AfD-Gründer Lucke fühlt sich von der CDU verlassen

Ein Politiker, der keiner sein will: Bernd Lucke, Gründer der Partei "Alternative für Deutschland", mit Parteisprecherin Frauke Petry nach einer Pressekonferenz.
Ein Politiker, der keiner sein will: Bernd Lucke, Gründer der Partei "Alternative für Deutschland", mit Parteisprecherin Frauke Petry nach einer Pressekonferenz.
Foto: Getty
Das erste was auffällt, ist sein jungenhaftes Äußeres: Bernd Lucke will das Aus für den Euro-Währungsraum, deshalb hat er eine Partei gegründet. Seine "Alternative für Deutschland" könnte vor allem Schwarz-Gelb wertvolle Stimmen kosten. Ein Hausbesuch.

Winsen. Der Professor für Volkswirtschaftslehre aus dem kleinen Winsen südlich von Hamburg könnte Angela Merkel gefährlich werden. Doch auch SPD, FDP und Linke machen sich Gedanken über den Euro-Kritiker. Selbst wenn seine Alternative für Deutschland (AfD) bei der Bundestagswahl im September an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern sollte, könnten den Großen entscheidende Stimmen fehlen. Sorgen also im noch fernen Berlin, dabei wirkt der 50-Jährige zunächst so gar nicht gefährlich. Das erste was auffällt, ist sein jungenhaftes Äußeres. "Das war immer schon mein Problem", sagt er lachend. "Ich kam nie in die Kinos, wenn die anderen schon durften."

Lucke unterrichtet Volkswirtschaftslehre an der Uni Hamburg, lebt aber mit seine Familie im niedersächsischen Winsen. Ein schmuckes Einfamilienhaus am Ortsrand - roter Ziegelstein, der Garten von halbgebändigtem Charme. Der Hausherr ist verheiratet und fünffacher Vater. "Klug, ehrlich, schlagfertig und gewitzt", so charakterisiert Ehefrau Dorothea ihren Gatten. Der hat in Hamburg, Berkeley und Bonn studiert, in seiner Heimatstadt Berlin promoviert, hat auch in Kanada gelehrt und die Weltbank beraten - kein weltfremder Nerd also.

Ein Organisationstalent sei er nie gewesen, gibt Lucke zu der im Wahlkreis 36 Harburg kandidiert. "Daran krankt auch die Partei", gesteht er. "Es könnte manches organisatorisch besser laufen, aber ich bin Wissenschaftler und kein Manager." Und dann kommt ein verblüffender Satz für einen, der gerade eine Partei mitgegründet hat: "Ich wollte immer Wissenschaftler sein. Ich wollte und will kein Politiker sein."

Die Parteigründung war für Lucke nur letztes Mittel. Drohende wirtschaftliche Nöte vor allem im Süden Europas, ungelöste Schuldenprobleme, eine Gefahr für kommende Generationen - nach 33 Jahren in der CDU tritt Lucke im Dezember 2011 aus. "Nein, ich beschreibe mich nicht als Konservativen", betonte er. "Ich beschreibe mich als Christdemokraten, als in der Wolle gefärbten Christdemokraten, der sich von seiner Partei verlassen fühlt."

Politik für Lucke nur teilweise Neuland

Erst gründet Lucke 2010 eine Wissenschaftler-Vereinigung, das Plenum der Ökonomen. Die Experten raten von der Euro-Rettungspolitik ab. "Immerhin 200 Volkswirtschaftsprofessoren haben das getan. Das hat ungefähr zwei Tage Aufmerksamkeit in den Zeitungen hervorgerufen und dann war es vorbei", sagt Lucke enttäuscht. Auch ein "Bündnis Bürgerwille" und die "Wahlalternative 2013" seien zahnlos blieben. "Und dann hatten wir nur noch die Wahl: Entweder wir gründen jetzt wirklich selbst eine Partei oder wir geben auf - und da haben wir uns denn eben für die Parteigründung entschieden." Im April 2013 war es soweit, jetzt steht er als einer von drei Sprechern an der Spitze der AfD.

Politik ist für ihn nur teilweise Neuland. "Auch als Professor muss ich Dinge erklären können und ich finde, als Professor muss ich auch Dinge für Laien verständlich machen können", sagt Lucke. "Ich erkläre gern", betont er. Aber: "Dieser Jubel, dieser Enthusiasmus, den sie in einer Partei haben, das ist natürlich etwas völlig Neues. Das habe ich als Wissenschaftler nicht gehabt, da ist mir nie zugejubelt worden." Lucke sieht aber auch die Verantwortung: "Die Resonanz ist eine ganz andere in der Politik, wo sich jetzt eben sehr, sehr viele Hoffnungen mit meinem Engagement verbinden." (dpa)

 
 

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