12.000 Fälle von Kindesmissbrauch - Opfer warten auf Hilfe

Julia Emmrich
Zehntausende Kinder und Jugendliche werden jedes Jahr Opfer von sexuellen Übergriffen. Wirksamer Schutz vor Kindesmissbrauch kann noch immer nicht gewährleistet werden, informiert der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung - und auch in Bezug auf staatliche Hilfe muss sich einiges tun.

Berlin. Die Täter warten auf der Schultoilette, in der Umkleidekabine – oder zu Hause: Noch immer werden jedes Jahr Zehntausende Kinder und Jugendliche Opfer sexuellen Missbrauchs. „Wir sind weit davon entfernt, die 13 Millionen Kinder und Jugendliche wirksam zu schützen“, so der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig. Trotz der jahrelangen Debatte gehen die Fallzahlen nicht zurück.

Rund 12.500 Fälle von Kindesmissbrauch verzeichnet die Kriminalstatistik für 2012, in den Jahren zuvor lag die Zahl ähnlich hoch. Experten schätzen die Dunkelziffer deutlich höher. Rörig warnt: „Der Skandal besteht fort. Die Politik darf keinen Schlussstrich unter das Thema ziehen.

Die Sorge ist berechtigt: Mit der Bundestagswahl endet die Arbeit des Missbrauchsbeauftragten. Während sich Grüne und FDP ausdrücklich für ein solches Amt stark machen, vermisst Rörig bei CDU und SPD ein solches Signal.

Warten auf versprochene Hilfe

Die Missbrauchsopfer warten weiter auf längst versprochene Hilfen: Menschen, die in privaten oder öffentlichen Einrichtungen missbraucht wurden, werden seit mittlerweile zwei Jahren vertröstet, weil sich die 13 Dachverbände der betroffenen Träger – darunter die Kirchen, Awo, Caritas und Diakonie – nicht auf einen Hilfspakt einigen können.

Enttäuscht ist Rörig von den Ländern: Mit Ausnahme Mecklenburg-Vorpommerns weigern sie sich, den Hilfsfonds für Opfer familiären Missbrauchs zu unterstützen. Die Bundesregierung hat bereits 50 Millionen Euro eingezahlt. Und die Expertenforderung nach Stärkung der Beratungsstellen für die Opfer? „Leider vergeblich“, sagt Rörig.

Schleppend verlaufen auch die Schutzmaßnahmen in Kitas, Kinderheimen, Schulen und Kliniken, Gemeinden und Sportvereinen. Während Heime und Internate vergleichsweise weit seien, kritisiert Rörig, dass „nur wenige Einrichtungen überhaupt die Risiken analysieren“.