„3 nach 9“: Christian Wulff spricht über intimes Detail: „Habe den Vorteil, dass ...“

Ex-Bundespräsident Christian Wulff war zu Gast in der Talksshow „3 nach 9“.
Ex-Bundespräsident Christian Wulff war zu Gast in der Talksshow „3 nach 9“.

Man sieht ihn nur noch höchst selten in TV-Sendungen. Umso bemerkenswerter ist die Offenheit, mit der Christian Wulff jüngst im Talk „3 nach 9“ über sein Privatleben gesprochen hat.

Die „3 nach 9“-Moderatoren Giovanni di Lorenzo und Judith Rakers kamen recht schnell auf die derzeitige Lebenssituation des Ex-Bundespräsidenten zu sprechen.

>>> NDR: Spaziergängerin findet Leichenteile im Harz – „Morddeutschland“ zeigt spektakulären Kriminalfall

„3 nach 9“: Christian Wulff spricht offen

Moderatorin Judith Rakers fragte nach einem kurzen Dialog mit Helge Schneider über die Dating-App Tinder, wie es denn da um den Beziehungsstatus von Wulff bestellt sei. Wulff konterte: Tinder brauche er nicht. „Ich bin Single und habe ja den Vorteil, dass das alle wissen.“

„Sie sind Single. Aber nicht allein“, so Giovanni di Lorenzo. Wulff lebe ja jetzt in einer Männer-WG. Christian Wulff: „Es ist schön, als Bonusvater den 16-Jährigen zuhause zu haben. Der Elfjährige lebt auch bei mir.“

+++ Tagesschau: Panne bei Live-Sendung - plötzlich erscheint DAS im Bild +++

Christian Wulff: „Keiner sagt was, wenn wir mal drei Fußballspiele hintereinander gucken“

Den älteren Sohn hatte Ex-Frau Bettina Wulff mit in die Ehe gebracht, der jüngere ist das gemeinsame Kind der beiden. Beide Söhne könnten „jederzeit zur Mama“ gehen, seien im Männerhaushalt aber ganz glücklich. „Dazu kommen noch zwei Kater, da sind wir fünf Männer. Keiner sagt was, wenn wir mal drei Fußballspiele hintereinander gucken“, erzählte Christian Wulff.

------------

Christian Wulff

  • 1959 in Osnabrück geboren
  • Der CDU-Politiker war Ministerpräsident von Niedersachsen und von 2010 bis 2012 Bundespräsident
  • Nach der sogenannten Wulff-Affäre trat er 2012 zurück
  • 2008 ließ sich Christian Wulff von seiner Frau Christiane scheiden
  • Im selben Jahr heiratete er Bettina Wulff (geb. Körner), 2013 trennte sich das Paar
  • Ab 2015 lebten die Wulffs wieder zusammen, 2018 zerbracht die Beziehung erneut

------------

Eine Frage musste di Lorenzo dringend loswerden: „Sonst steht hier so ein weißer Elefant.“ Von November 2011 bis Februar 2012 habe Wulff eine schwere Zeit gehabt, sagte der „3 nach 9“-Moderator und spielte auf die sogenannte Wulff-Affäre an, die letztlich zum Rücktritt von Christian Wulff als Bundespräsident führte.

Unter anderem war es dabei um den Vorwurf der Vorteilsnahme gegangen, in einem Prozess war Wulff später freigesprochen worden. Christian Wulff soll damals vor Bekanntwerden versucht haben, Einfluss auf die Presse zu nehmen, was kritisiert wurde - ebenso wie Teile der Berichterstattung.

„3 nach 9“: „Das ist ein sehr private Frage“

„Sie haben selber auch Fehler gemacht, Ihnen ist aber auch übel mitgespielt worden“, sagte di Lorenzo und kommt auf eine intime Geschichte zu sprechen: „Sie haben am Atlantik gesessen und alle Namen derer, die Ihnen besonders zugesetzt haben, auf einen Zettel geschrieben. Unter anderem Kai Diekmann. Stimmt diese Geschichte?“

Christian Wulff antwortete nach kurzer Pause: „Das ist eine sehr private Frage. Man wünscht das niemandem, was ich durchgemacht habe und man braucht das nicht. Um das zu überleben, muss man sich Rat suchen von Therapeuten und guten Freunden.“

------------

3 nach 9

  • „3 nach 9“ ist die älteste bundesdeutsche TV-Talkshow
  • 1974 wurde sie erstmals ausgestrahlt
  • Seit 1983 moderiert sie Giovanni di Lorenzo, 2010 kam Judith Rakers dazu
  • Die Sendung läuft u.a. im NDR und verschiedenen dritten Programmen sowie in der ARD

------------

Einer habe ihm den Rat mit dem Zettel gegeben. „Bestimmte Vorgänge wickelt man in ein Papier ein und in diesem riesigen Atlantik bekommen die dann wieder die ihr zustehende Bedeutung. Und tatsächlich war dieses Papier in diesem riesigen Meer dann einfach weg. So gehen bestimmte Dinge auch von einem weg. Man muss gucken, dass man nicht in der Vergangenheit lebt.“

>>> Braunschweig: Frau geht zum Bäcker und wundert sich – „Es reicht!“

Doch nicht nur das Privatleben von Christian Wulff war Thema bei „3 nach 9“, es ging auch um die aktuelle Politik. Für Aufsehen hatte Christian Wulff seinerzeit mit dem Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ gesorgt. Vor allem aus rechten Kreisen hat Wulff dieser Satz viel Kritik bis hin zu Hassbotschaften eingebracht.

Christian Wulff: „Das ist erschütternd“

Inzwischen gebe es in Ostdeutschland keine öffentliche Veranstaltung mehr mit dem ehemaligen Bundespräsidenten. „Hätten Sie sich jemals vorstellen können, dass der Hass so groß werden könnte, dass man nicht öffentlich zu einer Veranstaltung mit Christian Wulff einladen kann?“

+++ „Anne Will“: Sendung zeigt das ganze Trauerspiel unserer Demokratie auf +++

Wulff: „Das ist eine ganz fürchterliche Entwicklung, die wir uns alle nicht hätten vorstellen können. Dass die Netzwerke der Rechtsextremen so eng gestrickt sind, dass die für Veranstalter so viel Angst ausstrahlen. Ich selber würde gerne irgendwo auf einem Marktplatz eine Rede halten, doch das scheint in den neuen Bundesländern von keinem Veranstalter mehr gewagt zu werden. Das ist erschütternd.“ (pen)

 
 

EURE FAVORITEN