ZDF-Krimi "Die Toten vom Bodensee" nur solider Durchschnitt

Das deutsch-österreichische Team Zeiler (Nora von Waldstätten) und Oberländer (Matthias Koeberlin).
Das deutsch-österreichische Team Zeiler (Nora von Waldstätten) und Oberländer (Matthias Koeberlin).
Foto: Hubert Mican / ZDF
Es geht immer weiter mit den TV-Ermittlungen: Diesmal zeigt das ZDF "Die Toten vom Bodensee" - ein Film, völlig unterworfen der berechenbaren Dramaturgie des deutschen Durchschnitts. Ermittler aus dem Baukasten, Mini-Rückblenden und ein trivialer beginnender Fall: recht solide, aber mehr nicht.

Essen.. Keltische Totenmasken neben den Leichen, Fluch der Götter, wie ein Zeuge stammelt, oder einfach nur Aberglaube? Wer glaubt, ein deutscher Montagabend-Krimi würde sich mal aufs Terrain amerikanischer Mystery Thriller begeben, der glaubt auch an strafende Gottheiten, die aus dem Schlaf geweckt wurden, um nervende Menschen aufzuknüpfen. Nein, Andreas Linkes Film „Die Toten vom Bodensee“ (ZDF, 20.15 Uhr) ist der berechenbaren Dramaturgie des deutschen Durchschnittskrimis unterworfen, und da sind die Täter nun mal aus Fleisch und Blut.

Die Ermittler aus dem Drehbuchbaukasten sind auch gern wie Hund und Katz’, das kennt man zur Genüge, und das sind sie auch in dieser deutsch-österreichischen Koproduktion. Matthias Koeberlin gibt den sympathisch erdverbundenen Familienvater mit freistehendem Haus direkt am Bodensee (was verdienen eigentlich unsere Polizisten?!) und Nora von Waldstätten eine Bregenzer Kollegin, die in ihrer Coolness und Soziophobie so überzeichnet ist, dass man kaum hinsehen mag. Eine Mini-Rückblende signalisiert, dass die junge Polizistin bei einem Bootsunfall einst ihren Vater verlor – aber muss man sich deswegen wie eine Karikatur aufführen? Aus dem vermeintlich spannenden Aufeinanderprallen solch unterschiedlicher Charaktere weiß der Film keine Funken zu schlagen, weil man diese Hannah Zeiler nicht ernst nimmt.

Das Drehbuch legtallerlei Spuren

Die Masken, mit denen der Film einsteigt, wurden, ohne Hokuspokus, also ganz trivial, aus einem Museum gestohlen. Die Ermittlungen führen zu einem wohlhabenden Ehepaar, der Mann (Stephan Kampwirth) hatte offenbar vor 20 Jahren im Wald ein keltisches Grab entdeckt, der Tote, den die Polizei in den Überresten eines explodierten Bootes findet, war sein Bruder.

Das Drehbuch von Thorsten Wettcke legt einigermaßen gekonnt allerlei Spuren, auch in die Vergangenheit. Etwa zeitgleich zum Grabfund stürzte ein Wanderer in eine Felsspalte und starb, sein Sohn (Ludwig Blochberger) überlebte schwerverletzt. Wurde damals bei der Polizei etwas vertuscht, fragt der Film unterschwellig. Und hat der Grabfinder womöglich ein Verhältnis mit der Freundin (Marie Leuenberger) seines getöteten Bruders? Motive, wohin man blickt, nun ja.

Das alles ist recht solide in Szene gesetzt ohne jemals raffiniert zu wirken, nicht nur, weil man doch früh ahnt, wie die Geschichte tickt. Ein weiterer Krimi eben, und ohne den scheint der Fernsehzuschauer in Deutschland ja nicht mehr ins Bett zu wollen. Mit Blick auf die Quoten wird sich das ZDF wohl auch hier bestätigt sehen. Und den nächsten Krimi in Auftrag geben.

 
 

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