1,7 Millionen Kinder in Deutschland sind armutsgefährdet

2015 lebten sogar 3,3 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in einem Haushalt, der sich keine Urlaubsreise leisten kann.
2015 lebten sogar 3,3 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in einem Haushalt, der sich keine Urlaubsreise leisten kann.
Foto: Peter Kneffel / dpa
Sie können sich nicht mal Urlaub leisten: Millionen Kinder leben in Haushalten, die armutsgefährdet sind. Für die Linke „beschämend“.

Berlin.  Mehr als jedes siebte Kind in Deutschland ist armutsgefährdet. Insgesamt 1,7 Millionen Kinder unter 16 Jahren leben in einem Haushalt, dessen Einkommen unter der sogenannten Armutsgefährdungsschwelle liegt. Das geht aus Daten des Europäischen Statistikamtes Eurostat hervor, die die Linke-Fraktionsvize Sabine Zimmermann ausgewertet hat und die dieser Redaktion vorliegen.

Als armutsgefährdet gelten laut Statistik Haushalte, deren gesamtes Einkommen weniger als 60 Prozent des Median-Einkommens betrug. Laut Eurostat traf dies in Deutschland im Jahr 2015 für 14,6 Prozent der unter 16-Jährigen zu.

Im Jahr 2006 hatte die Zahl der armutsgefährdeten Kinder mit 1,5 Millionen noch deutlich niedriger gelegen, ihren Höchststand aber mit rund 1,8 Millionen im Jahr 2011 erreicht.

Linke-Fraktionsvize fordert Kindergrundsicherung

Nach einer Sonderauswertung von Eurostat sind noch weit mehr Kinder von finanziellen Engpässen ihrer Eltern betroffen: So lebten 2015 etwa 3,3 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in einem Haushalt, der sich keine Urlaubsreise leisten kann – immerhin ein Anteil von 22,6 Prozent in dieser Altersgruppe.

Und etwa fünf Millionen der unter 18-Jährigen lebten in einem Haushalt, der Schwierigkeiten hatte, unerwartete Ausgaben aus eigenen Mitteln zu bestreiten. Zimmermann nannte es „beschämend, dass so viele Kinder von finanziellen Problemen und Einschränkungen betroffen sind“. Die Linke-Fraktionsvize sagte dieser Redaktion: „Die Bundesregierung muss endlich ein Konzept gegen Kinderarmut vorlegen, verharrt aber in Untätigkeit.“

Zimmermann verlangte, die Leistungen für Kinder zu erhöhen und eine eigenständige Kindergrundsicherung einzuführen. „Genau betrachtet geht es beim Thema Kinderarmut nicht unmittelbar um die Armut der Kinder, sondern um die Armut ihrer Eltern und deren Auswirkungen auf die Kinder“, sagte die Fraktionsvize. (ck)

 
 

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