Wegen Überlastung: Patientin muss sechs Tage im Krankenhaus-Flur liegen – teils in ihrem eigenen Urin

Sechs Tage lang verbrachte eine Frau in Leeds auf dem Krankenhausflur (Symbolbild).
Sechs Tage lang verbrachte eine Frau in Leeds auf dem Krankenhausflur (Symbolbild).
Foto: imago stock&people
Wegen Schmerzen in ihrem Rücken kam eine Rentnerin aus Leeds ins Krankenhaus. Dort erlebte sie die schrecklichsten Tage ihres Lebens.

Leeds.  Eine 93-jährige Ex-Krankenschwester musste die Überlastung von Krankenhäusern am eigenen Leib erfahren. Unter Schmerzmitteln musste sie sechs Tage auf dem Flur des St. James Hospital in Leeds verbringen. Nachdem sie inkontinent wurde, lag sie sogar stundenlang in ihrem eigenen Urin!

Während ihrer Tätigkeit als Krankenschwester wurde Enid Stevens für ihre Arbeit mit einem Orden ausgezeichnet. Laut „Daily Mail“ hat die Frau sogar Verständnis für die Situation.

Stundenlanges Warten – ohne Hilfe

Stundenlanges Warten, eine Untersuchung und danach abgestellt in einer Kabine. So verbrachte die 93-Jährige die ersten Stunden im Krankenhaus. Als sie in ihrem eigenen Urin lag und eine Krankenschwester um frische Kleidung bat, wollte diese helfen – erschien aber nicht wieder.

Stunden dauerte es, bis Enid Stevens sich umziehen konnte. Nach drei Tagen auf der Station wurde Stevens schließlich wieder auf dem Krankenhausflur abgestellt und musste noch weitere sechs Tage dort verbringen.

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Schrecklichste Erfahrung

„Das war das Erniedrigendste, was mir je passiert ist“, sagt die 93-Jährige nach ihrer Erfahrung. Und trotzdem hegt sie keinen Groll gegen das Krankenhaus und seine Angestellten. Sie hätten keine Möglichkeit gehabt, sich besser zu kümmern.

Stattdessen trage der Staat schuld an der Situation in der Pflege. „Es gab früher Heime, in denen ältere Menschen sich regenerieren konnten, nachdem sie in einem Krankenhaus behandelt wurden, aber die Regierung hat diese vor Jahren abgeschafft.“

Seit sie 18 Jahre alt war, hat Enid Stevens bis zu ihrer Rente als Krankenschwester gearbeitet. Bei ihrem letzten Aufenthalt sei sie nur froh gewesen, ihre Tochter an ihrer Seite gehabt zu haben.

Reaktion der Verantwortlichen

Julian Hartley, Geschäftsführer der NHS Lehrkrankenhäuser in Leeds, gesteht ein, dass in der Pflege von Enid Stevens etwas schiefgelaufen ist. Gegenüber „Daily Mail“ erklärt er: „Unsere Kommunikation mit Frau Stevens und ihrer Familie hätte während ihres Aufenthalts besser sein müssen und ich entschuldige mich aufrichtig für ihre Erfahrung mit der Pflege.“

Und doch gibt er auch zu verstehen, dass der Druck und das Pensum im Gesundheitssystem derzeit teilweise schlicht nicht zu bewältigen seien. (alka)

 
 

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