Wind, Regen, Graupel - Schmuddelwetter zum Frühlingsbeginn

Kapuze festzurren - die neue Woche startet noch mal ungemütlich.
Kapuze festzurren - die neue Woche startet noch mal ungemütlich.
Foto: dpa
Viel Wind und Regen gleich in der ersten Märzwoche. Der Frühling legt in diesem Jahr keinen tollen Start hin. Frühlingsgefühle sind trotzdem drin.

Essen.. An manchen Tagen im Februar konnte man ihn schon riechen oder dank einiger Sonnenstrahlen auch spüren: den Frühling. An diesem Sonntag, 1. März, ist offiziell Frühlingsanfang - aber nur aus meteorologischer Sicht. Kalendarisch gesehen beginnt er erst am 20. März.

Dann kann man die dicke Winterjacke zu Hause lassen, schon mal ein Eis essen oder es sich mit einem Buch auf dem Balkon bequem machen. In Karlsruhe hat das erste Freibad geöffnet - allerdings mit einer Wassertemperatur von 28 Grad. Aber können wir uns schon jetzt auf ein paar warme Tage freuen?

Meteorologe Jürgen Weiß vom Wetterdienst MeteoGroup in Bochum muss die Hoffnungen trüben. "Frühlingswetter gibt es in den nächsten Tagen definitiv noch nicht." In der ersten Märzwoche müssten wir mit viel Wind und Graupelschauern rechnen. Die Temperaturen würden bei fünf bis acht Grad liegen. Auch Frost und eventuell sogar Schnee müsse man einplanen. "Die Erfahrung hat gezeigt, dass es in der Regel erst in der zweiten Märzhälfte wärmer und sonniger wird", sagt Jürgen Weiß.

Februar war etwas kühler als gewöhnlich

Ein Rückblick auf den Winter: Der war komplett durchschnittlich. "Befürchtungen, dass es immer wärmer wird, brauchen wir nicht zu haben. Das ist Unsinn", sagt Meteorologe Jürgen Weiß. Der Februar sei nach Messungen in Düsseldorf etwas kühler als gewöhnlich gewesen, es habe 80 Sonnenstunden gegeben. Der Januar sei nur ein bisschen zu mild und etwas feuchter gewesen. Auf Sonne hätten wir im Dezember oft verzichten müssen. Man sei nur auf maue 20 Stunden gekommen.

Prognosen für die kommenden Monate kann er aber noch nicht geben - auch wenn man sich die vielleicht schon jetzt wünscht. Spekulationen machten keinen Sinn. Im vergangenen Jahr sei es aber schon im März zügig warm geworden. Vielleicht gelingt das nach einem regnerischen Start in den Frühling ja doch noch.

Menschen im Frühling

"Das Entscheidende ist das Licht. Die Tage werden länger, die Nächte kürzer", sagt der Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (Hormon-Lehre), Helmut Schatz. Das Licht unterdrücke das Schlafhormon Melatonin. Die Menge verringere sich, wenn die Nächte kürzer würden. Und wir fühlen uns frischer und sind aktiver.

Und woher kommen die so genannten Frühlingsgefühle? "Es sind nicht die Geschlechtshormone, die im Frühling das Turteln bewirken, sondern es ist ein ganzes Potpourri von Ursachen", erklärt Schatz. Hellere Farben, optische Reize, Gerüche. Wenn der Schnee schmelze und Erde vermodertes Gras freigebe, bemerke der Mensch das Neue und Frische.

Bei einigen wenigen Menschen kann von Erwachen allerdings nicht die Rede sein: "Wenn Sie angeblich eine Frühjahrsmüdigkeit haben, kann das oft eine sogenannte larvierte, also verdeckte Depression sein", sagt Schatz. Im Einzelfall könnte es zwar durchaus eine solche Frühjahrsmüdigkeit geben - "aber nur für etwa eine Woche, eventuell infolge eines Melatonin-Überhanges noch aus der dunkleren Zeit".

Eine Pollen-Allergie kann die Freude auf den Frühling etwas trüben. Jedem, der von seiner Allergie weiß, empfiehlt Ökotrophologin Sonja Lämmel vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB), frühzeitig Medikamente einzunehmen, sogenannte Antihistaminika. Wer Heuschnupfen hat und sich nicht schützt, kann sogar Asthma bekommen. "Betroffene müssen nicht schon drei Wochen vor dem ersten Pollenflug Medikamente nehmen", sagt Lämmel. Aber sie sollten damit beginnen, wenn sich der erste Pollenflug abzeichnet.

Tiere und Pflanzen im Frühling

"Die ersten Störche sind wieder im Lande, Kraniche und Gänse sind sicht- und hörbar, wie Julian Heiermann, Zoologe beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu), erläutert. Tiere insgesamt würden jetzt aktiver - "um einen potenziellen Paarungspartner ausfindig zu machen, aber auch, um lästige Konkurrenten loszuwerden".

Schneeglöckchen und Krokus kennt wohl jeder. Früh dran im Jahr sind aber zum Beispiel auch das Frühlingshungerblümchen und der Dreifinger-Steinbrech, wie Thomas Janßen erläutert. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Biologie der Humboldt-Universität in Berlin.

Einerseits sorgen Vorgänge im Inneren der Pflanze dafür, dass sich Blüten bilden. Auf der anderen Seite kommen Umwelteinflüsse wie Licht und Temperatur hinzu. "Viele Pflanzen benötigen eine gewisse Tageslänge, das heißt eine bestimmte Lichtintensität über einen gewissen Zeitraum pro Tag, um blühen zu können." Das Frühjahr bietet dafür gute Voraussetzungen. (mit dpa)

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