Über WhatsApp krankschreiben lassen: Experten warnen vor umstrittenem Dienst

Ein Hamburger Start-up bietet einen neuen Dienst an. Kränkelnde Arbeitnehmer sollen sich per WhatsApp krankschreiben lassen können.
Ein Hamburger Start-up bietet einen neuen Dienst an. Kränkelnde Arbeitnehmer sollen sich per WhatsApp krankschreiben lassen können.
Foto: imago/xim.gs
  • Krankschreibung per WhatsApp? Ein Hamburger Start-up macht es möglich
  • Der Telemedizin-Service erntet von Ärztekammern Kritik
  • Im Fokus steht dabei der Datenschutz und die Frage, ob Arbeitgeber und Krankenkassen diese Form der Krankmeldung überhaupt akzeptieren

Hamburg. Krankschreibung per WhatsApp? Es klingt nach einer merkwürdigen Geschäftsidee. Ein neuer Service für Krankschreibungen per WhatsApp stößt auch bei Ärztevertretern auf Kritik. Ein Hamburger Start-up hat die Idee ins Leben gerufen.

Obwohl das sogenannte Telemedizin-Angebot prinzipiell seine Vorteile mit sich bringt, ist der Online-Service umstritten. Nicht nur Ärzte, auch Patienten sind nicht begeistert. Auch die rechtliche Grundlage bedarf einer Klärung.

Arbeitnehmer aus Hamburg können sich laut dem NDR schon seit Weihnachten in bestimmten Fällen über WhatsApp krankschreiben lassen. Die neue Regelung gilt vor allem für erkältete Arbeitnehmer. Die können auf das Angebot des Hamburger Start-ups zugreifen.

Arbeitnehmer beantworten Fragen zu Symptomen per WhatsApp

Kränkelnde Arbeitnehmer müssen lediglich eine Reihe an Fragen zu den Symptomen beantworten. Wer nach der abgeschlossenen Analyse an den typischen Symptomen leidet, bekommt danach von einem Arzt, mit dem das Start-up kooperiert, die Krankschreibung ausgestellt. Für 9 Euro schickt der Arzt dem Patienten das Attest über WhatsApp zu.

Um Missbrauch vorzubeugen, hat der Arbeitnehmer jedoch nur zweimal im Jahr Anspruch auf den Service.

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Ist der Service sicher? Ärztekammer rät ab: „Allein schon aus datenschutzrechtlichen Gründen“

Die Ärztekammern in Hamburg und Schleswig-Holstein raten von der Nutzung des Online-Angebots der Hamburger Firma ab. „Allein schon aus datenschutzrechtlichen Gründen“, wie der Ärztliche Geschäftsführer der schleswig-holsteinischen Kammer, Carsten Leffmann, sagt.

Ärztekammer Hamburg: Rechtliche Grundlage muss geklärt werden

Ähnlich äußerte sich Nicola Timpe von der Ärztekammer Hamburg. Zudem müsse die rechtliche Grundlage des Online-Angebots noch geklärt werden, sagte sie. Es könne sein, dass Arbeitgeber eine solche Krankschreibung nicht anerkennen.

Ein Dutzend Erkrankte nutzte Service

Die Firma AU-Schein bietet den neuen Service seit der Woche vor Weihnachten an. Bislang nutzten diesen Service allerdings erst ein Dutzend Erkankte.

Die weitere Kommunikation mit einer Ärztin - inklusive persönlicher Daten und Foto der Versichertenkarte - erfolge dann über den verschlüsselten Messenger-Dienst und entspreche damit auch der Datenschutz-Grundverordnung, sagte Firmengründer Can Ansay.

Lockerung des Fernbehandlungsverbots ermöglicht Online-Service

Möglich sei dieses Angebot durch die im vergangenen Jahr erfolgte Lockerung des sogenannten Fernbehandlungsverbots. Auch müssten die Krankschreibungen von den Kassen anerkannt werden, selbst wenn diese von einer Privatärztin ohne Kassenzulassung ausgestellt würden. (mit dpa)

 
 

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