WHO warnt vor zweiter Schweinegrippe-Welle

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Berlin/Hongkong. Die Schweinegrippe scheint sich weniger auszubreiten als zunächst befürchtet. Allerdings warnt die Weltgesundheitsorganisation WHO vor vorschneller Entwarnung. Es bestehe die Gefahr eine zweiten Welle. Diese würde heftiger ausfallen als die derzeitige.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat vor einer zweiten, heftigeren Welle der Schweinegrippe gewarnt. Trotz des anscheinenden Rückgangs der Todesrate sei ein zweiter, viel schwererer Ausbruch möglich, sagte WHO-Chefin Margaret Chan der «Financial Times» von Montag. Die Regierung in Mexiko gab sich dagegen zuversichtlich, die Epidemie zu bewältigen.

"Wir hoffen zwar, dass das Virus sich totläuft», sagte Chan der «Financial Times». Eine zweite Schweinegrippe-Welle könne jedoch jederzeit «mit aller Macht» zuschlagen und dann «der größte aller Ausbrüche, mit denen es die Welt im 21. Jahrhundert zu tun hatte», sein. «Ich sage jetzt nicht, dass eine Pandemie losbricht», betonte die WHO-Chefin. Sie treffe aber «lieber zuviel als keine Vorsorge».

Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) rief zu Wachsamkeit auf. Die Zahl der bestätigten Fälle in Deutschland liege nach wie vor bei acht und den Patienten gehe es gut, sagte -Präsident Jörg Hacker in Berlin. Es müsse aber auch in Deutschland mit weiteren Fällen gerechnet werden. Geprüft wurden noch zehn offene Verdachtsfälle von Schweinegrippe.

Hacker warnte, es müsse damit gerechnet werden, dass sich das Virus A/H1N1 möglicherweise weiter verändere und zum Beispiel stärker krank machen könnte als derzeit. Dies sei noch Spekulation, die Gefahr müsse aber ernstgenommen werden, sagte der RKI-Chef. Wann die Krankheitswelle abebben wird, kann nach Hackers Einschätzung nicht seriös vorhergesagt werden.

Zur besseren Vorbeugung und Bekämpfung der Infektionskrankheit müssen Ärzte hierzulande seit Sonntag neue Verdachts- und Erkrankungsfälle dem Gesundheitsamt melden. Die baden-württembergische Gesundheitsministerin Monika Stolz (CDU) verteidigte die Meldepflicht für die Schweinegrippe gegen Kritik. «In solchen Situationen, in denen wir besonders wachsam sein müssen», sei die Regelung «keine besondere Zumutung», sagte Stolz im Südwestrundfunk. Bundesärztekammer-Vizepräsident Frank Ulrich Montgomery hatte die Meldepflicht zuvor als «Zwangsverordnung» kritisiert.

Das Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit (FLI) warnte vor der Übertragung des neuen Influenza-Virus auf Schweine. Betriebsfremde und Menschen, die sich mit dem Schweinegrippe-Virus infiziert haben könnten, dürften keinen Zutritt zu Tierbeständen erhalten, erklärte Institutspräsident Thomas Mettenleiter. Am Wochenende hatten die Behörden in Kanada bestätigt, dass dort ein Landwirt seine Schweine mit dem Virus A/H1N1 angesteckt hatte.

Bislang wurden in 20 Staaten knapp 1000 Schweinegrippe-Fälle bestätigt, im am schwersten betroffenen Mexiko starben mindestens 25 Menschen an dem Virus. Der mexikanische Präsident Felipe Calderón sagte in einer Rundfunkansprache, sein Land sei in der Lage, die Epidemie zu bewältigen. Außenminister José Angel Córdova erklärte, die Infektionen gingen zurück.

US-Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius sagte dem Fernsehsender CBS, derzeit schwäche sich die Schweinegrippe zwar ab. Es sei aber nicht vorhersehbar, was passiere, wenn das neue Virus in ein paar Monaten mit einer saisonüblichen normalen Grippewelle zusammentreffe. In den USA wurden bisher aus mehr als der Hälfte der 50 Bundesstaaten Krankheitsfälle gemeldet, ein Schweinegrippe-Patient starb. (afp)

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