Ärztemangel: Streit verschärft sich

An Rhein und Ruhr..  Der Streit zwischen Regierung und Ärzteschaft über geplante Praxisschließungen in überversorgten Regionen verschärft sich: Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung erhebt schwere Vorwürfe gegen die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), die derzeit mit einer deutschlandweiten Kampagne vor einem „Raubbau“ an der ambulanten Versorgung warnt. Die Ärzteschaft male ein Zerrbild der Lage: „Statt die Versichertengemeinschaft gezielt in die Irre zu führen, sollte die Kassenärztliche Bundesvereinigung ihr Engagement besser dafür verwenden, die richtige und ausreichende Verteilung der Ärzte sicherzustellen“, sagte Karl-Josef Laumann (CDU) der NRZ.

Die geplante Regelung sieht vor, dass in solchen Gebieten, wo es zu viele Ärzte einer Fachrichtung gibt, Praxen künftig aufgekauft werden sollen. Gleichzeitig soll in unterversorgten Gebieten die Praxisgründung stärker unterstützt werden. Der Ton dürfte sich in den nächsten Monaten noch weiter verschärfen: Anfang März kommt das Versorgungsstärkungsgesetz in den Bundestag – bereits im Juli soll es in Kraft treten.

Laut Landesregierung droht in NRW bereits in 90 ländlichen Gemeinden eine akute Gefährdung der hausärztlichen Versorgung. Am Niederrhein sind etliche Gemeinden in den Kreisen Kleve und Wesel vom Hausärztemangel bedroht.

Dort, wo die Ärzte einer Fachrichtung den örtlichen Bedarf zu mehr als 110 Prozent abdecken, geht die Regierung dagegen von Überversorgung aus. Die Ärzteschaft kritisiert das scharf: Die Statistik habe oft wenig mit dem Praxisalltag zu tun. In Großstädten liege der tatsächliche Bedarf oft höher, weil die Ärzte eine Vielzahl von Patienten aus dem ländlichen Umland behandeln würden. „Allein in Köln pendeln rund 30 Prozent der Patienten von außerhalb ein“, so Peter Potthof, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein. „Wie der Gesetzgeber mit weniger Ärzten auch noch die Wartezeiten auf Behandlungstermine verkürzen will, bleibt sein Geheimnis.“ Mit der 110-Prozent-Regel drohe allein im Bezirk Nordrhein, zu dem auch Essen, Duisburg, Mülheim und Oberhausen gehören, 3000 der insgesamt rund 8300 Facharztstellen das Aus. Zusätzlich wären 250 der rund 6600 Hausarztsitze betroffen.

Der Patientenbeauftragte dagegen verteidigt das Gesetz: „Die 110 Prozent sind vernünftig gewählt“, so Laumann. Je höher die Grenze liegen würde, desto stumpfer werde das Instrument. „Das ginge zu Lasten der unterversorgten Regionen.“

 
 

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