Kein Alkohol in der Sonne? Die größten Hitze-Irrtümer

Hitzewelle: So gefährlich ist die Wärme für den Körper wirklich

Hitzewelle: Wie gefährlich sind die hohen Temperaturen? Das hat Reporter Karsten Kammholz die Chefin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gefragt. Dr. Heidrun Thaiss gibt Tipps für den Alltag.

Hitzewelle: Wie gefährlich sind die hohen Temperaturen? Das hat Reporter Karsten Kammholz die Chefin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gefragt. Dr. Heidrun Thaiss gibt Tipps für den Alltag.

Beschreibung anzeigen
Mittags ist es am heißesten, Zugluft führt zu Erkältungen: Es kursieren viele Irrtümer zum Wetter und Umgang mit Hitze. Ein Überblick.

Berlin.  Die Hitzwelle ist noch nicht überstanden. Noch immer herrschen fast überall in Deutschland Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke. Zum Wochenende werden zwar Gewitter erwartet – aber auch die bringen, wenn überhaupt, nur wenig Abkühlung.

Doch wie kühlt man sich bei den heißen Temperaturen eigentlich am besten ab? So viel trinken wie es nur geht, eiskalt duschen und zur Mittagszeit die Sonne meiden: Vermeintliche Experten decken einen im Sommer schnell mal mit guten Ratschläge gegen die Hitze ein.

Hinter vielen der Wettertipps verbergen sich allerdings Mythen. Der Wettermoderator Jörg Kachelmann warnt sogar, dass falsche Tipps Leben kosten könnten. Wir klären auf.

1. Irrtum: Mittagshitze

Die Temperaturen klettern auch nach der Mittagszeit noch weiter in die Höhe. Moderator Kachelmann keilt gegen das Märchen von der Mittagshitze: „Zu bildungsfern, um zu wissen, dass die Höchsttemperaturen im Hochsommer zwischen 17 und 18 Uhr stattfindet und es mittags 5 bis 10 Grad kühler ist“, schreibt er auf Twitter.

„Das liegt zum einen daran, dass der Sonnenhöchststand in Mitteleuropa nicht mittags, sondern am frühen Nachmittag ist. Zum anderen heizt die Sonne auch nach dem Höchststand den Boden noch weiter auf – und damit kommen wir zum dritten Grund: Die Luft erwärmt sich immer vom Boden aus“, so Kachelmann in einem Blogbeitrag.

2. Irrtum: So viel trinken wie möglich

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät dazu, 1,5 Liter Flüssigkeit über den Tag verteilt zu trinken – aber es ist nicht egal, was man trinkt. Ideale Durstlöscher sind laut DGE ungezuckerte Kräuter- und Früchtetees und Saftschorlen. Bei großer Hitze kann ein halber Liter Wasser pro Stunde zusätzlich nötig sein. Das Deutsche Rote Kreuz ist etwas konservativer in seiner Aussage: Es rät, jeden Tag mindestens einen Liter mehr zu trinken als sonst.

3. Irrtum: Eiskalt duschen

Auch wenn es verlockend erscheint: Der Sprung unter die eiskalte Dusche ist nicht gerade förderlich. Das kalte Wasser führt dazu, dass sich die Gefäße erst einmal zusammenziehen, damit der Körper die Wärme besser speichert: Der Kreislauf ist durch den „Kälte-Schock“ angeregt, der Blutdruck steigt – und in der Folge schwitzt man umso mehr.

4. Irrtum: Alkohol ist tabu

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung warnt: „Wenn die Sonne brennt, wirkt Alkohol im Körper schneller und intensiver. Besonders an heißen Tagen kann zu viel Alkohol zu Kreislaufproblemen oder sogar bis zur Bewusstlosigkeit führen.“

Doch in Maßen ist Alkohol durchaus erlaubt. Ein Radler am Abend muss sich niemand verkneifen, sagte Ernährungsexperte Michael Pagelsdorf der WAZ. Aber: Man sollte pro halbem Liter Radler einen halben Liter Wasser dazu trinken – oder Wein gleich als Schorle. Denn tatsächlich entzieht Alkohol dem Körper Wasser. Bei Wein können sich Männer am Richtwert von 0,3 Litern Wein orientieren, Frauen sollten hingegen nicht mehr als 0,2 Liter Wein trinken.

5. Irrtum: Zugluft verursacht Erkrankungen

Sind offene Fenster und Durchzug wirklich eine so große Gefahr? Moderator Kachelmann wettert gegen die „Durchzugslüge“. Und findet dabei drastische Worte: „Die meisten Medien verbreiten durch Dummheit, Ignoranz und Zynismus Aberglauben aus dem Mittelalter und sind mitschuldig, wenn alte Menschen durch Hitze sterben“, poltert er auf Twitter.

Tatsächlich verursacht Zugluft nicht direkt Schnupfen, Grippe oder Schlimmeres. Aber: „Ein dauerhafter Luftstrom kann auf feuchter Haut zu Verdunstungskälte führen“, sagt Professor Ulrich Böhling, Chefarzt der Abteilung Orthopädie an der Schlosspark Klinik in Berlin.

Muskelpartien im Nacken- und Halsbereich, die nah unter der Haut liegen, gerieten durch Auskühlung ins Ungleichgewicht. „Die Folge sind Muskelverspannungsschmerzen: Sie verursachen Beschwerden, die wir landläufig als steifen Nacken oder als steifen Hals bezeichnen. Auch Kopfschmerz kann auftreten“, so der Fachmann. Eine massive Gesundheitsgefahr besteht durch Zugluft aber sicherlich nicht.

Hitzewelle in Europa

Derzeit rollt eine Hitzewelle über Deutschland und Europa. Experten sehen den Klimawandel als Ursache für die dauerhaft hohen Temperaturen an. Bei Waldbränden wurden in der Nähe von Athen mindestens 70 Menschen getötet. Auch in Schweden wüten Brände, bei der die Feuerwehr sogar aus Deutschland unterstützt wird. Hier zeigen wir, was bei erhöhter Waldbrandgefahr zu beachten ist.

Nicht nur Menschen leiden unter der Hitze: Auch Tieren wie Eichhörnchen oder Igeln macht die Sommerhitze zu schaffen. Was Haustieren wie Hunden und Katzen bei der Hitze hilft, haben wir hier aufgelistet. Und noch etwas bringt die Hitze mit: Nach der langen Trockenheit kommen jetzt die Mücken. (les/bekö)

 
 

EURE FAVORITEN

Warum sich die Polizei bei Fahndungen nicht direkt an die Öffentlichkeit wendet

Öffentlichkeitsfahndungen: Annika Koenig, Sprecherin der Polizei Essen, erklärt unter welchen Umständen die Polizei sich bei der Suche nach Tatverdächtigen oder Vermissten an die Bürger wendet.
Mi, 19.09.2018, 16.32 Uhr

Öffentlichkeitsfahndungen: Annika Koenig, Sprecherin der Polizei Essen, erklärt unter welchen Umständen die Polizei sich bei der Suche nach Tatverdächtigen oder Vermissten an die Bürger wendet.

Beschreibung anzeigen