"Wir sind NRW!"-Reihe zeigt Westfalens wilden Süden

Nacktwanderer mit Filmemacher: Die Sendung überrascht mit verblüffenden Bildern.
Nacktwanderer mit Filmemacher: Die Sendung überrascht mit verblüffenden Bildern.
Foto: WDR
Der WDR hat seine Reihe „Wir sind NRW!“ neu aufgelegt und den Filmemacher und Autor auf fünf Touren zu den Menschen geschickt . An diesem Freitag lädt „Wir sind NRW“ ein zu einer überraschend spannenden Reise ins Siegerland.

Essen.. „Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht“, sagt Christian Dassel. So ganz stimmt diese Aussage nicht. Denn bei seinem Ausflug in „ Westfalens wilden Süden“ spielt der Wald eine tragende Rolle. Der WDR hat seine Reihe „Wir sind NRW!“ (WDR, heute, 20.15 Uhr) neu aufgelegt und den Filmemacher und Autor auf fünf Touren zu den Menschen geschickt . Von Aachen bis Wuppertal, von der Lippe bis zur Ruhr forscht er nach dem Heimatgefühl, stellt skurrile Vorlieben, verrückte Hobbys und alltägliche Berufe vor. Schaut aufs Heute und konfrontiert den Betrachter mit dem Gestern.

Was ein wenig banal klingt, entpuppt sich als durchaus spannende Unterhaltung. Zum Auftakt im Siegerland, dem „ehemals verkehrsfernen Land hinter den Bergen“ schlendert Dassel mit den Nacktwanderern am Rothaarsteig . „Man braucht nicht viel dazu, nur Schwung und feste Schuh...“, sagt Helmut Schulze.

Puristen begegnen "Textilträgern"

Die beschworene „ungestörte Einsamkeit“ finden die Puristen auf ihrer Strecke zwar nicht, weil sie immer wieder „Textilträgern“ begegnen. Aber ohne Witz ist die Szenerie nicht. Vor allem, wenn Dassel das Bild aufteilt: unten nackte Füße und oben die verhüllte Damen-Wanderriege aus den 50er Jahren. Bilder­stark kommen die Beiträge von Dassel herüber: Geballte Natur, bilderbuch-reife Sonnenaufgänge, Nebel, die über die Hügel wabern. Und immer wieder der Blick zurück in die Vergangenheit einer Region, die mit dem Strukturwandel genauso zu kämpfen hat wie das Ruhrgebiet.

Wobei Dassel bei der Folge über die Region zwischen Rhein und Ruhr weniger die Industriegeschichte interessiert als die Migrationsgeschichte. Er besucht Griechen, Bulgaren, Polen, Italiener und natürlich Türken. Auf seiner „multikulti Weltreise“ will er ergründen, ob man sich näher kommt oder eher fremd bleibt. Das Bild, was er zu entdecken glaubt, ist sicherlich etwas romantischer als der Alltag: ob beim Einbürgerungstest in Bochum, bei der jüdischen Gemeinde in Gelsenkirchen oder in einer Kleingarten-Anlage in Dortmund. Dennoch vermittelt Dassel ein Bild, das ermuntern könnte: Vielfalt tut gut. [kein Linktext vorhanden]

 
 

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