300 deutsche Soldaten ziehen in Afghanistan ins Gefecht

Foto: ddp

Berlin. Die Bundeswehr geht in Afghanistan in die Offensive. 300 deutsche Soldaten haben im Norden des Landes gemeinsam mit örtlichen Sicherheitskräften eine Operation gegen die Taliban gestartet. Angeblich kommen scharfe Waffen aus der Luft zum Einsatz, Anfang der Woche wurden Zivilisten getötet.

Gemeinsam mit afghanischen Sicherheitskräften hat die Bundeswehr in Nordafghanistan eine Offensive gegen die radikalislamischen Taliban gestartet. An den Kämpfen im Raum Kundus im Norden Afghanistans seien rund 300 Bundeswehrsoldaten beteiligt, sagte Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan am Mittwoch in Berlin. Im Norden des Landes wurden bei Gefechten und einem Raketenangriff bis zu zwei Dutzend Menschen getötet.

Offensive unter afghanischer Führung

Schneiderhan hob ebenso wie Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hervor, dass diese «Detailoperation» nicht von Deutschland, sondern von den Afghanen geführt werde. Ob die Offensive wie geplant in einer Woche beendet werden könne, liege nicht in der Hand der Bundeswehr, sagte der Generalinspekteur. Ziel sei es, wieder «Kontrolle über den Raum» zu bekommen. Jung sagte, die Bundeswehr werde derzeit im Raum Kundus besonders herausgefordert und müsse «in ganz konkreten Kampfsituationen» bestehen.

Seit März hätten die Aufständischen ihre Taktik von reinen Sprengstoffanschlägen zu einem «eher militärischen Verhalten» geändert, sagte Schneiderhan. Deswegen müssten nun alle Möglichkeiten zur Abschreckung genutzt werden. Zeitlicher Hintergrund seien die bevorstehenden Wahlen in Afghanistan in rund einem Monat, erläuterte er. Demnach gehören zu den 300 eingesetzen Soldaten auch diejenigen, die im Lager in Kundus als Reserve bereitgehalten werden, falls die Lage weiter eskaliert. Von afghanischer Seite sind demnach 800 Soldaten und 100 Polizisten beteiligt.

Angeblich scharfe Waffen aus der Luft im Einsatz

Nach Informationen von «Spiegel Online» kamen bei der ISAF-Großoffensive erstmals scharfe Waffen aus der Luft zum Einsatz. Die Bundeswehr habe den Bundestag vertraulich unterrichtet, dass am Sonntag fünf mutmaßliche Taliban durch Bomben und Bordfeuer von ISAF-Kampfjets getötet worden seien.

Angesichts der Offensive forderte der Grünen-Verteidigungsexperte Winfried Nachtwei klarere Zielvorgaben für den Afghanistan-Einsatz. Die Politiker hätten das Ausmaß der Aufgabe dort unterschätzt, sagte er im ZDF. Linksfraktionschef Oskar Lafontaine verlangte den sofortigen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, sagte Handelsblatt.com, ein «Zurückweichen» führe weder zu einem Ende der Gewalt noch zu einer verminderten Terrorgefahr in Deutschland.

Zivilisten getötet

Bei einem Raketenangriff radikalislamischer Aufständischer wurden am Dienstag in der Provinz Kundus 14 Zivilisten «getötet oder verletzt», wie Provinzgouverneur Mohammed Omar am Mittwoch sagte. Örtliche Medien berichteten von elf getöteten Zivilisten. Im Schahar-Dara-Bezirk von Kundus wurden laut Omar ebenfalls am Dienstag 13 Aufständische bei Kämpfen mit einheimischen Truppen getötet. (afp)

 
 

EURE FAVORITEN