Corona: Nasenspray gegen das Virus? Forscher arbeiten dran – doch es gibt einen Haken

Nicht nur Corona: das waren die größten Epidemien der Menschheit
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Corona-Impfung per Nasenspray?

Klingt abgefahren, ist aber längst kein Hokuspokus. Denn weltweit arbeiten Forscher an Möglichkeiten, wie ein Corona-Impfstoff in Zukunft nasal, also durch die Nase, wie ein „normales“ Nasenspray verabreicht werden könnte.

Corona-Impfung per Nasenspray? Forscher arbeiten dran

Während das Mainzer Unternehmen BionTech am Freitag als erste einen Impfstoff per Notfallzulassung in den USA anmeldete, arbeiten Wissenschaftler in Tübingen bereits an einem Corona-Impfstoff per Nasenspray.

Deutschlands Top-Virologe Christian Drosten hatte jüngst im täglichen NDR-Podcast angemerkt, das sei genau „was wir uns wünschen würden“: Impfstoffe, „die die Schleimhäute auch schützen“ und die „dort das spezielle Immunsystem mit stimulieren, sodass irgendwann jemand, wenn er eine ganze Ladung Virus in die Nase einatmet, gar nicht mehr infiziert wird“. Dadurch werde das Virus in der Nase abgefangen und neutralisiert.

Das zu erreichen, daran arbeitet Ulrich Lauer, Leiter der Forschergruppe Virotherapie an der Medizinischen Klinik VIII der Universität Tübingen. Er und sein Team gehen der Frage nach, ob eine nasale Impfung gegen das Coronavirus einen umfassenden Schutz bietet und ausreichen kann.

Nicht nur bei Corona ein Thema

Dabei geht es Lauer längst nicht nur um das Coronavirus. „Sollten weitere Pandemien kommen, nehmen wir vom jeweiligen neuen Virus – im aktuellen Fall vom SARS-CoV-2-Coronavirus – ein Bruchstück heraus, das bei uns Menschen starke und breite Immun-Antworten auslöst. Dieses Bruchstück bauen wir dann in unsere speziell zur Pandemie-Bekämpfung vorgehaltene Vektor-Plattform ein, die aus einem für Menschen unschädlichem Impfvirus, dem sogenannten Sendai-Virus, besteht“, sagte der Experte dem „Westfälischen Anzeiger“.

„Nach Verimpfung werden dann Antikörper gebildet, die die angreifenden Pandemie-Viren sofort neutralisieren und damit bereits in den Atemwegen unschädlich machen. Zusätzlich werden auch unsere Abwehrzellen spezifisch auf den Angreifer ausgerichtet“.

Corona-Impfstoff: Geldgeber fehlen

Problem für Lauer und sein Team: Es mangelt an Geldgebern, auch weil bei dem Projekt zum Teil Gentechnik zum Einsatz kommt. „Wenn das Geld in ausreichender Menge kommt, ist es ein Selbstläufer.“ Im besten Fall rechnet er mit einer Zulassung in drei Jahren.

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Doch nicht nur in Deutschland, auch in den USA wird bereits am Nasenspray gegen Corona geforscht. Problem auch hier: Keines der Sprays ist bislang ausgiebig am Menschen getestet und daher eine Markteinführung kurzfristig unwahrscheinlich.

Wissenschaftler der Universität Birmingham haben dagegen bereits ein Nasenspray gegen Covid-19 entwickelt, das zumindest aus Bestandteilen besteht, die bereits für die Verwendung beim Menschen freigegeben wurden.

Corona: Forscher aus Birmingham schon ein Stück weiter

Das Spray der Birminghamer Forscher besteht zum einem aus dem Wirkstoff Carrageen, der aus Rotalgen extrahiert und üblicherweise in Lebensmitteln als Verdickungsmittel verwendet wird. Der Wirkstoff soll sich wie eine Art Schutzschicht auf die Nasenschleimhaut legen und könnte so die Krankheitsübertragung erheblich verringern, berichtet „Bild“.

Besonders nützlich wäre es dann überall dort, wo viele Menschen nah bei einander sind, etwa im Flugzeug oder in Klassenzimmern.

„Tragen von Masken und das Händewaschen weiterhin von entscheidender Bedeutung“

Wer jetzt gehofft hatte, dass er bald seine Mund-Nasen-Bedeckung zuhause lassen kann, denn muss Dr. Richard Moakes vom Forscherteam enttäuschen: „Produkte wie diese ersetzen keine bestehenden Maßnahmen wie das Tragen von Masken und das Händewaschen, die weiterhin von entscheidender Bedeutung sind, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Mit diesem Spray wird jedoch eine zweite Schutzschicht hinzugefügt, um die Übertragung von Viren zu verhindern und zu verlangsamen.“ (ms)

 
 

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