Ärzte wollen Hauptschüler nicht als Krankenpfleger

Berlin. Die Bundesärztekammer will keine Hauptschüler als Krankenpfleger. "Klinikärzte brauchen hochqualifizierte Partner", sagte Ärztekammervize Montgomery. Pflege- und Wohlfahrtsverbände protestieren gegen den Plan der Koalitionsfraktionen. Sie warnen vor einer "gefährlichen Niveauabsenkung".

Die Bundesärztekammer hat den Plan der Koalitionsfraktionen kritisiert, nun auch Hauptschülern den Zugang zum Krankenpflegeberuf zu ermöglichen. «Klinikärzte brauchen hochqualifizierte Partner», sagte Ärztekammervize Frank-Ulrich Montgomery dem Berliner «Tagesspiegel». Daher sei man «sicher nicht klug beraten, sich den Berufszugang von arbeitsmarktpolitischen Überlegungen diktieren zu lassen». Für die Forderung, ärztliche Tätigkeiten aus Kosten- und Kapazitätsgründen stärker auf Pflegekräfte zu übertragen, sei der Vorstoß geradezu «kontraproduktiv».

Niedrigste Zugangsbedingungen in EU-Vergleich

Bisher gilt für Krankenschwestern und -pfleger die Mittlere Reife als Zugangsvoraussetzung. Mit der Öffnung für Hauptschulabschlüsse lasse sich «frühzeitig vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung» ein Mangel an Fachkräften vermeiden, lautet die Begründung für den Änderungsantrag zum Krankenpflegegesetz. Pflege- und Wohlfahrtsverbände protestieren gegen den Vorstoß und warnen vor einer «gefährlichen Niveauabsenkung».

Im EU-Vergleich habe Deutschland schon jetzt die niedrigsten Zugangsbedingungen zum Pflegeberuf, sagte der Geschäftsführer des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe, Franz Wagner, dem «Tagesspiegel». Die Anforderungen seien aber gewaltig gestiegen. «Lieb und nett sein und zwischendurch das Bett aufschütteln, reicht nicht.» Selbst die Eignung von Realschulabsolventen habe erschreckend abgenommen, berichtete Andrea Lemke, Pflegedirektorin am Jüdischen Krankenhaus in Berlin. Von 80 Bewerbern bestünden keine 15 die Tests. (ddp)

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