Wie man es Daten-Schnüfflern im Web etwas schwerer macht

"Alles, was Oma nicht wissen darf, sollte auch nicht in sozialen Netzwerken stehen", rät Datenschutz-Experte Christoph Schäfer.
"Alles, was Oma nicht wissen darf, sollte auch nicht in sozialen Netzwerken stehen", rät Datenschutz-Experte Christoph Schäfer.
Foto: dpa
Der Amerikaner Edward Snowden hat durch seine NSA-Enthüllungen einmal mehr eine Datenschutz-Debatte losgetreten. IT-Sicherheits-Experte Christoph Schäfer rät: Auch "Otto Normalnutzer" sollten vorsichtig im Umgang mit persönlichen Informationen sein. Wie Sie sich beim Surfen vor Big Brother schützen können.

Essen.. Nachdem der 29-jährige Amerikaner Edward Snowdon die beachtliche Datensammlung des britischen und des US-Geheimdienstes enthüllt hat, werden weltweit Forderungen nach besserem Datenschutz laut. Dabei dürfte es keinen mehr überraschen, dass unsere persönlichen Informationen im Netz alles andere als sicher sind. Die tatsächliche Tragweite der privaten Angaben bei Facebook, Google und Co. können viele Nutzer dennoch nur erahnen. Datenschutz-Experte Christoph Schäfer formuliert das so: "Sobald ich den PC anschalte, sitze ich nicht mehr im Wohnzimmer, sondern öffne mich der Welt."

Deshalb empfiehlt der Fachmann für IT-Sicherheit, zur Waffe Nummer eins gegen Datenmissbrauch zu greifen: dem gesunden Menschenverstand. Was floskelhaft klingt, missachtet laut Schäfer noch immer eine Vielzahl der Nutzer. Vor allem Mitgliedern sozialer Netzwerke legt der Experte eine Vorgehensweise nahe, die er lapidar das "Oma-Prinzip" nennt: "Alles, was Oma nicht wissen darf, sollte man auch nicht ins Internet stellen." Gemeint seien nicht nur Bikini-Fotos aus dem letzten Urlaub, sondern auch die virtuellen "Stammtisch-Gespräche". "Jeder, der online über seinen Chef herzieht, muss davon ausgehen, dass der Vorgesetzte das erfährt." Präzedenzfälle, bei denen ein Mitarbeiter nach Lästerattacken ihre Arbeitsplatz verloren, gibt es viele.

Viele Firmen haben es auf Daten der "Otto Normalnutzer" abgesehen

Nicht nur im Privatleben oder im Arbeitsumfeld vermutet Schäfer Datenfallen, die für jedermann verhängnisvoll werden könnten – also auch für Menschen, die nicht zwangsläufig auf der FBI-Liste der Terrorverdächtigen stehen. Ein Beispiel: Wer eine Versicherung beantragt, wird möglicherweise auch online überprüft. "Wenn also ein Nutzer auf seinem Facebook-Profil angibt, gerne Fallschirm zu springen, das aber gegenüber seiner Lebensversicherung verschweigt, muss er dennoch mit einem höheren Beitrag rechnen." Der Datenschutz-Fachmann ist sich sicher, dass sich viele Firmen den Datenreichtum der sozialen Netzwerke zunutze machen.

Auch Apple kann dank seines Serverdienstes iCloud gespeicherte Daten kontrollieren – und das mit Zustimmung der eigenen Kunden. Denn jeder Cloud-Nutzer hat vorher den Allgemeinen Geschäftsbedingungen zugestimmt. "Sie erklären sich damit einverstanden, dass Apple (...) auf Ihre Kontoinformationen und Ihre Inhalte zugreifen, diese nutzen, aufbewahren und/oder an Strafverfolgungsbehörden, andere Behörden und/oder sonstige Dritte weitergeben darf(...)", schreibt das Unternehmen in den Nutzungsbedingungen.

"'E-Mail-Anbieter, soziale Netzwerke, Suchmaschinen – keiner sollte glauben, dass deren nützliche und meist kostenlose Dienste nicht ihren Preis haben", warnt Christoph Schäfer. Zwar sei besonders das deutsche Recht im Umgang mit Daten relativ streng. Doch nütze das den Verbrauchern wenig, wenn die Firmen und Server der jeweiligen Web-Dienste in anderen Ländern ansässig sind.

Tipps für mehr Datenschutz beim Surfen

Usern, die sich um ihre Privatsphäre sorgen, gibt Christoph Schäfer Ratschläge zum Surf-Verhalten: Anstatt immer Standard-Suchmaschinen wie Google zu nutzen, empfiehlt Schäfer die Website https://startpage.com. "Die Suche läuft auch hier weiterhin über Google", erklärt der Datenschutz-Fachmann. Doch sammelt und teilt "Startpage" keinerlei persönlichen Informationen über seine Nutzer.

Weiter empfiehlt Christoph Schäfer Web-Surfern, den Browser Firefox zu nutzen. Das Programm sei einfach in der Handhabe. So könnten über die Einstellungen auch leicht die Cookies deaktiviert werden – ein weiterer wichtiger Punkt in Sachen Datenschutz beim Surfen. Cookies sind kleine Textdateien, die es Firmen ermöglichen, Profile über die Vorlieben der Nutzer anzulegen. Viele Online-Shops machen sich die Speicherung der eingegebenen Begriffe zunutze, wenn der User beim Einkaufen über mehrere Seiten seinen Einkaufskorb füllt. Bei Firefox können User den Umfang der Cookie-Nutzung unter Extras, Einstellungen in der Kategorie Datenschutz selbst bestimmen.

Mit Tracker-Blockern gegen die virtuelle Verfolgung vorgehen

Zudem hält Schäfer sogenannte Tracker-Blocker für wichtig. Denn viele Internetseiten nutzen Analyse-Tools, die auf JavaScript basieren, um das Verhalten der Surfer auf ihrer Webseite zu verfolgen. "Ghostery ist zum Beispiel eines der Programme, das die Analyse-Programme blockiert." So könne man einigermaßen anonym im Netz surfen. Das Programm NoScript sorgt dafür, dass Java-Scripts generell nicht ausgeführt werden.

Zudem rät der Datenschutz-Experte, sich auch beim Schreiben von E-Mails nicht in Sicherheit zu wägen: "Schreiben Sie nichts in eine Mail, was Sie nicht auch auf eine Postkarte schreiben würden." Denn die Nachrichten könnten nicht nur Sender und Empfänger lesen, sondern unter Umständen auch Dritte. In jedem Fall sollten Nutzer seine Nachrichten verschlüsseln und mehrere, anonyme E-Mail-Konten anlegen, anstelle immer die gleiche Adresse verwenden.

Grundsätzlich sollte zudem jeder PC, der ans Internet angeschlossen ist, eine Sicherheitssoftware haben. "Dabei lohnt es sich, rund 20 Euro pro Jahr in eine kostenpflichtige Lösung zu investieren", rät Schäfer. Nur so schütze man den Rechner effektiv vor Schadsoftware wie Viren und Trojaner.

 

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