Ärger um Pläne für "Kuschelkurse" für Polizeihunde

Tobias Blasius
Hartes Training: Spurensuch-Hunde sind speziell für den Einsatz mit Hubschraubern, lärmende und vibrierende Maschinen, ausgebildet. In der Übung muss der Mantrailer-Hund der Spur eines „Verbrechers" folgen. Neue Vorgaben des Ministeriums zur Führung von Polizeihunden sorgen jetzt für Kritik.
Hartes Training: Spurensuch-Hunde sind speziell für den Einsatz mit Hubschraubern, lärmende und vibrierende Maschinen, ausgebildet. In der Übung muss der Mantrailer-Hund der Spur eines „Verbrechers" folgen. Neue Vorgaben des Ministeriums zur Führung von Polizeihunden sorgen jetzt für Kritik.
Foto: Matthias Graben
Pläne des NRW-Innenministeriums für „sozialverträgliche Diensthunde“ sorgen für Ärger in den Behörden. Die Vorgaben seien praxisfremd, heißt es.

Düsseldorf. Eine vom NRW-Innenministerium geplante Reform der Polizeihundestaffel sorgt für erhebliche Unruhe in den Behörden. Die rund 300 Polizeihundeführer sollen verpflichtet werden, künftig mit „sozialverträglichen“ Tieren in den Einsatz zu ziehen. So sieht es ein Entwurf für das neue „Handbuch Diensthundewesen der Polizei NRW“ vor. Es soll demnächst in einer „Prüfung der Sozialverträglichkeit“ festgestellt werden, ob die Hunde gegenüber Menschen und anderen Tieren möglicherweise zu aggressiv auftreten.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) kritisierte, dass sich die im Handbuch geforderte Sozialverträglichkeit der Tiere und ein vorgesehener Katalog an Mensch-Hunde-Übungen „nicht an der Praxis und Realität“ orientierten. Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat schon vor Wochen in einem Schreiben an Innenminister Ralf Jäger (SPD) protestiert. „Polizeihunde sind keine Hunde zum Streicheln und Spazierengehen“, sagte GdP-Landeschef Arnold Plickert. Die Gewerkschaften fordern die dringende Überarbeitung des „Handbuchs Diensthundewesen“ durch erfahrene Praktiker.

Kritik an rüden Methoden der Hunde-Ausbildung

Vor zwei Jahren hatten Berichte über rüde Methoden in der Polizeihunde-Ausbildung das Land auf den Plan gerufen. Tierschutzstandards sollen verletzt worden sein. Die nun angestrebte Kehrtwende zu „beherrschbaren Diensthunden“ wird jedoch von Fachleuten als weltfremd beschrieben. Polizeihunde würden für Extrem-Aufgaben in Menschenmengen, bei der Drogenbekämpfung oder der Personensuche ausgebildet und dürften nicht von Bürokraten ohne Fachkenntnis zu Kuscheltieren gemacht werden, wird intern gespottet.

Für Unmut sorgen auch Pläne des Innenministeriums, Diensthundeführer häufiger in Uniformen zu stecken und deren Zivilfahrzeuge zu streichen. Verdeckte Einsätze etwa in der Drogenbekämpfungen würden so praktisch unmöglich. Zudem unterstützten Diensthundeführer in ländlichen Regionen Nordrhein-Westfalens die Polizei im wichtigen Kampf gegen Wohnungseinbrüche. Das werde unmöglich, wenn Zivilfahrzeuge massiv reduziert würden.