Ägypten mischt sich in israelisch-palästinensischen Konflikt ein

Im Nahen Osten droht der israelisch-palästinensische Konflikt zu eskalieren. Nachdem bei einem palästinensischen Raketenangriff aus dem Gazastreifen im Süden Israels drei Menschen getötet worden waren, kündigte die Regierung in Jerusalem ein entschiedenes Vorgehen gegen militante Palästinensergruppen an.

Gaza-Stadt/Kairo (dapd). Im Nahen Osten droht der israelisch-palästinensische Konflikt zu eskalieren. Nachdem bei einem palästinensischen Raketenangriff aus dem Gazastreifen im Süden Israels drei Menschen getötet worden waren, kündigte die Regierung in Jerusalem ein entschiedenes Vorgehen gegen militante Palästinensergruppen an.

Ägypten will dabei aber offenbar nicht tatenlos zusehen. Staatspräsident Mohammed Mursi beorderte Ministerpräsident Hescham Kandil in den Gazastreifen. Er sollte dort am Freitag der radikalen Palästinenserorganisation Hamas die Unterstützung Ägyptens bekunden.

Zuvor hatte Mursi schon angekündigt, dass er sich darum bemühen werde, die israelische Offensive gegen die Hamas zu stoppen. Er sprach dabei von einer inakzeptablen Aktion Israels. Am Mittwoch hatte Ägypten seinen Botschafter in Israel zurückgerufen, um gegen die israelischen Luftangriffe zu protestieren, bei denen bislang mindestens 13 Menschen getötet wurden.

Die Spannungen könnten noch größer werden, denn möglicherweise erreichte am Donnerstag erstmals eine palästinensische Rakete aus dem Gazastreifen Tel Aviv. Dort war nach einem Luftalarm eine Explosion zu hören. Zunächst war aber unklar, wo die Rakete eingeschlagen sein könnte. Drei Raketen schlugen vor der Stadt ein. Der Leiter des Rettungsdienstes, Eli Bean, sagte, es lägen keine Berichte über Verletzte vor.

Sollte tatsächlich eine Rakete die Stadt erreicht haben, dann wäre das eine neue Stufe der Eskalation, die sicher nicht ohne israelische Reaktion bleiben würde. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu drohte, er werde alles Notwendige tun, um sein Volk vor Angriffen zu schützen. Er zeigte sich entschlossen, die militanten Gruppen im Gazastreifen zerschlagen zu wollen. Er hoffe, die Hamas habe das verstanden, sagte er. Aus israelischen Regierungskreisen verlautete, die Streitkräfte stünden auch zu einer Bodenoffensive im Gazastreifen bereit, sollte dies als notwendig erachtet werden.

Angst vor Ausweitung des Konflikts

Auf internationaler Ebene wächst die Sorge vor einer Ausweitung des Konflikts. "Es ist notwendig, dass jetzt auf Deeskalation gesetzt wird, dass vor allen Dingen besonnen und umsichtig gehandelt wird", sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) am Rande eines Treffens von Außen- und Verteidigungsministern aus fünf EU-Ländern in Paris. Der Außenminister sprach von einer "außerordentlich gefährlichen Lage". Es sei von "großer Bedeutung", dass keine neue "Spirale der Gewalt" entstehe.

In New beriet der UN-Sicherheitsrat über die Lage. Ägypten forderte die USA auf, "die israelische Aggression zu stoppen". Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas brach eine Europareise ab und kehrte ins Westjordanland zurück.

US-Präsident Barack Obama hatte bereits kurz nach den Luftangriffen mit Netanjahu und Mursi gesprochen. Dabei habe Obama seine Unterstützung für das Recht Israels auf Selbstverteidigung bekundet, teilte das Weiße Haus am Mittwoch (Ortszeit) mit. Obama habe die Regierung in Jerusalem allerdings auch dazu aufgefordert, zivile Opfer bei dem Militäreinsatz zu vermeiden.

UN-Generalsekretär Ban rief beide Seiten zur Ruhe auf und verlangte die Einhaltung des humanitären Völkerrechts. Die Palästinenser forderten Hilfe von der internationalen Gemeinschaft.

Wütenden Palästinenser wollen sich rächen

Das Militär begann seine Angriffe am Mittwoch mit der gezielten Tötung des Militärchefs der Hamas, Ahmed Dschabari. Später wurde der Beschuss durch die Luftwaffe, Panzer und Kanonenboote ausgeweitet. Mehr als 50 israelische Angriffe trafen den Angaben zufolge Lager und Startrampen für Raketen sowie zwei Trainingscamps islamistischer Kämpfer. Dabei konnten demnach zahlreiche Raketen zerstört werden. Mehr als hundert Menschen wurden verletzt.

Die Hamas und andere Islamistengruppen ließen sich davon nicht einschüchtern und feuerten nach israelischen Angaben am Donnerstag fast 150 Raketen auf Israel ab. Bei der Beerdigung Dschabaris skandierten 400 wütende Palästinenser "Allah ist groß, die Rache kommt" und schossen in die Luft. Der Hamas-Abgeordnete Muschir al Masri sagte in seiner Trauerrede, dass dieses "Verbrechen" sie nicht schwächen werde. "Es wird uns stärker machen und noch entschiedener, dem Weg des Heiligen Krieges und Widerstandes zu folgen." Der Feind habe den Kampf eröffnet und "soll die Konsequenzen tragen", sagte al Masri.

Ausnahmezustand in Israel und Gazastreifen

Im Gazastreifen rief die regierende Hamas den Notstand aus. Schulen blieben geschlossen, die meisten Straßen in Gaza-Stadt waren am Donnerstag verwaist, viele der 1,6 Millionen Einwohner in der Küstenregion suchten zu Hause Schutz. Die israelischen Streitkräfte hatten sie mit Flugblättern davor gewarnt, in die Nähe von Hamas-Standorten, Raketenlagern oder Abschussrampen zu gehen.

Auch die Menschen im Süden Israels, wo gleichfalls der Ausnahmezustand ausgerufen wurde, sollten zum Schutz vor den Raketen der Islamisten ihre Häuser möglichst nicht verlassen. 40 Kilometer um den Gazastreifen blieben die Schulen geschlossen, die Menschen sollten nicht zur Arbeit gehen. Die Polizei verstärkte aus Angst vor Terroranschlägen im ganzen Land die Patrouillen.

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