Zahl der Toten im Luftverkehr hat sich fast vervierfacht

Flug MH17 stürzte wahrscheinlich nach Raketenbeschuss in der Ukraine ab. An Bord: 298 Menschen.
Flug MH17 stürzte wahrscheinlich nach Raketenbeschuss in der Ukraine ab. An Bord: 298 Menschen.
Foto: Getty Images
Die Zahl der Todesopfer im Flugverkehr hat sich gegenüber 2013 vervierfacht. Schuld daran ist eine Reihe von Unglücken, angefangen mit Flug MH370.

Hannover.. Flugangst hin oder her, bisher galt das Flugzeug als eines der sichersten Transportmittel weltweit, wenn nicht als der sicherste Weg, um von A nach B zu gelangen – statistisch gesehen. 2013 gab es gar einen Tiefststand bei den Toten im Luftverkehr. 2014 kippte der Trend. Die Zahl der Toten hat sich vervierfacht. Schuld daran ist eine spektakuläre Unglückskette im vergangenen Jahr.

Die Unfallbilanz des Hamburger Flugunfallbüros „Jet Airliner Crash Data Evaluation Centre“ (JACDEC) zählt weltweit insgesamt 970 Tote in der Verkehrsfliegerei – 2013 verunglückten 251 Menschen am Himmel. „Dies ist der zweithöchste Wert im Zehnjahresvergleich“, betont JACDEC-Mitbegründer Jan-Arwed Richter.

Fliegen ist trotz allem sehr sicher

Das ebenfalls auf Flugunfälle spezialisierte Aviation Safety Network (ASN) nennt das Jahr 2014 trotzdem als eines der sichersten der Geschichte, schließlich verteile sich die hohe Opferzahl auf insgesamt 33 Millionen Flüge weltweit. Auf 4,1 Millionen Flüge, rechnen die ASN-Analytiker weiter, kommt also ein tödlich verunglückter Passagier.

Nicht einen Unfall mit mehr als 100 Toten gab es 2013 – und nun verhageln auf einmal drei große Unglücke den jahrelangen Trend sinkender Opferzahlen. Was noch schlimmer wiegt: In keinem Fall sind offiziell bisher die genauen Umstände bekannt.

Zwei Katastrophen trafen Malaysia Airlines

Gleich zwei Katastrophen trafen die Fluggesellschaft Malaysia Airlines. Flug MH370 verschwand im März 2014 mit 239 Menschen an Bord – die Maschine ist bis heute verschollen. Flug MH17 stürzte wahrscheinlich nach Raketenbeschuss in der Ukraine ab. An Bord: 298 Menschen. Kurz vor Jahresende stürzte in Indonesien eine AirAsia-Maschine mit 162 Menschen in die Javasee.

Die Unfälle wirbelten auch die JACDEC-Sicherheitsliste der 60 größten Fluggesellschaften durcheinander. Malaysia Airlines fiel von Platz 34 auf 57. Während die Lufthansa ihren zwölften Platz behauptete, rückte Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin vom 26. auf den 20. Platz vor.

Deutlich mehr Tote im Straßenverkehr

Trotz des Krisenjahres bleibt das Flugzeug das sicherste Verkehrsmittel weltweit, das bestätigen auch die Zahlen der Verkehrstoten auf den Straßen weltweit: Der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge sterben jährlich rund 1,24 Millionen Menschen bei Verkehrsunfällen. Dabei fordert der Straßenverkehr nicht nur Autofahrer – die Hälfte der Verunglückten waren auf dem Motorrad (23%), zu Fuß (22%) oder auf dem Fahrrad (5%) unterwegs.

In Deutschland lag die Zahl der Verkehrstoten 2014 bei rund 3350 (2013: 3339), das heißt, pro Tag starben neun Menschen.

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