2200 Menschen in NRW warten auf Organspenden

Die Zahl der Organspenden geht in NRW tendenziell zurück. Von Januar bis September 2016 wurden bei 121 Toten Organe entnommen, um anderen Patienten zu helfen – zwölf weniger als im Vorjahres-Zeitraum.

Essen.. Der Mangel an Spenderorganen für todkranke Menschen wird immer dramatischer. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will daher bei den Bürgern intensiv für Organspenden werben. „Die aktuellen Zahlen zeigen, dass sich verloren gegangenes Vertrauen nur langsam zurückgewinnen lässt“, sagte Gröhe zum Auftakt der Jahreskongresses der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). Vor einigen Jahren ließen Skandale bei der Vergabe von Organen die Spendebereitschaft drastisch einbrechen.

Bundesweit warten derzeit über 10.000 schwerkranke Patienten auf ein Spenderorgan, allein in NRW sind es etwa 2200. Nach Angaben von Experten sterben jährlich Hunderte Menschen, die auf der Warteliste stehen, weil es kein Organ für sie gibt. Bundesweit ist die Zahl der Organspender von 2010 bis 2013 nach aktuellen Zahlen der DSO um ein Drittel zurückgegangen von knapp 1300 Spendern auf 876. In den ersten zehn Monaten dieses Jahres registrierte die DSO noch 717 Organspenden, im gleichen Zeitraum des Vorjahrs waren es 736.

NRW-Gesundheitsministerin Steffens setzt auf bessere Aufklärung

Auch in NRW, das über rund 300 Entnahmekliniken verfügt, lässt sich dieser Abwärtstrend beobachten. 135 Organspenden wurden in diesem Jahr bis Oktober gezählt, im Vorjahreszeitraum waren es 148. Auch NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) setzt auf eine bessere Aufklärung der Bürger. „Jeder Mensch kann plötzlich auf eine Organspende angewiesen sein“, sagte Steffens gegenüber unserer Zeitung. Daher sei eine frühzeitige Auseinandersetzung mit dem Thema wichtig. Doch viele Menschen verdrängten das Thema, sagt Prof. Katrin Iven, Transplantationsbeauftragte des Uni-Klinikums Düsseldorf. „Wenn dann die Situation kommt, sind die Angehörigen meist überfordert.“ Um dem vorzubeugen, sollte jeder seine Entscheidung für oder gegen eine Spende dokumentieren müssen, etwa bei der Beantragung eines Passes.

Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery forderte mehr Geld für Operationen und Transplantationsbeauftragte in den Kliniken. Hier seien die Krankenkassen „noch ein großer Bremsklotz“. Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der SPD-Bundestagsfraktion, unterstützte Montgomery. „Aufwand und Kosten der Organspende werden unterschätzt“, sagte er unserer Zeitung. Man dürfe nicht am falschen Ende sparen. Eine „gelungene Transplantation spart sehr viel Geld und erspart langes Leid“.

 
 

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