Ängste unterschätzt – von Daniel Freudenreich

Umweltminister Norbert Röttgen ist noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Der Biosprit wird eingeführt. Das war Röttgens Position, während Wirtschaftsminister Rainer Brüderle auch über eine Verschnaufpause nachdachte.

Dennoch hat Röttgen in der E10-Debatte eine schlechte Figur abgegeben. Die Einführung war mangelhaft vorbereitet – und daran ist nicht nur die Auto- oder Mineralölbranche schuld. Auch das federführende Umweltministerium hat die Bürger zu wenig informiert.

Röttgen hat die Ängste der Autofahrer vor dem Biosprit unterschätzt. Als diese immer deutlicher wurden, ist Brüderle kurzerhand mit der Idee für den Benzingipfel nach vorn geprescht. Es ist nicht das erste Mal, dass der findige Wirtschaftsminister den Kollegen Röttgen aussticht. Auch bei der Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke er­weckte Brüderle den Anschein des Siegers – mit durchschnittlich zwölf Jahren mehr Laufzeit.

Für Röttgen kann es nun nur noch darum gehen, die E10-Einführung ohne weitere Pannen über die Bühne zu bringen. Gewinnen kann er damit nichts mehr. Ein Meisterstück des potenziellen Kronprinzen von Angela Merkel war das nicht.

 
 

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