AfD-Politiker provoziert Claudia Roth – und wird komplett zusammengefaltet: „Sie haben hier gar nichts zu bitten“

AfD-Politiker Jürgen Braun sorgte im Bundestag für eine Provokation. Das brachte ihm einen Ordnungsruf ein.
AfD-Politiker Jürgen Braun sorgte im Bundestag für eine Provokation. Das brachte ihm einen Ordnungsruf ein.
Foto: IMAGO / Future Image

Grünen-Politikerin Claudia Roth hat im Bundestag ausgeteilt: Nachdem AfD-Politiker Jürgen Braun ans Rednerpult trat, dauerte es keine zwei Sätze, bis die Situation eskalierte.

Am Mittwoch wurde im Bundestag über die EU-Beitrittsverhandlungen der Türkei gesprochen. Der Austritt der Türkei aus der Istanbul-Konvention war scharf kritisiert worden. Das kritisierte auch der AfD-Politiker in seiner Rede – doch als es ums Inhaltliche ging, war das Kind bereits in den Brunnen gefallen.

AfD-Politiker spricht Claudia Roth SO an - dann platzt ihr der Kragen

„Frau Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren“, will AfD-Politiker Jürgen Braun ansetzen, als Claudia Roth (Grüne), Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, direkt dazwischen grätscht. „Frau Präsidentin, auch für Sie gilt das“, weist sie Braun zurecht, dem dieser Fehler wohl nicht zufällig unterlaufen ist.

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„Der generische Maskulinum, das gilt, ist bis heute die richtige Anrede“, provoziert der 59-Jährige weiter. Dass es natürlich „das generische Maskulinum“ heißt und nicht „der“ sei an dieser Stelle mal nur am Rande erwähnt.

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Das ist die AfD:

  • AfD steht für „Alternative für Deutschland“
  • Parteivorsitzende sind Jörg Meuthen und Tino Chrupalla
  • Gründung am 6. Februar 2013 in Berlin als zunächst rechtsliberale und EU-skeptische Partei
  • 2015 erste Spaltung eines wirtschaftsliberalen Flügels unter Parteigründer Bernd Lucke – Partei rückt dadurch deutlich nach rechts
  • bei der Bundestagswahl 2017 holte sie 12,6 Prozent
  • stärkstes Wahlergebnis war 27,5 Prozent bei der Landtagswahl in Sachsen 2019

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„Dann bekommen Sie jetzt einen Ordnungsruf von mir, weil es gibt einen Beschluss, dass sie die Präsidentinnen als Präsidentin bezeichnen. Ich erteile dem Abgeordneten Braun einen Ordnungsruf“, platzt Roth dann der Kragen. Doch damit ist die Posse noch nicht erledigt.

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„Sie haben hier gar nichts zu bitten“

Braun muss erst einmal einen Schluck Wasser nehmen und bittet darum, die Zeit anzuhalten, da die Auseinandersetzung von seiner Redezeit abgehe: „Ich bitte die Zeit anzuhalten, wenn hier in dieser Form in meine Redezeit eingegriffen wird.“ Daraufhin reicht es der Bundestags-Vizepräsidentin endgültig.

„Sie haben hier gar nichts zu bitten. Sie haben jetzt zu reden oder sie hören auf zu reden“, schmettert sie ihm um die Ohren. Und tatsächlich: Der AfD-Politiker scheint sich nun auch auf den Inhalt seiner Rede konzentrieren zu wollen und beginnt mit seiner Kritik am Austritt aus der Istanbul-Konvention der Türkei.

Das internationale Abkommen aus dem Jahr 2011 soll Frauen vor Gewalt schützen, beispielsweise bei Vergewaltigungen oder in der Ehe. Mit der Begründung, dass es der Einheit der Familie schade und Scheidungen fördere, war die türkische Regierung überraschend ausgetreten.

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Dass Braun sich ausgerechnet bei einem Thema, welches den Schutz von Frauen in den Fokus gestellt hat, weigerte, die Vizepräsidentin des Bundestags auch als solche anzusprechen, dürfte wohl kaum ein Zufall gewesen sein.

Nicht nur für AfD-Mann Braun gab es in jüngster Zeit eine verbale Breitseite. Auch Alice Weidel musste sich einen Seitenhieb gefallen lassen. Und das ausgerechnet von einem Politiker aus der eigenen Partei. (dav)