700 Tote: EU muss „schnell handeln“

Berlin/Rom..  Das Flüchtlingsdrama im Mittelmeer hat mit einer neuen Katastrophe einen grausamen Höhepunkt erreicht: Bei einem Bootsunglück vor der Küste Libyens sind in der Nacht zu Sonntag bis zu 700 Menschen ums Leben gekommen – innerhalb nur einer Woche sind damit im Mittelmeer über tausend Flüchtlinge ertrunken.

Die Katastrophe löste international Bestürzung aus. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR sprach von einer „der größten Tragödien, die jemals im Mittelmeer geschehen sind.“

Das Unglück ereignete sich in der Nacht zum Sonntag etwa 70 Seemeilen vor der libyschen Küste. Flüchtlinge auf einem völlig überladenen Fischerboot hatten einen Hilferuf abgesetzt. Als sich daraufhin ein portugiesischer Frachter näherte, eilten viele der Menschen auf die entsprechende Seite des Bootes, das daraufhin kenterte.

Bis zum Sonntagmittag konnten 28 Menschen gerettet und 24 Leichen geborgen werden – doch an Bord sollen rund 700 Menschen gewesen sein, ein Überlebender sprach sogar von 950. Die Hoffnung, noch Überlebende zu finden, war gestern nur noch gering.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) forderte eine europäische Antwort auf das Flüchtlingsproblem und bezeichnete die Bekämpfung von Schlepperbanden dabei als zentralen Punkt. Doch Politiker von Koalition und Opposition verlangten gegenüber der NRZ weitere Konsequenzen: SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi sagte, die EU müsse schnell handeln und eine maritime Rettungstruppe aufstellen, um künftige Katastrophen im Mittelmeer zu verhindern. Durchgangsländer wie Libyen bräuchten ebenso Unterstützung wie die Herkunftsländer der Flüchtlinge.

Peter: Kurs derAbschottung „ist zynisch“

Linken-Parteichef Bernd Riexinger forderte die Bundesregierung auf, „alles dafür zu tun, um die Flüchtlingspolitik der EU grundlegend zu ändern.“

Die Grünen-Vorsitzende Simone Peter warnte: „Angesichts ertrinkender Flüchtlinge den Kurs der Abschottung fortzuführen, ist zynisch und kommt unterlassener Hilfeleistung gleich.“ Es sei ein tödlicher Fehler der EU gewesen, das Seenotrettungsprogramm „Mare Nostrum“ durch den Frontex-Einsatz „Triton“ zu ersetzen, das nur dem Schutz der europäischen Außengrenzen diene.

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