17.500 Waffen in Deutschland gestohlen oder verschwunden

Der Verbleib Tausender Waffen in Deutschland ist nicht geklärt. Auch deshalb kommt aus der Politik nun der Ruf nach schärferen Vorschriften.
Der Verbleib Tausender Waffen in Deutschland ist nicht geklärt. Auch deshalb kommt aus der Politik nun der Ruf nach schärferen Vorschriften.
Foto: dpa
  • Mehr als 17.500 Waffen in Deutschland sind nicht bei ihren rechtmäßigen Besitzern
  • Grüne fordern schärfere Gesetze
  • Auch bislang erlaubnisfreie Waffen wie Schreckschusspistolen sollen zentral registriert werden

Berlin. Aktuell sind in Deutschland insgesamt mehr als 17.500 Waffen, für die ihre Besitzer einen Waffenschein brauchen, als gestohlen oder anderweitig abhandengekommen gemeldet. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Parlamentsanfrage hervor, die unserer Redaktion vorliegt.

Danach wurden zwischen dem 31. Januar 2015 und dem 31. Januar 2016 exakt 2495 sogenannte „erlaubnispflichtige Waffen“ von ihren Besitzern als gestohlen oder abhandengekommen gemeldet. 922 Waffen wurden laut dem Nationalen Waffenregister (NWR) gestohlen, 1573 kamen auf andere Weise abhanden.

Grüne: „In höchsten Maße beunruhigend“

Die Grüne-Innenexpertin Irene Mihalic bezeichnete die Zahlen als „in höchstem Maße beunruhigend“. Gerade in Zeiten, in denen es eine deutlich gestiegene Gefahr von Anschlägen durch Einzelne oder kleine Zellen wie den NSU oder gewaltbereite Islamisten gebe, müsse man diese Entwicklung sehr ernst nehmen, sagte sie unserer Redaktion. Vermutlich sei die tatsächliche Zahl der Waffen, die sich nicht mehr im Besitz des eingetragenen Eigentümers befinden, noch höher, sagte Mihalic.

Die Grünen-Politikerin forderte als Konsequenz eine Verschärfung des Waffengesetzes: „Wer eine Waffe klaut, darf die Munition nicht direkt im Schrank nebenan finden. Beides darf nicht gemeinsam in einer Immobilie gelagert werden.“

„Die Verharmlosung muss ein Ende haben“

Sie verlangte auch eine Prüfung, ob Waffenbesitzer in regelmäßigen Abständen den Nachweis über die Vollständigkeit der von ihnen gemeldeten Waffen erbringen müssen: „Wir brauchen ein klareres Bild des Waffenbestandes in Deutschland.“ Aktuell sind in Deutschland laut dem Papier aus dem Innenministerium 5,8 Millionen erlaubnispflichtige Waffen und erlaubnispflichtige wesentliche Teile von Schusswaffen registriert.

Zudem fordert die grüne Sicherheits-Expertin und gelernte Polizistin, dass auch registriert werden sollte, wer bisher erlaubnisfreie Waffen erwerbt und besitzt. „Etwa 75 Prozent der mit Waffen begangenen Straftaten werden mit Schreckschusspistolen, Pfefferspray und Co. durchgeführt“, sagte Mihalic.

Diese Waffen könne jeder erwerben, der älter als 18 Jahre alt sei. Sie schlägt vor, auch diese Waffen im NWR zu erfassen. „Waffe ist Waffe – die Verharmlosung der vom so genannten ,kleinen Waffenschein‘ erfassten Typen muss endlich ein Ende finden.“ 2015 wurden laut Bundesinnenministerium von 426 Straftaten nach dem Strafgesetzbuch 305 mit erlaubnisfreien Waffen begangen – 22 mit legalen und 99 mit illegalen Waffen. (gau)