AfD: Bernd Lucke will Vorlesung halten – dann kommt es zur „Eskalation“

Schon wieder! Auch die zweite Vorlesung von Bernd Lucke an der Uni Hamburg endet frühzeitig. Erneut kam es zu Protesten gegen den ehemaligen AfD-Mitgründer.
Schon wieder! Auch die zweite Vorlesung von Bernd Lucke an der Uni Hamburg endet frühzeitig. Erneut kam es zu Protesten gegen den ehemaligen AfD-Mitgründer.
Foto: picture alliance/Markus Scholz/dpa

Hamburg. Als die AfD 2013 als marktradikale und eurokritische Partei gegründet wurde, war Bernd Lucke einer der führenden Köpfe, ein Jahr später sogar Spitzenkandidat für die Europawahl.

2015 löst Frauke Petry Bernd Lucke als Parteichef ab. Eigentlich wollte Lucke in diesen Tagen seine Professur an der Universität Hamburg wieder aufnehmen - doch auch bei der zweiten Vorlesung kam es zu Protesten von Studierenden. Die Veranstaltung wurde abgebrochen.

AfD: Bernd Lucke will Vorlesung halten – „Eskalation“

Innerhalb kurzer Zeit nach ihrer Gründung wandelt sich das politische Bild der AfD. Im Fahrwasser des rasanten Aufstiegs der AfD tummelten sich zunehmend rechte bis rechtsextreme Kräfte, die ihren innerparteilichen Einfluss schnell vergrößern konnten. Wie schwer die Verantwortung von Bernd Lucke für die Entwicklung der AfD als rechtspopulistische Kraft wiegt, darüber scheiden sich die Geister.

Wo dies hinführte, ist hingegen hinlänglich bekannt. 2015 mussten ihm zuerst Bernd Lucke und 2017 auch Frauke Petry weichen.

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Für Lucke, der zwischenzeitlich die Partei Allianz für Fortschritt und Aufbruch (ALFA), später Liberal-Konservative- Reformer, gegründet hatte, sollte es in diesen Tagen zurück an die Universität Hamburg gehen. Dort lehrt Lucke als Professor für Makroökonomie. Eine erste Vorlesung am vergangenen Mittwoch endete jedoch bereits nach kurzer Zeit.

Proteste gegen Lucke-Vorlesung

Die Studierendenvertretung der Universität Hamburg hatte zum Protest aufgerufen. Dieser entlud sich auch abseits der angemeldeten Veranstaltung vor dem Hauptgebäude im Hörsaal und linke Aktivisten verhinderten, unter anderem durch lautstarke „Nazis raus“-Rufe, den Start der ersten Veranstaltung: Bernd Lucke: Ex-AfD-Chef will Vorlesung halten – dann kommt es zum Eklat

Damals erklärte Lucke gegenüber „Welt“-Reporter Philipp Woldin: „Ich finde es beschämend, als Nazi beschimpft zu werden. Ich werde kommende Woche wieder meine Vorlesung halten. Ich weiche nicht zurück.“

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Erneute Auseinandersetzungen im Hörsaal

Diesen Mittwoch fand nun also der zweite Versuch statt. Erneut kam es zu Tumulten und heftigen Protesten gegen das Auftreten von Lucke. Bilder zeigen wie mehrere linke Aktivisten versuchen, den Vorlesungssaal an der Universität Hamburg zu stürmen. Auch das Sicherheitspersonal, welches vor den Eingangstüren positioniert war, konnte die Protestierenden nicht aufhalten.

Als sie schließlich in den Hörsaal gelangten, wurde die Vorlesung abgebrochen.

Gegenüber „Focus Online“ erzählt Lucke, der Protest sei noch einmal eine „Eskalation zu letzter Woche“ gewesen. Damals hatte Lucke die „Nazis raus“ sowie „Nazi-Schweine raus aus der Uni“ Rufe von sich gewiesen und den Protestierenden im Gegenzug Nazi-Methoden vorgeworfen.

Bernd Lucke mit schwierigem NS-Vergleich

Dabei verglich Lucke seine eigene Lage auch mit der jüdischer Professoren unter dem NS-Regime. Hunderte jüdische Professoren wurden damals von den Universitäten verjagt und mussten ins Exil gehen, um überleben zu können.

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Der Asta der Uni Hamburg warf Lucke eine „Umkehrung der Täter-Opfer-Rolle“ vor.

Diesmal hatte die Uni-Leitung sogar extra Sicherheitskräfte abgestellt, um den Saal zu bewachen. Diese wurden jedoch von den Demonstranten überwunden. „Das waren Gewalttäter, die die Vorlesung gesprengt haben“, so Lucke zu „Focus Online.“

Zudem hätten sich die Protestierenden Zugriff auf die Lautsprecheranlage beschafft und damit zuvor ebenfalls die Veranstaltung gestört.

Wie groß ist Luckes Anteil an rechten Kräften?

Wie groß die Verantwortung Luckes für das Erstarken rechter Kräfte in der AfD ist, darüber streiten sich auch Politikwissenschaftler. So meint beispielsweise Matthias Quent, Soziologe und Rechtsextremismusforscher, im Interview mit dem Schweizer Tageszeitung „Der Bund“: „Das Problem ist, dass die AfD von Anfang an eine rechtsoffene Flanke hatte und die Parteiführung das gesellschaftliche Potenzial des Rechtsradikalismus völlig unterschätzt hat.“

Schon 2014 hätten Neonazis die AfD unterstützt, „Lucke nahm die Profilierung auch mittels diesem rechtsradikalen Potenzial in Kauf, bis er die Geister, die er rief, nicht mehr loswurde“, so seine Analyse.

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Der Streit an der Universität Hamburg wird aller Voraussicht nach am nächsten Mittwoch in seine dritte Runde gehen. (dav)

 
 

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