64 bis 253 Euro – Kita-Gebühren klaffen extrem auseinander

Spielen in der Kita: Was Eltern für die Betreuung ihrer Kinder bezahlen, das hängt deutlich von der Kassenlage ihrer jeweiligen Heimatstadt ab.
Spielen in der Kita: Was Eltern für die Betreuung ihrer Kinder bezahlen, das hängt deutlich von der Kassenlage ihrer jeweiligen Heimatstadt ab.
Foto: WAZ FotoPool
Der Vergleich des Steuerzahlerbundes zeigt: Kommunen in NRW bitten Eltern unterschiedlich zur Kasse. Zwischen Arnsberg und Siegen liegen fast 200 Euro

Düsseldorf. Die Kindergarten-Gebühren in Nordrhein-Westfalen entwickeln sich immer weiter auseinander. Seit die schwarz-gelbe Landesregierung 2006 die NRW-weit einheitliche Gebührentabelle abgeschafft hatte, bekommen vor allem Familien mit mittlerem Einkommen die Kassenlage ihrer Heimatstädte deutlich zu spüren. Das geht aus dem neuen Gebührenvergleich des Steuerzahlerbundes in den 57 größten Kommunen des Landes hervor, der am Mittwoch in Düsseldorf vorgestellt wurde.

Eltern mit einem Jahreseinkommen zwischen 40 000 und 60 000 Euro zahlen für eine U2/U3-Betreuung von 45 Stunden pro Woche im NRW-Durchschnitt 182 Euro. In Arnsberg ist es mit 253 Euro am teuersten. In Siegen (64 Euro) und Viersen (90 Euro) am billigsten. Großstädte wie Köln (224 Euro) und Bonn (230 Euro) liegen im oberen Drittel, besonders teuer ist es jedoch in den klammen Ruhrgebietsstädten. Duisburg, Oberhausen, Bottrop und Essen bitten die Eltern besonders stark zur Kasse (siehe Tabelle).

Kita-Träger fordern mehr Geld

„Es gibt in Nordrhein-Westfalen eine enorme Spreizung bei den Kita-Gebühren“, sagte Hans-Ulrich Liebern vom Steuerzahlerbund. Viele Städte bemühten sich um eine soziale Staffelung. Befreiungsgrenzen bis zu einem Jahreseinkommen von 15 000 Euro sind die Regel, in Düsseldorf zahlt man erst ab 30 000 Euro, in Münster sogar erst ab 37 000 Euro. Vor allem die mittleren und hohen Einkommen werden laut Analyse des Steuerzahlerbundes in Gemeinden mit schlechter Kassenlage dafür umso höher belastet.

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) bekräftigte jüngst beim Landesparteitag, dass sie für über Dreijährige zwei weitere Kita-Jahre beitragsfrei stellen wolle. Einen Zeitpunkt und wie die Kosten von jährlich mindestens 300 Millionen Euro gegenfinanziert werden sollen, ließ sie bislang offen. Das letzte Kita-Jahr vor der Einschulung hatte Rot-Grün bereits 2011 von Gebühren befreit.

Die Kita-Träger fordern stattdessen eine bessere Finanzausstattung durch das Land. Um einen Kollaps und den Ausstieg kirchlicher Träger zu verhindern, verdoppelte Rot-Grün zuletzt die jährliche Erhöhung der Kindpauschalen von 1,5 Prozent auf 3,0 Prozent. Damit sollen stetig steigende Kosten etwa durch Tarifabschlüsse für Erzieher aufgefangen werden. Eine grundsätzliche Kita-Reform soll jedoch erst nach der Landtagswahl 2017 auf den Weg gebracht werden.

Schlusslicht bei Kleinkindbetreuung

Zugleich ist auch die Versorgungslage insgesamt am Mittwoch erneut in die Kritik geraten. Wie das Statistische Bundesland mitteilte, besuchten zum 1. März 2016 insgesamt 122 774 unter Dreijährige eine Einrichtung oder eine öffentlich geförderte Tagespflege in NRW. Das entsprach einer Quote von 25,7 Prozent und bedeutet, dass NRW bundesweites Schlusslicht bei der Kleinkindbetreuung bleibt.

CDU-Familienpolitiker Bernhard Tenhumberg warf der Landesregierung „chronisches Versagen“ vor. „Wer Kinderarmut wirksam bekämpfen will, der braucht Eltern, denen es möglich ist, Familie und Beruf zu vereinbaren“, sagte Tenhumberg. FDP-Familienexperte Marcel Hafke warf Rot-Grün „Komplettversagen“ vor. Zwar sei die absolute Zahl der Betreuungsplätze im Vergleich zu 2015 um 5346 Plätze leicht gesteigert worden. Doch angesichts des Geburtenanstiegs, der Einwanderung und des starken Aufholbedarfs sei das viel zu wenig, so Hafke. Das Familienministerium sprach indes von einer „beispiellosen Aufholjagd“. Der Zuwachs betrage seit 2013 insgesamt 40,8 Prozent, der Anschluss an die westdeutschen Flächenländer sei geschafft.

 
 

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