuld bewusst.

AfD-Spendenaffäre: "Keiner Schuld bewusst"

Berichten zufolge könnte aber auch Jörg Meuthen von den dubiosen Spenden an die AfD profitiert haben. Das gehe aus Namenslisten hervor, die die AfD kürzlich an die Bundestagsverwaltung übermittelt habe, berichteten das SWR-Magazin "Report Mainz»" und "Der Spiegel". Demnach sind Meuthens angebliche Gönner teilweise namensidentisch mit Spendern, die von der Partei als Gönner von Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel präsentiert worden waren.

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Jörg Meuthen

  • Meuthen ist seit 2015 einer der beiden Bundessprecher der AfD
  • Ursprünglich halt er als moderates AfD-Mitglied des wirtschaftsliberalen Partei-Flügels
  • Kritiker werfen ihm indes vor, sich nicht konsequent vom rechtsnationalistischen AfD-Flügel abzugrenzen

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Die Staatsanwaltschaft Konstanz ermittelt gegen Alice Weidel und drei weitere Mitglieder ihres Kreisverbandes am Bodensee wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Parteiengesetz. Die Partei hatte im November bestätigt, dass eine Schweizer Pharmafirma 2017 rund 130 000 Euro in mehreren Tranchen an den AfD-Kreisverband überwiesen hatte. Das Geld wurde den Angaben zufolge im Frühjahr 2018 zurückgezahlt. Spenden von Nicht-EU-Bürgern an deutsche Parteien sind illegal. Die AfD hatte dem Bundestag jüngst die Namen von 14 Deutschen und anderen EU-Bürgern vorgelegt, die hinter den Zuwendungen stehen sollen. Die Staatsanwaltschaft zweifelt allerdings an den Angaben. Medienberichten zufolge haben angebliche Gönner der AfD bestritten, der Partei Geld gespendet zu haben. (mit dpa)

 
 

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